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22.06.2009

Eine Entscheidung für das Leben und gegen den Tod

Donauwörth Hans* ist 76 Jahre alt. Mehr als die Hälfte seines Leben kämpft er schon gegen eine Krankheit an. Hans ist das, was er nie sein wollte - Alkoholiker. "Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wie es so weit kommen konnte." Er sei da einfach in was hinein geschlittert. Obwohl Hans seit 26 Jahren Mitglied in der Gruppe Anonyme Alkoholiker in Donauwörth ist, sagt er, dass er es wohl nie ganz alleine schaffen kann, auf den Alkohol zu verzichten. "Wenn ich nicht mehr zu den Treffen gehe, dann weiß ich nicht, was passiert." Hans schaut verlegen auf den Tisch. Die Gruppe gebe ihm Halt, Verständnis und Motivation. "Hier treffe ich Gleichgesinnte, die wissen, von was sie reden." Seit 1983 ist er zwar trocken, wie er sagt, aber die Gefahr wieder abhängig zu werden, würde jeden Alkoholiker ein Leben lang begleiten.

Körper resigniert und zerfällt

Wie bei vielen Alkohol-Abhängigen fing auch bei Hans alles ganz harmlos an. Hier ein Feierabend-Bierchen, dort ein Gläschen Wein - "es haben ja alle getrunken." Doch bei ihm ist es irgendwann anders. Die Hände fangen zu zittern an, kleine rote Äderchen treten im Gesicht hervor. Familiäre Probleme bleiben nicht aus. Mit dem Alkohol scheint alles einfacher, leichter zu sein. Selbst als sein Körper resigniert, zerfällt, ist für Hans noch alles in Ordnung. Er und ein Alkoholproblem? Niemals. "Erst wenn du richtig am Boden bist, nicht mehr weiter weißt und kurz vor dem Sterben bist, erst dann hast du eine Chance, wieder gesund zu werden", erklärt der Familienvater. Niemand könne dem Alkoholiker dabei helfen. Es klappe nur, wenn man sich selbst eingestehe: "Ja, ich habe ein Alkoholproblem und brauche Hilfe." Wie es Hans geschafft hat? "Nur mit Hilfe von Gleichgesinnten. Ohne die AA hätte ich es nicht gepackt."

AA - das ist die Gruppe Anonyme Alkoholiker in Donauwörth. Seit 32 Jahren gibt es diese Einrichtung nun schon. AA ist eine Gemeinschaft, die nur Alkoholikern offen steht. Keine Therapeuten, keine Vorschriften. Lediglich Ratschläge und Anregungen sollen dem Kranken helfen. Irgendwann macht es Klick. Und dann kommt der harte Entzug. "Das sollte jeder Alkoholiker durchgemacht haben. Das ist so schlimm. Furchtbar", sagt Hans und fährt sich durch seine grauen Haare. Seit diesem Zeitpunkt weiß er, was der Alkohol aus ihm gemacht hat.

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Bei den wöchentlichen Gruppentreffen gibt es einen Sprecher, der zu allererst eine Präambel vorliest. Die Anonymen Alkoholiker werden darin als Männer und Frauen bezeichnet, die miteinander ihre Erfahrung, Kraft und Hoffnung teilen, um ihr gemeinsames Problem zu lösen und anderen zur Genesung vom Alkoholismus zu verhelfen. Einzige Voraussetzung: Der Wunsch mit dem Trinken aufzuhören.

Es wird besprochen, wie die Woche für jeden gelaufen ist. Erfolge werden gefeiert, bei Rückfällen wird motiviert. "Die gibt es leider oft", erklärt der 76-Jährige. Er hat nach seinem Entzug nie wieder zum Alkohol gegriffen. Hans ist nun der Erfahrene in der Gruppe, der den Neuen hilft. Die Gruppe ist für jeden zugänglich, ohne Anmeldung.

"Es wissen noch viel zu wenige, dass es uns gibt. Das muss sich ändern. Vielleicht kann sich der ein oder andere dann überwinden doch gegen den Alkohol anzukämpfen."

Entscheidung für das Leben

Für Hans war es Rettung in letzter Sekunde. Als seine Krampfadern in der Speiseröhre geplatzt sind, lag er im Sterben. Er sagt, es war die Entscheidung für das Leben und gegen den Tod. Er möchte solange er lebe AA nicht verlassen. Das gebe ihm Sicherheit und nehme ihm die Angst. Die Angst, wieder zum Alkohol zu greifen.

* Name und Alter geändert

Treffpunkt der anonymen Alkoholiker ist jeden Freitag um 19.30 Uhr in der Donauwörther Parkstadt im evangelischen Gemeindehaus, Benno-Benedikterstraße 46. Es ist jeder herzlich willkommen, keine Anmeldung nötig. Es muss auch keine Mitgliedschaft bezahlt werden. Die Gruppe finanziert sich durch Spenden. Es gibt auch keine Zeitbegrenzung, jeder kann so lange bleiben, wie er möchte.

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