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Kulturtage

21.10.2019

Ein hochemotionaler Abend

Musikalisch perfekt und voll innigem Ausdruck: das Aris-Quartett im Donauwörther Zeughaus.
Bild: Lorenz Fitzel

Das grandiose Aris-Quartett zelebriert virtuose Kompositionen von Schubert, Brahms und Schostakowitsch im Donauwörther Zeughaus mit ungemeiner Spielfreude und Perfektion

„Zu den jungen Himmelsstürmern im Konzertgeschehen zählt fraglos das Aris-Quartett“, ein Zitat, auf ein junges, mittlerweile weltweit äußerst erfolgreich konzertierendes Ensemble gemünzt. Man durfte also sehr gespannt sein auf diesen Abend – zumal das Quartett ja nicht das erste Mal, bejubelt, in der Region gespielt hat. Die Erwartungen wurden auch bei diesem Konzertabend im Rahmen der Donauwörther Kulturtage nicht enttäuscht. Im Zeughaus spielten die vier Musiker bezwingend auf – mit einem interessanten, hintergründigen Programm – bezaubernde Klassik, fesselnde Moderne und emotionale Romantik. Und begeisterten wiederum sehr!

Verführung pur war das einleitende Streichquartett Nr. 1 g-Moll/B-Dur D18 „in gemischten Tonarten“ , komponiert vom 13-jährigen Franz Schubert. Seine Jugendquartette, im Spannungsfeld zwischen Klassizismus und aufkeimender Romantik entstanden, wirken oft unbeschwert, Erfahrung suchend – auch das Quartett D18 in den Tonarten c-Moll, g-Moll, F-Dur, C-Dur, B-Dur und wieder C-Dur, ist in der interessanten thematischen Verknüpfung der Sätze Andante-Allegro und Menuett-Trio ein verspielter Formversuch, sehr sanglich, tänzerisch-melodiös und irgendwie wehmütig.

Hochemotional folgte Dimitri Schostakowitschs Streichquartett Nr. 9 Es-Dur op.117, so völlig anders, dass Cellist Lukas Sieber das harmonisch eingestimmte Publikum in Leben und Wirken des russischen Komponisten einführte. Komponist im unruhigen, kriegsgeschüttelten 20. Jahrhundert, von den Systemen und Ideologien, unter denen er lebte, gebeutelt. Ein Freigeist, aufrührerisch, unangepasst, ein Zerrissener. Einer, dessen Streichquartette „Ausdruck des Leidens an seiner Zeit“ sind. Der, um zu überleben, sich auch immer wieder anpassen musste, seiner Verachtung mit nicht konformer Musik Ausdruck gab. Dabei ist das 9. Streichquartett in glücklicher Zeit entstanden, der Komponist neu verheiratet mit Irina Antonowa. Aber nicht harmonisch jubelndes Glück, sondern Strenge, Nachdenklichkeit prägen das aus fünf Sätzen – vier Miniaturen: Moderato con moto, Adagio, Allegretto, Adagio und einen letzten langen und beschwingten Satz, einem Allegro – bestehende, attaca, also ohne Unterbrechung, zu spielende Quartett.

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Verdichtung in kleinste Elemente, nichts Überflüssiges mehr: Melancho-lie wechselt zu tänzerischer Leichtig-keit mit Staccato und Pizzicato, dunkle Kompaktheit gleitet in einen kurzweiligen, rhythmisch sehr ausgeprägten Tanz, eine volkstümliche Melodie wird mit heftigen Einwürfen unterbrochen, um in choralähnlicher Melodik zum Schlusssatz zu strömen. Grandios herausgespielt sind die Momente großer Ruhe, dunklen Sehnens und großen Glückes. Phrasierung, Klanglichkeit und Dynamik sind vom Feinsten – eine einprägsame, überzeugende Interpretation.

Johannes Brahms Streichquartett Nr. 1 c-Moll op. 5/1 beschloss den Abend mit seiner emotionalen Wucht – wie alle Streichquartette Brahms technisch enorm schwierig, enthält es schönste musikalische Ideen in knappster Form, in enger musikalischer Verzahnung. Robert Schumann schon sah in Brahms Streichquartetten „verschleierte Sinfonien“. Der Kopfsatz des c-Moll-Quartetts, das Allegro: Drängende Wucht und ermattetes Darniedersinken, in seiner affektiven Übersteigerung, gilt er als „krassestes Beispiel einer alle Grenzen überschreitenden Quartettmusik“, oder aber als Offenbarung eines melancholisch gestimmten Lebens.

Die vier Musiker zelebrierten mit einer ungemeinen Spielfreude jede noch so kleine Figur, rührten fast mühelos an die Grenzen des Spielbaren. Und schenkten schelmische Freude in den weiteren Sätzen, einer betörenden Romanze, einem Allegro mit volks-musikalischen Elementen. Und einem rauschhaften Schlusssatz mit orchestralem Klang. Die Zugabe – aus Johann Sebastian Bachs „Kunst der Fuge“ – führte wunderbar gelungen in seiner stillen Ruhe aus dem Abend. Grandios!

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