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Operettenabend

08.10.2019

Ein beschwipstes Mausi in himmelblauer Welt

Operettenlaune im besten Sinne verbreiteten Christin Bonin und Richard Wiedl, am Klavier unterstützt vom Pianisten Eduard Asimont.
Bild: Ulrike Hampp-Weigand

Christin Bonin und Richard Wiedl entführen ihr Publikum in die walzerselige Atmosphäre von Ralph Benatzky, Peter Kreuder, Robert Stolz und Co. Ein höchst amüsantes Konzert

Wie war das doch noch? Einstens lispelten Majestäten leutselig „es hat mir sehr gefallen“ – und wenn man die vielen Besucher des Mertinger Operetten-Konzertabends fragt – dann sagen sie dasselbe. Ganz kreuzfidel!

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Die in Druisheim zugezogene Sopranistin Christin Bonin hatte den Tenor Richard Wiedl, einen großartigen Buffo, der auf allen Bühnen zu Hause ist, eingeladen. Eduard Asimont, noch vor kurzer Zeit weltweit tätig, begleitete am Klavier aufs allerbeste, von der Operette über Chanson zum Schlager: Er hatte sichtlich Spaß daran. Heraus kam ein sehr unterhaltsamer, sehr amüsanter und kurzweiliger Boulevard-Abend.

Diesen Konzertabend lang war, wie angekündigt, „die ganze Welt himmelblau…“(Robert Stolz). Dabei sieht es für den seine Patronin (Bonin, hübsch genremäßig im himmelblauen Dirndl) anhimmelnden Kellner Leopold (Wiedl) aus dem „Weißen Rössl am Wolfgangsee“ von Ralph Benatzky ja anfangs gar nicht gut aus! Sie hetzt ihn gnadenlos ins Publikum, das, von ihr angewiesen, als Extrachor ihn mit „Zahlen! Zahlen!“ arg bedrängt. Und das sich trotz seines Auftrittsliedes „Aber meine Herrschaften“ gar nicht beruhigen lässt. Damenherzen berührt er gleich danach „Es muss was Wunderbares sein“ – bloß scheinbar ihres nicht. Doch gemach! Gleich folgt das Geständnis, dass das gemeinsame „Liebeslied ein Walzer“ sei.

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Ein Bravo für die tänzerische, darstellerische und sängerische Präsenz der beiden, wirbelte doch der Leopold über die Bühne, tanzte Walzer, warf sich auf die Knie, oder überredete das Publikum im direkten Kontakt. Christin Bonin spielte ihre Soubrettenqualitäten charmant aus und war dabei reizend anzuschauen. Das Publikum hatte fühl- und hörbar großen Spaß beim Zuhören, respektive beim Zuschauen. Beide moderierten kurzweilig, sangen melodiös, voller Schalk und Spiellaune, queerbeet – aus Eduard Künnekes „Hochzeitsnacht im Paradies“ ebenso wie Paul Abrahams „Frau Luna“, „Blume aus Hawai“ und „Viktoria und ihr Husar“. Durchwegs waren es die „Ohrwürmer“ der Buffopaare. Doch als sie turtelt „Er heißt Waldemar“ (Musik: Michael Jary), kommt er eher säuerlich mit Musik aus der Czárdásfürstin von Emmerich Kálmán „Aus ist‘s mit der Liebe“, daher. Dieses Aus gilt ein für allemal. Er wirft sie sich über die Schulter und geht ab.

Peter Kreuder hat viele Chansons geschrieben, vier davon passten auch in den Mertinger Abend: Lauthals verkündete Christin Bonin, dass sie „keine Millionen brauche“, und „warum sie treu sein solle“, während er scheinheilig nach dem Verbleib der Gattin fragte. Großes Vergnügen, als Richard Wiedl noch seiner Sehnsucht, ein Huhn sein zu wollen, sozusagen beseelten Ausdruck gibt. Doch wenn er „Mausi, süß warst Du heute Nacht“ ansingt, und sie anlacht, dann glaubt ihm jeder den Schwerenöter. Sie kontert beschwipst, am Flügel Halt suchend, und ihm in die Arme sinkend, mit dem „Schwipserl-Lied“. Der Abgang folgt wie gehabt: Er wirft sie sich über den Rücken und trägt sie von dannen.

Ein kleiner, ernsthafter Moment berührte sehr. Als nämlich Richard Wiedl erzählte, wie er Robert Stolz‘ Lieder noch, von ihm gewünscht, vor dem großen Meister singen durfte. Er sang „Gibt’s in Wien a Hetz, a Drahrerei“. Das war fast das Ende, doch das Phantom der Oper ließ grüßen. Als weitere, lautstark eingeforderte Zugabe, bescherte das Duo schließlich noch ganz romantisch – wie weiland Rex Gildo und Gitte – „Gehen sie aus, im Stadtpark die Laternen…“.

Sehr beglückend, so ein operettenseliger Abend im Boulevard-Theater.

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