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Genderkingen

18.04.2019

Enderle-Kreuzweg muss restauriert werden

Restaurator Roland Vogel (links) und Kirchenpfleger Rudi Hirschbeck betrachten hier die Schäden an den Stationen 5 und 14 des Enderle-Kreuzwegs in der Kirche in Genderkingen.

Warum in der Genderkinger Pfarrkirche umfassende Maßnahmen notwendig sind und wieso dahinter die Zusammenarbeit mehrerer Einrichtungen steckt.

Zweifelsohne gehört der Donauwörther Maler Johann Baptist Enderle (1725 bis 1798) zu den besten Malern des schwäbischen Rokoko. Er verdient es, in einer Reihe mit Matthäus Günther, Johann Wolfgang Baumgartner, Gottfried Bernhard Göz und Franz Martin Kuen, allesamt hervorragende schwäbische Freskanten und Maler des Barock, genannt zu werden.

Als in den Jahren 1750 bis 1755 die Pfarrkirche in Genderkingen unter Einbezug des Mauerwerks der alten Kirche neu erbaut wurde, lag es damals nahe, den jungen Donauwörther Maler Enderle mit der Ausgestaltung der neuen Pfarrkirche zu betrauen, galt er nicht nur als zuverlässiger und guter Maler, sondern er war – was der sparsamen schwäbischen Art und dem damals finanziell Leistbaren entsprach – zudem preislich auch noch relativ günstig.

15 Stationen

So machte sich dann Enderle 1755 ans Werk und machte die neue Kirche mit seinen Deckengemälden, zahlreichen Fresken und den 15 Stationen des Kreuzwegs zu einem Schmuckkästchen des Rokoko von heute unschätzbarem Wert. Unter dem Ortsgeistlichen Franz Xaver Fischer erfuhr die Genderkinger Kirche in den Jahren 1911 bis 1914 erstmals eine umfassende Außen- und Innenrestaurierung, die auch eine Restaurierung des Enderle-Kreuzwegs im Jahre 1913 beinhaltete.

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Die Folgen der damaligen Restaurierung wirken sich heute fatal auf den Zustand des Kreuzwegs aus. Hierbei wurden größere Verluste in den textilen Bildträgern mittels rückseitiger Leinwandflicken und vorderseitig großflächiger Kittungen repariert und diese Stellen teils grob retuschiert und originale Malstellen teils übermalt. Zudem zeichnen sich die Kanten der Flicken vorderseitig ab, der damals verwendete Kleber aus Leim und Harz ist stark versprödet und sämtliche Gemälderückseiten wurden mit einer ölhaltigen Substanz imprägniert und sind heute stark verbräunt.

Ursache muss noch geklärt werden

Die entstehungszeitlichen Spannrahmen wurden durch schiefe Keilrahmen ersetzt und die Bildoberflächen weisen auf fast allen Gemälden weißliche Ausblühungen auf, deren Ursache (mikrobieller Befall, Schimmel) noch geklärt werden muss. Einige der Stationen wirken vergraut und die Darstellungen sind als Folge eines Harzüberzugs nicht mehr eindeutig erkennbar. Weitere Schäden sind stark verschmutzte Oberflächen, Kratzer, Beulen und Druckstellen.

Auch die wunderbaren Zierrahmen wurden bei der letzten Maßnahme ebenfalls stark überarbeitet. Die ehemals marmorierten Profilleisten sind heute graugrün überfasst, die Blattvergoldungen der Ornamente und Lichtleisten wurden teils erneuert.

Vorhandene Schäden sind zudem Fassungslockerungen und Verluste, gebrochene und fehlende Ornamentteile, Beschädigungen und Oberflächenschmutz und die Silberkartuschen der Zierrahmen sind großflächig oxidiert.

Ein Gemeinschaftswerk

Um diesen wertvollen Kreuzweg aus dem Frühwerk von Johann Baptist Enderle vor dem Zerfall zu bewahren, sah sich Kirchenpfleger Rudi Hirschbeck gezwungen, eine umfassende Erhaltungsrestaurierung anzustreben, die nun in Zusammenarbeit mit der Diözese Augsburg, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, der unteren Denkmalbehörde Landkreis Donau-Ries und dem Restaurator Roland Vogel aus Gempfing angegangen werden kann.

Ein Restaurierungstest durch Restaurator Vogel zeigt aber, dass unter der bräunlichen Oberflächenschicht die originale Farbigkeit erhalten ist. Eine umfassende Restaurierung, die den Zustand der Gemälde vor der Restaurierung von 1913 wieder herstellen könnte, sollten die Denkmalschützer unbedingt anstreben. Die Gelegenheit dazu ist jetzt jedenfalls da.

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