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Klavierabend

09.10.2018

Ein junger Künstler, dem die Welt offensteht

Amadeus Wiesensee hinterließ in Donauwörth bei seinem Konzert im Rahmen der Kulturtage einen großartigen Eindruck.
Bild: Lorenz Fitzel

Ein großartiger Konzertabend mit dem erst 25-jährigen Pianisten Amadeus Wiesensee

Am Vortag Berlin, im Gesprächskonzert bei Daniel Hope, als Gast mitgebracht vom Stardirigenten Christian Thielemann, und anderntags in Donauwörth – an beiden Abenden gelang es diesem jungen, schmalen Künstler, sein Publikum zu bezaubern: In Berlin mit dem 3. Satz der „Klaviersonate As-Dur op. 110“ von Ludwig van Beethoven, die Amadeus Wiesensee spielte – wie unter anderem auch in Donauwörth.

Es war ein begeisterndes Konzert, das der junge Pianist mit quasi „Wunderkind“-Genese im Enderlesaal spielte. In dem er sich wohlfühle, wie er anmerkte. Vor einem Publikum, das er mit spielerischer Eleganz und Brillanz begeisterte, und mit seinem sehr klug konzipierten Programm. Er erläuterte, stellte seine Überlegungen zu den Werken voran. Bat um Schweigen nach den einzelnen Programmteilen – eine weise Bitte, wie sich herausstellte.

In klassischer Pianistentradition, zurückgenommen, begann er, wie traumbefangen spielend, mit Claude Debussy, aus den „Images II“ Nummer 2 „Et la lune descend sur le temple qui fut“ – gleich einer Meditation über Vergangenes, Verlorenes, vielleicht nie Besessenes. Pianist und Publikum gingen gemeinsam verloren. Eine winzige Pause, gerade zum Atemholen – mit gleichsam einem Aufschrei setzte Robert Schumanns „Fantasie in C-Dur op. 17“ ein. Sie sei ein einziger „Liebesschrei“ des zu diesem Zeitpunkt vergeblich um Clara, Tochter seines Klavierlehrers Wieck, werbenden jungen Robert Schumann. Die Fantasie, ein Werk in drei Sätzen, mit einer Fülle poetisch-musikalischer Bezüge, emphatisch, rätselhaft. So muss sie nicht nur auf Clara Wieck gewirkt haben, eine der besten Pianistinnen ihrer Zeit.

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Ein dramatischer Marsch, ein beglückender Schlusssatz in feinen Nuancen. Wiesensee, dem Komponisten Schumann fast gleichaltrig, spielt dieses berührende Werk, in sich ruhend, beglückend authentisch.

Der zweite Teil des Konzerts ist auch Hommagen an Johann Sebastian Bach gewidmet. Wiesensee, Musiker und Philosoph, sieht Betrachtungen über den Tod: Ferrucio Busonis schöpferische Interpretation „Fantasia nach Johann Sebastian Bach BV 253“, klangliche Neuerungen mit Rückbesinnung auf alte Tradition vereinigend, ein meisterhafter furioser Tastenritt im Wechsel mit luziden Passagen auf Choräle J. S. Bachs – rasende Läufe, Kreuzgriffe: beeindruckendes Œuvre und Können.

Bruchlos, fast zwingend, folgt ein „typisches“ Werk von Olivier Messiaen, Komponist und begeisterter Ornithologe – jäh hervorbrechendes Vogelgezwitscher vor dunklem Hintergrund in der „Première communion de la Vierge“ aus den „Vingt regards sur l’enfant-Jésus“, Nr. 11: die Empfindungen Mariens bei Jesu Empfängnis: illustrierte Furcht, Freude, musikalischer Taumel mit gellenden Rufen und jagenden Tastenläufen. Hinreißend!

Und genauso bruchlos folgt Ludwig van Beethovens dreisätzige „Klaviersonate As-Dur op. 110“, gespickt mit technischen Schwierigkeiten, besonders im mit einer Fülle an Takt- und Tonartwechseln bedachten dritten Satz, in dem aus Bachs „Johannispassion“ zitiert wird: „Es ist vollbracht“ als Dankgesang eines Genesenen: Das ist erstaunlich reif und meisterhaft, trotz der immensen intellektuellen und mnestischen Leistung (der Pianist spielt das gesamte Konzert auswendig) und überzeugend interpretiert.

Die hingerissene Begeisterung des Publikums wurde mit „Kinderszenen“ von Robert Schumann belohnt. Ein großartiger Konzertabend mit einem jungen Künstler, dem die Welt offensteht!

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