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07.07.2010

Eine Fahrt in den Tod

Dieser Gedenkstein erinnert an den tödlichen Unfall. Fotos: Archiv Katzl
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Dieser Gedenkstein erinnert an den tödlichen Unfall. Fotos: Archiv Katzl

Heute genau vor 46 Jahren hat sich nahe Zirgesheim ein tödliches Unglück ereignet, bei dem ein Bundeswehrsoldat aus der Donauwörther Kaserne ums Leben kam. Franz Katzl hat die noch bekannten Fakten zusammengetragen sowie mit Zeitzeugen und Angehörigen gesprochen. Für unsere Zeitung entstand daraus dieser Artikel.

Donauwörth-Zirgesheim Schon am frühen Vormittag verspricht Dienstag, der 7. Juli 1964, ein heißer Sommertag zu werden. Im Wichtelesberg-Steinbruch bei Zirgesheim belädt der 20-jährige Josef Lindum mit seinem Bagger wartende Lastwagen mit Schotter für Flurbereinigungsarbeiten.

Diese sind unten im Dorf seit einiger Zeit in vollem Gang. Auch der Rohweilerweg, der vom Übungsplatz der Bundeswehr in die Ortschaft führt, soll erneuert werden. Er ist in beiden Fahrtrichtungen gesperrt, bereits aufgekiest und für die Teerung vorbereitet. Einige Frauen arbeiten außerhalb des Dorfes an der Hangseite der Straße; sie sind dabei, den Entwässerungsgraben instand zu setzen.

Unimog kippt um

Eine Fahrt in den Tod

Um etwa 9 Uhr schrecken sie auf: Ein Unimog 404 S der Bundeswehr mit Einachsanhänger fährt mit riskanter Geschwindigkeit auf dem Weg in Richtung Zirgesheim an ihnen vorbei. Allem Anschein nach verliert der Fahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug. Dieses beginnt auf dem lockeren Untergrund zu schleudern. Der Soldat reißt sein Steuer nach rechts, der Unimog stellt sich nun quer zum Straßenverlauf in Richtung zur damals 2,5 Meter hohen Böschung. Der Hänger, jetzt im 90-Grad-Winkel zum Fahrzeug, drückt ungebremst in die ursprüngliche Fahrtrichtung gegen den Unimog mit seinem relativ hohen Schwerpunkt und wirft ihn auf die linke Seite.

Schon bald danach trifft der alarmierte damalige zweite Bürgermeister Max Heinle bei seinem Neffen Josef auf dem Wichtelesberg ein: Der Bagger wird zur Bergung des Unglücksfahrzeugs benötigt. Josef Lindum steuert sein Gefährt so schnell es geht zur Unfallstelle, circa 500 Meter nördlich des Dorfes.

Dort sind bereits erste Helfer eingetroffen. Zwei zum Teil schwer verletzte Soldaten, die hinten auf dem Wagen saßen, sind bereits geborgen. Ein Dritter liegt noch innerhalb der Plane, die die Ladefläche überspannt. Er ist von einer schweren und großen Kiste bedeckt, die sich offensichtlich mit auf dem Wagen befand und sich beim Unfall losgerissen hatte. Die Helfer müssen mit Entsetzen erkennen, dass Kopf und Brustkorb des jungen Mannes zerschmettert sind; jede Hilfe kommt zu spät. Der Unglücksfahrer und sein Beifahrer sind weitgehend unversehrt.

Bald treffen Feldjäger ein, die die Unfallstelle absperren. Josef Lindum stellt nach der Bergung des Toten und der Aufnahme des Unfalls mithilfe seines Baggers den Unimog auf, ein Bergungskran der Bundeswehr schleppt das Unglücksgespann ab.

Etwa 45 Jahre später: In Altenstadt bei Schongau lebt Frau Margarete Wild; sie war mit dem Bruder Günther des damals tödlich verunglückten Hans Wild verheiratet. Sie blättert nachdenklich in einem oft benutzten Fotoalbum des Verstorbenen und erinnert sich an einen ernsten und fleißigen jungen Mann voller Zukunftspläne.

Hans (geboren 27. Januar 1942) war der zweite Sohn der Eheleute Wild aus Hohenstein-Ernstthal. Die Familie zog 1951 aus der "Zone" zunächst nach Leonberg, später (1954) nach Neuendettelsau um. 1956 begann der Junge dort seine Lehre als Textilfärber in einer Strumpffabrik, in der auch sein Vater arbeitete, später wechselte er zur Firma Kunert nach Sonthofen. Seinen zweijährigen Wehrdienst trat er in Donauwörth an.

Margarete Wild erinnert sich auch an den Tag im Juli 1964, an dem in Neuendettelsau eine Abordnung der Bundeswehr zusammen mit dem Pfarrer mit der Schreckensnachricht an ihrer Tür läutete und wie sie dann zur Mutter gingen; der Vater war bereits gestorben.

Margarete Wild denkt an die Fahrt nach Donauwörth, wo sie die verletzten Kameraden im Krankenhaus besuchte und auf Einladung der Bundeswehr in die Kaserne ihres Schwagers kam.

Kompanie stellt Gedenkstein auf

Josef Lindum entsinnt sich, dass am Unglücksort am Rohweilerweg um 1965/66 vermutlich von Soldaten der ABC-Abwehrkompanie ein Gedenkstein aufgestellt wurde. Anfangs war dieser immer wieder mit Blumen geschmückt, nach etlichen Jahren jedoch im Gestrüpp weitgehend verschwunden; die Erinnerung verblasste zusehends.

Vor etwa sechs Jahren nahm sich der Veteranenverein Zirgesheim wieder seiner an und legte ihn frei. Stefan Brühl kümmert sich mit Hingabe um den Stein und seine Umgebung. So ist es vor allem sein Verdienst, dass die Erinnerung an Hans Wild wach bleibt.

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