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Versorgung

23.10.2019

Energie: Stadt kippt eigenen Beschluss

Um die Wärmeversorgung für dieses gut 30 Hektar große Areal der ehemaligen Alfred-Delp-Kaserne geht es. Bislang versorgte es die Biogasanlage in Zirgesheim. Geht es nach dem Beschluss des Bauausschusses, würde sich das ändern.
Bild: Simon Bauer

Plus Der Donauwörther Bauausschuss kassiert die eigene Entscheidung, die sich gegen die Versorgung des neuen Delp-Quartiers mit Biogas richtete. Warum es jetzt doch anders kam.

Klaus-Peter Dietmayer überzeugte im Sitzungssaal schier auf ganzer Linie. Als unabhängiger Experte hat der langjährige Geschäftsführer von Erdgas Schwaben den vor allem im Nachhinein umstrittenen Beschluss zum Energiekonzept des künftigen Delp-Quartiers noch einmal analysiert – sehr zum Wohlwollen der Mitglieder des Donauwörther Bauausschusses.

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Die trauten zum Teil ihren Ohren nicht, waren Dietmayers Worte doch um einiges versöhnlicher hinsichtlich der Einbindung erneuerbarer Energieträger als dies zuletzt noch bei einem beauftragten Augsburger Ingenieurbüro geklungen hatte. Die Folge jetzt: Der vormalige Beschluss, dass ausschließlich Erdgas als Energieträger zur Versorgung des neuen Quartiers infrage kommen sollte, wurde gekippt.

Realpolitisch orientiert

Eines war am Montagnachmittag von Anfang an klar: Der Vortrag Dietmayers war nicht ideologiegetränkt, sondern deutlich realpolitisch orientiert. Kurzum: Aufgrund des Standes der Technik sei weder anzuraten voll auf Erneuerbare zu setzen in dem Quartier, in das in den kommenden zwei Jahrzehnten bis zu 2500 Neubürger ziehen könnten – noch müsse allein auf Erdgas gesetzt werden. Das widersprach der Analyse des Augsburger Ingenieurbüros, das schier vollumfänglich zu Erdgas geraten hatte und die Biogasanlage in Zirgesheim, welche bereits zu Bundeswehrzeiten Wärme für das Areal lieferte, als veraltet darstellte.

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Dagegen setzte sich Betreiber Josef Kraus zur Wehr. Dietmayer stellte sich weitgehend auf Kraus’ Seite. Sehr wohl sei dessen Biogasanlage ein denkbarer und zeitgemäßer Energieversorger („Biogas könnte in der ersten Phase Komplettversorger sein“) – sinnvoll sei, dann bei „ausreichender Besiedlung“, eine Kombination mit einem Erdgas-Blockheizkraftwerk (BHKW) als Wärme- und Stromlieferant. Und: Das Quartier werde ja Schritt für Schritt bebaut, ein großes Kraftwerk von Beginn an also gar nicht nötig. Zudem solle zu einem späteren Zeitpunkt analysiert werden, ob eine Hackschnitzelanlage als weitere Kombi-Möglichkeit sinnvoll wäre.

Im Freibad-Bereich

Dietmayer sprach sich zusammengefasst für jenes kombinierte Baustein-Prinzip zur Energieversorgung aus, das „Schritt für Schritt“ entwickelt werden könne: „Wir müssen kein riesiges Heizkraftwerk hinstellen, wenn das Gebiet sukzessive wächst.“ Ferner sei aber Erdgas nicht per se „böse“, es werde auch daran gearbeitet, es aus überschüssigem Ökostrom zu gewinnen („Power-To-Gas“). Sämtliche erforderlichen Anlagen für das BHKW könnten zudem platzsparend im Freibad-Bereich unterkommen.

Zahlreiche Ausschussmitglieder zeigten sich regelrecht verblüfft ob des Referats, das sich für einen ausbaubaren Energiemix aussprach statt stark auf nur eine Variante zu setzen. Thomas Straulino (SPD/ BfD), der beantragt hatte, den vormaligen Beschluss zu kippen, zeigte sich zufrieden, ebenso Manfred Hofer, der anmerkte: „Ich komme mir vor wie im falschen Film.“ Es handle sich um einen „völlig anderen Vortrag“ als bei der ersten Analyse durch das Ingenieurbüro aus Augsburg. Franz Ost (CSU) sagte dazu: „Es ist unvorstellbar, was uns beim ersten Mal präsentiert worden war.“ Man hätte damals eine „falsche Entscheidung aufgrund falscher Informationen getroffen“. Auf Nachfrage erklärte Dietmayer, dass auch die staatliche Förderung von bis zu zwei Millionen Euro durch das Mix-Konzept nicht in Gefahr sei.

"Neue Erkenntnisse"

Auch bei diesem Punkt hatten sich viele Ausschussmitglieder im Zuge des ersten Beschlusses gänzlich anders informiert gesehen – nämlich, dass eine Förderung nur bei einer Entscheidung für ausschließlich Erdgas in Aussicht stünde, nicht aber bei einer Einbindung der bestehenden Biogas-Anlage. Die erste Analyse bezeichnete Ralf Loitzsch (PWG/ FW) rückbetrachtend als „Armutszeugnis“. Oberbürgermeister Armin Neudert sprach von wichtigen „neuen Erkenntnissen, durch die man Dinge auch anders sehen kann“ aufgrund der jetzigen Analyse. Albert Riedelsheimer (Grüne) drängte indes darauf, dass die Option der Hackschnitzelanlage als weiterer möglicher Energie-Baustein auf der Agenda bleiben müsse.

Der laut Wolfgang Fackler (CSU) „sinnvolle Vorschlag“ der sukzessiven, bausteinartigen Entwicklung eines gemischten Energiekonzeptes wurde einstimmig angenommen, nachdem der erste Beschluss desselben Gremiums ebenfalls einstimmig gekippt worden war. Die Zirgesheimer Biogasanlage soll fortan Teil des Ganzen bleiben.

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