1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Eine musikalische Traumreise

Autorenbegegnung

23.10.2018

Eine musikalische Traumreise

Petra Plaum (links), Manuel Hechmer und Irene Hülsermann bildeten als kongeniales Trio unter dem Motto „Buch trifft Musik“ eine wunderbar klingende Einheit – mal durch Worte, mal durch Töne.
Bild: Daniele Graf

„Buch trifft Musik“ reißt das Publikum mit in eine Welt voller Worte und Töne

„Leaving on a Jet Plane“ (John Denver) ist nur einer vieler Songs, vorgetragen und inszeniert von Manuel Hechemer, der sein Publikum auf eine Reise im imaginären Flugzeug mitnimmt. In ein Land voller bezaubernder Klänge, schöner Semantik, Syntax zum Niederknien und zwei Leserinnen, die einfach auf eine Bühne gehören, genau wie der Gitarrist selbst. „Buch trifft Musik“ heißt die musikalische Lesung, die im Rahmen der 45. Kulturtage im Donauwörther Zeughaus abgehalten – ach was – gefeiert wurde.

Die leidenschaftlichen Geschichtenerzählerinnen sind: Petra Plaum und Irene Hülsermann. Die beiden Frauen verbindet nicht nur das Schreiben, sowohl beruflich als auch privat. Sie sind vielmehr Freundinnen, Mütter, lieben das Reisen, die Musik und sind beide im Autoren-Club Donau-Ries engagiert. Kennengelernt haben sie sich durch ihre Kinder in der Krabbelgruppe, wieder aus den Augen verloren und 2013 wiedergefunden – ein Glück.

Mit „That’s Amore“ (Dean Martin) stimmt der Twice-Sänger Manu die Zuhörer auf die erste Geschichte ein. Es geht nach Italien, genauer: Napoli und Palermo „Sie haben bestimmt schon einmal den Spruch gehört: Napoli sehen und sterben“, nun ja, das geht wohl auch in Palermo und Monaco. Die Autorin beschreibt gekonnt (beinahe) tödliche Szenen, Momente in die man einfach so hineinschlittert. Ein kurzer Moment des Innehaltens, wie schnell ein Leben vorbei sein kann. Aber auch wie lustig, bedingt durch ein kleines bisschen Intriganz in der folgenden Geschichte von Petra Plaum „Ehrlich wartet am längsten“.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die Politikwissenschaftlerin, Anglistin, preisgekrönte Journalistin und Schriftstellerin hat bereits mit sechs Jahren ihr erstes Bilderbuch gemalt mit dem Titel: „Die Maus, die immer zu spät kam“. „Sitting, Waiting, Wishing“ (Jack Johnson) ertönt. Und genau darum geht es auch: ums Warten im Wartezimmer eines Gynäkologen und um eine Frau, die alle Patientinnen auf amüsante Weise vergrault, was dann am Ende mit Chlamydien und ihrem Mann zu tun hat.

Irene Hülsermann lebt seit 21 Jahren in Donauwörth. Sie ist gelernte Erzieherin, hat viele Jahre in München in einer Edelboutique gearbeitet, als Sekretärin in einem Autohaus und als Italienischlehrerin an der Vhs. Mittlerweile ist die freiberufliche Journalistin und Schriftstellerin. Genau wie Petra Plaum hat sie ein turbulentes Leben, mit einem zweijährigen Intermezzo in Rom, und viel zu erzählen. Man könnte tagelang zuhören. Vor Kurzem erschien ihr drittes Buch mit dem Titel „Glück sieht jeder anders“. Die daraus vorgetragene Kurzgeschichte ist eine wahre: „Kindheit“. Edeltraud muss nach Amerika zu ihrer Tante, da ihre Eltern kein Geld haben, um „sieben Mäuler zu stopfen“. Das Versprechen, ihr Kind wieder zurückzuholen, können die Eltern nicht einhalten. Doch wer ihr zur Seite steht, ist eine Strickpuppe, die ihr, Jahre später, wieder begegnet.

Manuel Hechemer ist 35 Jahre alt und spielt seit 30 Jahren Gitarre, ab und an auch an der Playstation oder am Rechner, als ausgleichendes Element kümmert er sich liebevoll um den großen heimischen Garten.

„Sind Sie auch ein Kind der Achtziger?“, flötet Petra Plaum und packt dazu passende Utensilien aus. Einen Garfield-Comic und eine Aha-Platte, während Manu „Material Girl“ von Madonna trällert. Das Publikum ist begeistert. „Morten“ heißt sie, die Liebesgeschichte um den ersten Mann im Leben der Protagonistin. Er ist Sänger der vorhin genannten Band, Norweger und gut aussehend … bis dann schließlich andere Männer im Lauf der Zeit auch ganz anmuten. Pause.

Und weiter geht’s mit John Mellencamps „Jack & Diane“ und dem „Graugansschwarm“, vorgetragen von Irene Hülsermann. Es wird zunehmend melancholischer mit Petrau Plaums „Freundschaft“, einem Brief an die verstorbene Freundin Valerie. Alanis Morisette meint dazu „Ironic“ und das ist es tatsächlich, als „sie“, am nächsten Morgen „kein Zwergerl, sondern ein muskelbepackter, attraktiver Mann“ ist, dem „das Ding immer im Weg hängt“. Das Publikum brüllt und möchte eigentlich nach Peter Gabriels „Book of Love“ noch gar nicht gehen. Da überreicht Christine Kickum schon die Blumensträuße. Ein gelungener Abend. Da können noch so einige Musikstücke auf noch mehr Bücher treffen! (dag)

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Donau_Polizei.jpg
Rain

18-Jährige weicht Katze aus: Auto kracht gegen Baum

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen