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Wemding

13.02.2019

Er bringt Flüchtlingen die deutsche Kultur näher

Für Theo Knoll haben Kunst und Kultur einen besonderen Stellenwert.
Bild: Helmut Bissinger

Wie Theo Knoll aus seinen Leidenschaften eine Berufung gemacht hat. Der einstige Schulleiter hilft Flüchtlingen mit dem Leben in Deutschland zurechtzukommen.

Ob er sich einen Banksy, also ein Bild des britischen Streetart-Künstlers ins Wohnzimmer hängen würde, kann Theo Knoll nicht sicher sagen. Eher wohl nicht. Denn bei der Auswahl der Bilder für die Wohnung stand der persönliche Bezug im Vordergrund: beispielsweise zum Wemdinger Maler Ernst Steinacker oder zum Nördlinger Helmut Ranftl. Auch die Werke von Helmut C. Walter haben es dem Rektor in Ruhestand angetan.

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Mit Helmut C. Walter verbindet Knoll eine besondere Beziehung. Deshalb hat er Walters Schaffen gerade in den letzten Jahren („relativ spät“) begleitet und dessen künstlerische Entwicklung immer gerne bei Vernissagen oder Ehrungen (wie kürzlich bei der Verleihung des Lachner-Preises in Rain) ins rechte Licht gerückt. Stöbert man in der Vita von Theo Knoll, dann wird eines schnell deutlich: Der Pädagoge liebt seine Heimat, ist der Kultur in seiner Geburtsregion verbunden. Das war immer so – und das ist auch heute noch so, da sich der ehemalige Kulturreferent mit mittlerweile 76 Jahren etwas aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen hat.

Zeit für alte und neue Leidenschaften

Jetzt hat er die Zeit für alte wie neue Leidenschaften: vom Opernbesuch bis hin zur entspannenden Gartenarbeit. Anderen etwas beizubringen, Menschen zu führen und zu motivieren, das sind Anliegen, die Theo Knoll immer gern vermittelt hat: beispielsweise als Referent an der Fortbildungsakademie in Dillingen, als Seminarleiter zur Ausbildung von Referendaren bis zum zweiten Staatsexamen oder 26 Jahre lang als Schulleiter. Ungeachtet seines vielfältigen Engagements an der Leonhart-Fuchs-Grundschule (Knoll war Initiator der Namensgebung) galt und gilt Knolls Aufmerksamkeit dem Gemeinwohl.

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Stadtrat, Fraktionsführer, Kulturreferent, Bürgerbrief-Träger sowie Schriftleiter für das Heimatbuch „Liebenswertes Wemding“ – seine Tätigkeiten lesen sich wie ein Vollzeitjob. Dabei hat Knoll alles in ehrenamtlicher Tätigkeit übernommen. Er hat einen Skulpturenführer durch die Wallfahrtsstadt herausgebracht. Damit ist es ihm gelungen, die Sicht der Einheimischen wie der Besucher auf Raritäten und Verborgenes in Wemding zu lenken, die einem möglicherweise nicht auf den ersten Blick ins Auge fallen.

„Schmerzlich“, wenn Schützlinge abgeschoben werden

Nicht viele kennen die schwäbische Kultur so gut wie ein Theo Knoll. Und so stellt er sich in dieser Zeit, da es gilt, Ausländer in unser Land zu integrieren, mit seiner Frau Brigitte uneigennützig einer Aufgabe, die alles andere als einfach ist. Beide versuchen, Flüchtlingen in Wemding die deutsche Kultur näher zu bringen. Theo Knoll speziell widmet sich den Alltagstätigkeiten: zeigt den Ausländern, wie man eine Bahnverbindung findet, oder wie man sich um eine Praktikumsstelle bewirbt. „Wir haben mit den Menschen, die bei uns Zuflucht suchen, nur gute Erfahrungen gemacht“, berichtet er. Dabei sei es mitunter schon „schmerzlich“, wie Schützlinge, denen man sich liebe- und aufopferungsvoll gewidmet habe, plötzlich Ausweisungsbescheide bekämen.

Theo Knoll leitet den Förderkreis der Grund- und Mittelschule

So ganz „weg von seiner Schule“ ist Knoll nicht. Er leitet seit seiner Pensionierung den seinerzeit neu gegründeten Förderkreis der der Grund- und Mittelschule in Wemding. Im Verbund mit den Vereinsmitgliedern und Sponsoren versucht er notwendige Anschaffungen zu realisieren, die von der Stadt und den Kommunen als Schulträger nicht finanzierbar sind.

Wer mit Theo Knoll plaudert, merkt nicht, wie sich die Uhr dreht. Zu facettenreich und zu interessant, weiß der Pädagoge bildhaft zu erzählen. Eine Gabe, die in Wemding nach wie vor geschätzt ist. Eines aber vermisst der praktizierende Katholik (eine Bezeichnung, die ihm wichtig ist) im Ruhestand ganz besonders: die Begegnung mit Künstlern. Knoll erinnert sich: „Das waren immer ganz spezielle Momente“, als er als Arbeitskreisleiter „Kunst und Kultur“ Menschen begegnet sei, die „viel zu sagen gehabt haben“. In dieser Zeit habe er das Glück gehabt, den Kulturkreis des Rieses besser kennenzulernen. Dafür sei er dankbar, habe es seinen Horizont doch erweitert.

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