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Rain

14.06.2018

Eine Chance für die Stadtteile

Hagenheim ist einer der kleinsten Rainer Ortsteile und gehört zu Wallerdorf. Vielen Stadtteilen mangelt es an Infrastruktur. An dieser Stelle soll das Gemeinde-Entwicklungskonzept ansetzen.
Bild: Barbara Würmseher

Der Stadtrat entscheidet, ob Rain am Gemeinde-Entwicklungskonzept teilnimmt. Aktive Bürger sind erwünscht.

Hagenheim, einer der kleinsten Rainer Ortsteile, liegt eingebettet in den Unteren Lechrain, die Aindlinger Terrassen. Landschaftlich idyllisch, aber nicht gerade spektakulär. Es ist eines jener Dörfer, bei dem sich der sprichwörtliche Fuchs und der Hase Gute Nacht sagen. 27 Einwohner leben aktuell dort. Wollen sie in die Kernstadt Rain fahren, müssen sie zwölf Kilometer zurücklegen. In Hagenheim wird es sicher nie einen Kindergarten, eine Arztpraxis, einen Supermarkt, ein Theater oder ein Jugendzentrum geben. Ähnlich ist es in den meisten anderen Stadtteilen und Weilern, die zur Tillystadt gehören.

Und doch gibt es Möglichkeiten, die dortige Lebensqualität zu verbessern. Das Amt für ländliche Entwicklung (ALE) in Schwaben bietet dazu ein Gemeinde-Entwicklungskonzept an, das es seit etwa drei Jahren gibt und das vom Freistaat finanziert wird. Die Stadt Rain wird dieses Instrument nutzen, ihre Ortsteile zu stärken – vorausgesetzt der Stadtrat gibt dazu sein Einverständnis.

Dass damit zu rechnen ist, hat sich schon im Oktober 2015 gezeigt, als das Konzept erstmals in Rain diskutiert worden ist. Es zeigte sich erneut am Dienstag in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses, als sich dieser mit dem Thema befasste. Dessen Mitglieder signalisierten einhellig durch alle Fraktionen Zustimmung. Damit wäre die Stadt Rain die erste Kommune im Landkreis Donau-Ries, die an diesem Gemeinde-Entwicklungskonzept (GEK) teilnimmt.

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Große Distanzen und sehr heterogene Orte

Mit seiner landkreisweit größten Gesamtfläche von 8000 Quadratmetern, den damit verbundenen großen Distanzen und seiner heterogenen Gesamtstruktur ist Rain für ein Projekt wie dieses eine Herausforderung. Neben der Kernstadt gibt es zehn Stadtteile und zwölf Weiler, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Während Bayerdilling als größter Stadtteil (727 Einwohner) noch eine vergleichsweise gute Infrastruktur hat – dort gibt es Kindergarten, Metzgerei mit Lebensmittelgeschäft, Tankstelle, Gastwirtschaften, Vereinsheime und manches mehr – sieht es in den restlichen Stadtteilen mit Nahversorgung und Versammlungsstätten deutlich schlechter aus. Es sind dies: Etting (198 Einwohner), Gempfing mit Überacker (346 und 65), Mittelstetten (197), Oberpeiching (203), Sallach (172), Staudheim (455), Unterpeiching (100), Wächtering (118) und Wallerdorf mit Hagenheim (274 und 27).

Das Amt für ländliche Entwicklung in Schwaben ist nun einerseits Behörde, andererseits Servicepartner und Ratgeber, der die Stadt Rain bei ihrem Vorgehen unterstützen wird. Lothar Birzle vom ALE und seine Kollegin Julia Geiger stellten die wichtigsten Punkte für Rain in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses vor. Stimmt der Stadtrat dem Projekt zu, gilt es zunächst, mithilfe eines Planungsbüros den Bedarf zu ermitteln, wie Attraktivität gesteigert werden und Weiterentwicklung aussehen könne. 75 Prozent dieser Planungskosten werden gefördert, den Rest hat die Stadt Rain zu bezahlen.

Themenbereiche, um die es in diesem Planungsstadium geht, sind beispielsweise „Soziales und Generation“, „Siedlungsentwicklung“, „Dorfgemeinschaft/Kultur“, „Infrastruktur/Verkehr/Umwelt/Landschaft“, „Wirtschaft/Landwirtschaft“ und „Energie“. Mit diesen Feldern werden sich im weiteren Verlauf Arbeitskreise beschäftigen, in denen aus jedem Stadtteil mindestens ein Vertreter mitwirken soll.

Und das ist auch eine der großen Chancen des Gemeinde-Entwicklungsprogramms: Nicht von oben herab soll der Bevölkerung diktiert werden, was zu tun ist. Die Bürger dürfen und sollen sich aktiv in Diskussion, Planung und Umsetzung einbringen, sollen ihre Wünsche und Vorstellungen äußern. Wie Julia Geiger sagte, ist eine große Auftaktveranstaltung vorgesehen, wenn die Teilnahme am Förderprogramm definitiv feststeht. Dann sollen die Bürger im Einzelnen erfahren, wie die Mitwirkung in den Arbeitskreisen aussehen kann. Bürgerbeteiligung und Bürgermotivation seien ein ganz entscheidendes Instrument zum Gelingen.

Auch ISEK geht weiter

Unabhängig von diesem neuen Dorferneuerungsprogramm läuft auch das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) weiter. Es hat eine ganz ähnliche Zielsetzung, nämlich die Infrastruktur zu stärken, bezieht sich aber vorrangig auf die Kernstadt. Beide Konzepte – GEK und ISEK – sind unabhängig voneinander, greifen aber inhaltlich ineinander und ergänzen sich auf diese Weise.

Bei ISEK, so sagte Bürgermeister Gerhard Martin, wird es in etwa zwei Monaten Ergebnisse der Auswertung geben. Dann werde man weitersehen.

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