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Heimatgeschichte

28.04.2015

Endete der Fliegerstar in der Donau?

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Mit einem Düsenjäger vom Typ Me262 soll der Luftwaffenoberst Günther Lützow vermutlich im Raum Donaumünster/Erlingshofen abgestürzt sein.
Bild: Archiv Bäcker

Der verschollene Oberst Günther Lützow starb kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs bei einer Notlandung im Fluss. Erich Bäcker glaubt Beweise dafür zu haben

Joseph Goebbels nannte ihn einen Helden, Hermann Görig sah in ihm einen Meuterer. Der Hass des NS-Reichsmarschalls Göring verfolgte den Luftwaffen-Oberst Günther Lützow bis ins Grab. Aber wo dieses Grab nun liegt, wusste lange Jahre niemand. Kreisheimatpfleger Erich Bäcker ist sich aber auch aufgrund von Zeitzeugenberichten sicher: „Er hat versucht, in der Donau notzulanden und dabei wohl ums Leben gekommen.“

Unstrittig ist, dass Jagdflieger Lützow in einem Düsenjäger vom Typ Me262 während eines Einsatzes gegen amerikanische Bomber spurlos verschwand. „Auf der neuen Maschine hatte er erst wenige Flugstunden – und sie war schwer zu fliegen“, erklärte Bäcker bei einem Vortrag im Zeughaus in Donauwörth. Für ihn steht fest, dass der „meistgesuchte Soldat der deutschen Wehrmacht“ seine letzte Landung vermutlich bei Donaumünster/Erlingshofen versucht hat.

Suchkommandos der amerikanischen und englischen Sieger hatten in den Monaten nach dem Ende des Dritten Reiches nach dem verschollenen Jagdflieger geforscht, Pfarrer hatten die Gläubigen in Predigten aufgefordert, jedes Flugzeugwrack abzugeben. Spuren des Verschollenen fand man nicht. Ein Dutzend internationaler Luftkriegshistoriker und die Gemeinschaft ehemaliger deutscher Jagdflieger versuchten jahrelang ebenso erfolglos das Geheimnis des Mannes zu lüften, der vom Himmel verschluckt worden zu sein schien.

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Auch Erich Bäcker gehört zu denen, die sich Gedanken machten und dem urplötzlich ein Licht aufging: Er verband verschiedene Aussagen zu seiner schlüssigen Erkenntnis. Gerne würde er bei den Augenzeugen, die beispielsweise einen Düsenjäger knapp über der Donau gesehen haben wollen, nachfragen, doch sie leben nicht mehr. Nicht alles gibt Bäcker allerdings preis, er liebäugelt mit einer Veröffentlichung.

Warum nun aber die ungewöhnlichen Bemühungen um Lützow, der nur 32 Jahre alt wurde. Er war ein Jagdlieger-Star: 103 Luftsiege, also Abschüsse von feindlichen Maschinen, werden ihm zugeschrieben. Als Truppenführer hatte er eine atemberaubende Karriere gemacht: Geschwader-Kommodore, Inspekteur der Jagdflieger, Divisionskommandeur, Jagdfliegerführer in Italien.

„In den Kriegsjahren war er ein Idol der Jugend und wurde mit Tapferkeitsauszeichnungen geradezu überschüttet“, berichtete Bäcker. Blinden Gehorsam aber habe Lützow freilich nicht gekannt. Er hatte die Dreistheit, Göring zum Rücktritt aufzufordern. Das hat ihm dessen Drohungen und auch eine Versetzung nach Italien eingebracht. Weiter ist aber nichts passiert.

Bäcker hat mit einem Sportfischer gesprochen, der im Sommer 1945 oberhalb von Donauwörth an der Donau geangelt hatte. Er war viele Jahre Mitglied der Luftwaffe und wusste sofort, als er auf einer Kiesbank eine Tragfläche fand, dass diese von einer Me262 stammte. Zu seiner „Beute“ gehörte ferner eine Leitwerkstrebe, ein Blechkasten mit Kabeln und ein Zielgerät. Er verkaufte es an einen Schrotthändler.

Der Start zum letzten Flug des Oberst Günther Lützow erfolgte am 24. April 1945 von der Piste in München-Riem aus. Um 16 Uhr verschwand er mit seiner Maschine. Adolf Galland, Leiter des mit den Düsenjägern ausgestatteten Jagdverbands 44, verfolgte Lützows letzten Flug: „Er wandte sich erst nach Norden. Er hatte Luftkampf. Dabei wurde er von seinem Rottenflieger getrennt. Dann schlug er Westkurs ein.“ Vermutlich waren die Treibstoffreserven schneller zu Ende, als es Lützow gedacht hatte.

Das letzte Kapitel des Mannes, der sogar den alliierten Gegnern Respekt abverlangte, kann noch nicht geschlossen werden. Erich Bäcker bleibt dran, am „Fall Lützow“, wie er die Geschichte nennt.

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