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Zu Gast im Schloß

21.08.2016

Ein magischer Ort voller Ruhe und Kraft

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7 Bilder
Schloss Spielberg – eigentlich im zwölften Jahrhundert als Burg erbaut – verfügt über eine intakte kreisrunde Befestigungsanlage. Noch vor einigen Jahrzehnten war der Gebäudekomplex so heruntergekommen, dass sogar Abriss ein Thema war. Dank der Zusammenarbeit zwischen der Fürstenfamilie Oettingen-Spielberg und der Familie Steinacker wurde das Anwesen saniert und ist heute eine Stätte voller Ruhe und Kraft.
Bild: Steinacker

Wo heute Schloss Spielberg steht, gab es einst schon Kelten und Römer. Was jetzt dort innehalten lässt

Schloss Spielberg ist ein ganz besonderer Ort – voller mystischem Zauber, voll magischer Aura. Wer auch immer vor nahezu 1000 Jahren aus dem Geschlecht derer von Spielberg diese Stätte gewählt hat, um darauf eine Burg zu errichten, hat großes Geschick bei der Wahl der geografischen Lage bewiesen. Vielleicht aber hat er sich ganz einfach auch dem Archaischen dieses Fleckens Erde nicht entziehen können. Denn hoch oben in exponierter Lage hat die Anlage nicht nur einen strategisch günstigen Standort. Es ist weit mehr als nur der Blick auf Ankömmlinge, die sich der Burg nähern, mehr als das atemberaubende Panorama mit Sicht ins nördliche Ries, auf den Hahnenkamm und zur Fränkischen Seenplatte. Dieser Ort lässt innehalten.

Wer dort steht und in den Augenblick hinein spürt, wer sich bewusst macht, dass an jener Stelle bereits die alten Römer waren, dass deren Limes nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt gestanden hatte, dass wohl auch die Kelten zuvor schon dort einen Platz für Zusammenkünfte am Fuße der heutigen Burg gepflegt hatten, der fühlt förmlich, wie die Geschichte dort atmet. Sein, Werden und Vergehen – all das ist auf Schloss Spielberg präsent. Erst recht, seit dort die Kunst Einzug gehalten hat und dem Betrachter auch Philosophien über das Leben mit auf den Weg gibt.

Skulpturen und Bilder des Wemdinger Bildhauers und Malers Ernst Steinacker (1919-2008) stehen dort an Wegen, Plätzen, auf Wiesen, in Nischen und auf Podesten, hängen an Wänden. Sie geben Schloss Spielberg einen Inhalt in der Jetzt-Zeit. Sie fügen dem dort Gewesenen eine harmonische und spannende neue Variante hinzu. Sie fügen sich ganz besonders auch deshalb in den Mauern dort ein, weil sie sich mit dem Menschsein beschäftigen. Die Kunst Ernst Steinackers kündet von zeitloser Sehnsucht. Es ist die Sehnsucht, die Seele zu erspüren, nach menschlicher Nähe und Einheit, nach gläubiger Liebe und jenseitiger Erfüllung. Das Anliegen des Künstlers war es, wie er selbst immer sagte, „Bilder der Seele zu schaffen, um den Himmel zu öffnen“.

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Die tiefgründigen Gedanken, die im christlichen Glauben verwurzelten Überzeugungen Ernst Steinackers sind es, die Schloss Spielberg heute seine Ruhe und Kraft geben. „Er war stets auf der Suche nach Erkenntnis, Wahrheit und Erlösung“, sagt sein Sohn Veit Steinacker, der heute noch auf dem Schloss lebt und das Erbe des Vaters pflegt.

Große Werke des Künstlers stehen bundesweit im öffentlichen Raum, etwa im Dom zu Trier, am Ulrichshaus in Augsburg, vor der Oettinger Kirche St. Jakob – und eben auch rings um und in Schloss Spielberg. Liebende Paare, die so verschmelzen, dass ihre Gesichter eins werden. Die Große Säule mit vielen hundert Gestalten und Symbolen, die uns die Menscheitsgeschichte erzählen. Engelsmotive zwei- und dreidimensional, bunt gemalt oder aus Bronze und Stein modelliert. Und vieles mehr.

Als er sich 1983 zusammen mit Ehefrau Ingrid und den fünf Kindern für Schloss Spielberg entschied, stand Ernst Steinacker praktisch vor einer Ruine, die schon dem Einsturz überlassen war. Doch die Familie erkannte das Potenzial jener mittelfränkischen Schlossanlage bei Gnotzheim, die 1363 an die Grafen von Oettingen fiel und später Stammsitz der 1734 in den Fürstenstand erhobenen Linie Oettingen-Spielberg wurde. 1796 wurde das Anwesen preußisch, 1806 kam es zu Bayern. 1827 ersteigerte Fürst Carl Philipp von Wrede die Anlage, schenkte sie seiner Tochter Amalie zu Oettingen-Spielberg, deren Nachfahren es gehört. Fürst Albrecht vertraute sie dann 1983 der Familie Steinacker an. Mit finanziellem Engagement, einem großen Maß an Eigenleistungen und starkem Willen erwuchs aus den Trümmern ein Wohn- und Ausstellungsort, der zugleich sichtbares Zeichen des Glaubens ist.

Neben dieser Stätte moderner Kunst und Kultur bezaubert Schloss Spielberg vor allem aber auch als eindrucksvolles Baudenkmal, das sich seine mittelalterlichen Spuren ebenso bewahrt hat wie die barocke Ausgestaltung aus der Zeit Mitte des 18. Jahrhunderts. Nur fünf Jahre hat es gedauert, bis die Steinackers das verfallene Gemäuer wieder zu einem architektonisches Kleinod geformt hatten. Bis in den letzten Winkel ist es von den Stilvorstellungen des Künstlers geprägt. Die Formen und Muster der rekonstruierten Stuckdecken erstrahlen in reinstem Weiß wiederholen sich in den Intarsien der originalen Fußböden. Sämtliche Zimmer sind kleine Inszenierungen für sich, kompromisslos in stimmigen Farbkonzepten gehalten. Das Ganze gipfelt im obersten Stock im weißen Saal, dessen I-Tüpfelchen der weiße Flügel ist. Regelmäßige Konzerte bringen ihn zum Klingen. Von verspielter Leichtigkeit: das Prinzessinnenzimmer, in dem den Gast eine Prinzessinnenfigur erwartet.

Beim Betreten wie beim Verlassen des Schlosses kommt man nicht umhin, an der großen Bronze-Säule zu verweilen und mit Augen wie mit Händen das Halbrelief der Figuren abzutasten. Brechts Erkenntnis „Das Schicksal des Menschen ist der Mensch“, steht dort eingraviert und stimmt den nachdenklich, der sie wahrnimmt. Wer Stille sucht, kann sie dort finden. Dort, an jenem magischen Ort in und um Schloss Spielberg, an dem Zeit und Raum miteinander zu verschmelzen scheinen ...

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