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Gemeinderat

11.07.2018

Eine Gruft mit besonderer Geschichte

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2 Bilder
Diese kunstvolle Steinplatte ließen die Stifter anfertigen.
Bild: Krug

Auf dem Friedhof in Tagmersheim steht ein ungewöhnliches Gebäude. Warum es Protestanten 1725 errichten ließen und was mit ihm nun geschieht

Die Gemeinde Tagmersheim ist seit Jahrhunderten katholisch geprägt. Ausgerechnet mitten auf dem Friedhof im Kernort befindet sich allerdings ein Gebäude, das an eine evangelische Episode in der Dorfgeschichte erinnert: die sogenannte Pestalozza-Gruft. Diese soll nun saniert werden. Das hat der Gemeinderat beschlossen.

„Dieses Gebäude hat uns die Geschichte übriggelassen“, merkte Bürgermeister Georg Schnell an. Nach Auskunft von Gemeindearchivar Hubert Krug stammt die Gruft aus dem Jahr 1725. Sie wurde im Auftrag von Regina und Julius Pestalozza errichtet. Die lebten damals im Schloss und herrschten über Tagmersheim, Blossenau und Übersfeld. Am 23. Januar 1725 starb der nicht einmal zwei Jahre alte Sohn Franz Heinrich. Den wollten die Eltern in Tagmersheim begraben. Doch sie waren evangelisch – und die katholische Kirche duldete laut Krug nicht, dass ein Protestant auf dem Friedhof bestattet wird. Deshalb entschlossen sich die von Pestalozza, eigens eine Gruft für ihr Kind erbauen zu lassen. Daran erinnert auch heute noch die Inschrift auf einer kunstvoll gestalteten Steintafel an der Stirnseite des kleinen Gebäudes.

Möglicherweise, so berichtet der Heimatforscher, sei dort ein zweites Kind beigesetzt worden – die bereits 1720 im Alter von sieben Tagen gestorbene Margaretha Elisabeth von Pestalozza. Das Epitaph (Grabinschrift auf einer Steinplatte) befindet sich ebenfalls in dem Bauwerk. „Vielleicht ist das Mädchen dort auch nur ehrenhalber erwähnt“, erklärt Krug. 1822 verkauften die von Pestalozza das Schloss wieder und zogen weg. Was blieb, war die Gruft. Die diente dann irgendwann als Leichenhaus und behielt diese Funktion bis vor etwa 20 Jahren.

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Vermutlich in den 1950er Jahren, so schildert Bürgermeister Schnell, sei dann die Pfarrkirche in Tagmersheim saniert worden. Wohl bei dieser Gelegenheit wurden aus dem Gotteshaus die Epitaphe einiger Pfarrer, die über die Jahrhunderte in Tagmersheim wirkten und beerdigt wurden, in die Gruft geschafft und dort in die Wände eingelassen.

In der jüngeren Vergangenheit blieb das Gebäude ungenutzt. Da es zunehmend marode ist und die Inschriften der Grabplatten verwittert sind, nahm Schnell das Thema auf die Tagesordnung des Gemeinderats. Man solle das denkmalgeschützte Bauwerk bewahren, so der Bürgermeister. Und weiter: „Es wäre schön, wenn wir eine Nutzung finden würden.“ Schnell rief dazu auf, Ideen für die künftige Funktion des Gebäudes zu sammeln.

Die Sanierung ist auf circa 15000 Euro veranschlagt. Allein 8000 Euro fallen für die Rekonstruktion der Epitaphien-Inschriften an. Zwar gehören der Friedhof und die Gruft inzwischen der Gemeinde, jedoch wird sich auch die katholische Kirche, sprich die Diözese Eichstätt, an der Renovierung mit schätzungsweise 5000 Euro beteiligen. Schließlich gelte es, auch die Erinnerung an die gestorbenen Priester wachzuhalten, deren Epitaphe sich in der Gruft befinden, so Schnell.

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