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Interview

30.05.2015

„Entscheidend ist, dass Leute im Dorf sich zusammentun“

Das bayerische Urgestein Hans Well aus der berühmten Musikerfamilie über Peiching und die Zukunft

Es ist eine kleine Bühne, aber mit hochkarätigem kulturellem Angebot – sie hat viele Freunde. Unter anderem Hans Well aus der Well-Familie, mit dem Manfred Arloth sprach.

Das Peichinger Bauerntheater wird 50 Jahre alt. Wie ist Deine Verbindung zum Dorftheater?

Wo ich herkomme, hat es so was nicht gegeben. Vereine haben zwar Theater gespielt, aber halt zu bestimmten Anlässen, an Weihnachten, im Fasching. Einen eigenen Theaterverein hat es nicht gegeben.

Wie wichtig ist Dir das Theaterspiel in einem Dorf?

Das bayerische Volksschauspiel hat seinen Nachschub und sein Potenzial vor allem durch diese Szene auf dem Land bekommen. Da haben sich respektable Volksschauspieler draus entwickelt.

So abgeworben wie im Fußball?

Es gab einen breit angelegten Nachwuchs. Ich kann mich erinnern, dass Karl Obermayr, bekannt aus „Die Löwengrube“ und Thoma-Verfilmungen, an den Münchner Kammerspielen wegen seines Dialekts auf einmal „out“ war. Michael Lerchenberg und meine Brüder haben vor etwa zehn Jahren eine Theaterakademie gemacht. Das sollte ganz gezielt bayerische Laiendarsteller fördern, damit sie den Sprung in etablierte Theater schaffen. Das ist dann irgendwann eingeschlafen. Jetzt erntet Michael Lerchenberg in Wunsiedel bei den dortigen Festspielen die Früchte.

Städtische und staatliche Theater stellen fast keine Schauspieler mehr an, die Mundart draufhaben.

Leider ist das so. Maximilian Brückner hätte außerhalb des Fernsehens an großen Bühnen nicht viele Chancen.

Ist das Dorftheater eine Art letzte Bastion der bayerischen Mundart geworden?

Die Hoffnung liegt im Kleinteiligen. Dort wird aufgeforstet, große, subventionierte Bühnen holzen eher ab. Wenn sich Nachwuchs rekrutiert, dann aus Laienbühnen.

Für wie wichtig hältst Du ein Theater für ein kleines Dorf?

Für ein Dorf kann das wichtig sein; man kennt die Leute, es gibt Charaktere, die in Dörfern leben und ein besonderes Potenzial für die Bühne haben. Die Lust am Komödiantischen ist ja charakteristisch für Bayern.

Was gefällt Dir an Oberpeiching?

Das Besondere ist, dass man das ehemalige Schulhaus erhält und sinnvoll nutzt. Für mich, der in einem Schulhaus aufgewachsen ist, ist das etwas ganz Besonderes. In dem Ort, in dem ich jetzt wohne, in Zankenhausen, hab ich mich für eine kulturelle Nutzung des Schulhauses eingesetzt. Es wurde aber verkauft und kann nicht kulturell genutzt werden.

So was ist natürlich mit viel Aufwand und ehrenamtlichem Engagement verbunden!

Das stimmt, es sind aber genau diese Inhalte, die identitätsstiftend sind, wo sich Oberpeiching als Dorf wiederfinden kann.

Der Strukturwandel hält ja an. Was denkst Du, was auf so ein Dorf wie etwa den Rainer Ortsteil Oberpeiching in den nächsten 50 Jahren zukommen wird?

Entscheidend ist, dass Leute im Dorf sich zusammen tun, sich selber eine Zukunft geben: Wie wollen wir leben, welche kulturelle Ausrichtung verfolgen wir. Wenn man das schafft, dann bleibt ein Dorf lebenswert und verkommt nicht zu einer „Absteige“, wo man morgens wegfährt und abends den Fernseher einschaltet.

Es bedarf also kreativer Anstrengungen?

Ja, vor allem im kulturellen Bereich. Dazu gehört die Baukultur. Wenn man jetzt wie bei Euch ein Schulhaus herrichtet, dann ist das Erhalt von Kultur und Tradition.

Ein Plädoyer also für die ehrenamtliche Arbeit?

Natürlich ist es für die Leistungsträger, das sind immer nur einige wenige, eine Mehrbelastung. Gemeinschaft entsteht durch Ziele und Aktionen, die man zusammen durchsetzt.

Was hast Du für einen Bezug zur Region um Rain am Lech?

Dass das eine historisch bedeutende Region ist, muss man Euch ja nicht sagen. Leute wie Toller oder Mühsam haben sich dort, wenn auch nicht freiwillig, aufgehalten. Ich kenne die Gegend, weil mein Taufpate Hans Ostertag in der JVA Niederschönenfeld gearbeitet hat. (ma)

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