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Historie

27.07.2020

Einst Weinwirtschaft, heute Sparkasse

Die ehemalige Wirtschaft zur Goldenen Gans gehörte 1920 bis 1942 der Familie Grob; zu dieser Zeit entstand das Foto.

Franz Deibl aus Rain entdeckt in seinem Familienarchiv eine 200 Jahre alte Urkunde. Diese regelte den Nachlass der Familie Mayr, die für sechs Jahre auch den Bürgermeister stellte

In seinem Familienarchiv hat Franz Deibl aus Rain unlängst eine „Übernahm-Urkunde ad 11232 Gulden“ vom 11. Juli 1820 entdeckt. Der damalige Landrichter hielt fest, dass sich „auf Absterben des Bürgerlichen Weingastgeb Joseph Mayr und dessen Eheweib Antonia die beiden rückgelassenen volljährigen Kinder … auf die nachstehende Weise miteinander unter Zuziehung ihrer nächsten Verwandten vertragen“. Katharina und Joseph Mayr einigten sich in der Weise, dass der Sohn das Anwesen und die darauf liegenden fünf Schuldtitel übernahm und seine Schwester mit stattlichen 4700 Gulden abgefunden wird – wovon sie bereits 2800 Gulden erhalten hatte.

Vater Joseph Mayr war bereits am 7. Oktober 1817 gestorben – so sagt es nicht nur die Rainer Häusergeschichte, sondern auch ein verwitterter Gedenkstein an der nördlichen Außenwand der Friedhofskirche. Er war, und das beweist gleich der nächste Grabstein für die 1826 gestorbene Traubenwirtin (geschmückt mit Reben und bekrönt durch die Namenspatronin Katharina), nicht der einzige Weinwirt in dem kleinen Städtlein.

Hauptmotiv bei Joseph Mayr ist die Flucht der Heiligen Familie (Namenspatron Joseph) nach Ägypten. Sohn und Tochter drücken ihre Trauer im Gedenkspruch aus und es wird daran erinnert, dass Mayr auch Bürgermeister war (1796 bis 1802, so sagt es die Stadtchronik). Wer war diese relativ reiche Familie Mayr? Mit rund 75 Gulden konnte der Lebensunterhalt eines Erwachsenen bestritten werden und der Übergabewert stattlicher Bauernhöfe auf dem Land lag damals im Bereich jener 11232 Gulden. Es handelte sich um die Gastwirtschaft Zur Goldenen Gans am heutigen Standort der Sparkasse. Joseph Mayr erwarb aber nicht nur Haus, Stadel, Stallung, Hofraum und die „hierauf ruhenden Wein- und Bierschenksgerechtigkeit“. Inbegriffen waren Geräte, Vieh, Getreide und sage und schreibe 32 weitere Grundstücke, vom Krautbeet über Wiesen bis zu Äckern, verstreut in der ganzen Rainer Flur (eines sogar in der Gemarkung Staudheim).

Im Bayernatlas (Internet – Historische Karte) sind die Mayr’schen Realitäten heute noch auffindbar, denn sie sind, wie das Gasthaus selbst, alle mit der Besitznummer 72 versehen.

Und wie kam die 200 Jahre alte Urkunde in den Besitz von Franz Deibl? Nach der relativ sesshaften Familie Mayr (der Name taucht von 1743 bis 1858 hier auf) folgen viele Eigentümerwechsel – darunter von 1878 bis 1886 der Glasermeister Daniel Deibl, der wohl das Dokument behielt, als er selbst wieder verkaufte.

Auf dem Areal hatte das Autohaus Lehmeier seine Anfänge und am 11. Februar 1956 bezog hier die 1842 gegründete Sparkasse ihr erstes eigenes Gebäude.

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