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Monheim

15.08.2019

Er wollte Turner werden – jetzt ist Nathanael (16) gelähmt

Ein Unfall auf dem Trampolin hat das Leben von Nathanael (16) völlig verändert. Er kann nicht mehr selbstständig atmen, ist ab dem zweiten Halswirbel gelähmt. Für den Turner des TSV Monheim laufen nun viele Hilfsaktionen an. 
Bild:  privat/ Mutter Antonia

Der Monheimer Turner Nathanael ist nach einem Unfall am Trampolin querschnittgelähmt. Die Mitglieder des Vereins sind geschockt und organisieren Spenden.

Für Nathanael ist es ein ganz normaler Tag im Juli 2019. Nichts deutet darauf hin, dass innerhalb weniger Minuten nichts mehr so sein wird, wie es war. Es ist ein Moment, der für den Jugendlichen und für seine Familie alles verändern wird.

Wie so oft zuvor ist Nathanael, genannt Nathan, im Garten seines Elternhauses auf dem Trampolin. Er übt Saltos, ist ein Könner. Doch dann geht etwas schief. Der 16-Jährige bricht sich die Wirbelsäule und ist seitdem vom Hals abwärts gelähmt. „Wir sind schockiert“, sagt Peter Bullinger. Er ist Spartenleiter beim TSV Monheim. Dort wollte Nathanael eine Turnerkarriere starten.

Er turnte in der Landesliga

Daran ist nun nicht mehr zu denken. Die Betroffenheit sei im ganzen Verein spürbar, berichtet Bullinger. Die Turnabteilung des 900-Mitglieder-Vereins ist das Aushängeschild der Stadt. Der Jugendliche, der sich seit seiner frühesten Kindheit sportlich betätigt hat, hatte hier eine zweite Heimat gefunden und turnte mit Gleichgesinnten in der Landesliga.

Nathanael kommt nach einem Sprung unglücklich auf, stürzt auf den Kopf und bleibt regungslos liegen. Durch leises Rufen kann er seine Eltern auf seine hilflose Lage aufmerksam machen. Die rufen sofort den Notarzt. Die Mutter, gelernte Physiotherapeutin, erkennt, dass etwas Schlimmes passiert ist. Mit dem Rettungshubschrauber wird der Jugendliche in die Unfallklinik nach Murnau geflogen. Dort wird er seither ärztlich versorgt.

Das Schicksal von Nathanael rührt in Monheim viele. Mountainbiken, Klettern, Skifahren, Snowboarden und eben Turnen waren seine Hobbys. Die Befürchtungen und Ängste bestätigten sich. Die Eltern erfahren, dass sich ihr Kind nicht mehr bewegen, nicht mehr selbstständig atmen kann. Zweimal operieren die Ärzte den 16-Jährigen. Seine Mutter Antonia berichtet von ihrem Schock, den sie erlebte, als sie danach erstmals zu ihrem Sohn durfte. Sie weiß: „Der Weg in den Alltag wird sehr lange dauern.“

Samuel Koch besuchte ihn in der Klinik

Damit Nathanael irgendwann wieder einmal selbstständig agieren kann, benötigt er Hilfsmittel, wie beispielsweise einen Computer, den er mit dem Mund steuern kann. Allein eine dafür geeignete Computermaus kostet schon 2000 Euro. Mutter Antonia spricht von einem Trauma, „das noch nicht vorbei ist“. Sie hofft, dass sich ihr Sohn vielleicht so ins Leben zurückkämpfen kann wie Samuel Koch, jener Wettkandidat bei „Wetten dass ...“, der nach einem Unfall vor laufenden TV-Kameras tragische Berühmtheit erlangt hat. Er brach sich bekanntlich vor einigen Jahren ebenfalls die Halswirbelsäule, als er mit Sprungfedern an den Füßen über ein fahrendes Auto einen Salto schlagen wollte.

Für Nathanael ist Koch nicht nur irgendein Promi aus dem Fernsehen. Der ehemalige Wettkandidat hat den Treuchtlinger bereits in Murnau besucht – das alles schildert Mutter Antonia via Facebook. Für Nathanael ist es wohl auch eine Möglichkeit mit seiner Außenwelt zu interagieren. In Videos bedankt er sich für die HIlfe und zeigt stolz kleine Schritte der Verbesserung. Seit kurzem kann er eine Schulter ganz leicht bewegen. Mutter Antonia hofft, dass ihr Sohn bald mit dem Training für eine selbstständige Atmung beginnen kann.

Die Familie mit sechs Kindern will an ihr Haus eine Rampe anbauen lassen, damit zumindest der Eingang schon mal rollstuhlgerecht ist. „Was sonst noch kommt, wird die Zeit zeigen“, gibt sich die Mutter gefasst. Es werde notwendig sein, den Jungen auch psychisch aufzufangen. Sie sei deshalb froh, dass Nathanaels Vater täglich nach Murnau fahren kann.

TSV Monheim organisiert Spendenaktion

Längst ist in Nathanaels Heimatstadt eine Welle der Hilfsbereitschaft angelaufen. Auch in Monheim will man etwas tun. „Alle im Verein sind betroffen“, berichtet Peter Bullinger. Die Turnkameraden wollen nach Murnau fahren, um Nathanael am Krankenbett zu besuchen. Auch bei den nächsten Bundesliga-Turn-Wettkämpfen in Monheim beispielsweise gegen den KTV Ries wolle man Spendenaktionen organisieren. Das Schicksal des 16-Jährigen lasse niemand im Verein kalt.

„Wir wollen einfach helfen“, schließt sich Niklas Regler an. Er ist Abteilungsleiter bei den Fußballern des TSV Monheim. Wenn die Monheimer am kommenden Sonntag gegen den Lokalrivalen Flotzheim/Fünfstetten spielen, wird der sportliche Wert des Kreisklassen-Duells wohl in den Hintergrund rücken. Auch die Gastgeber haben sich sofort bereit erklärt, „zu helfen“.

Für Nathanael wird am Spielfeldrand durch die Monheimer Pizzeria Romana Pizza verkauft. Der Reinerlös kommt dem Jungen zugute, „damit ihm das Leben in jeder Hinsicht lebenswerter und der Weg in die Zukunft etwas leichter gemacht wird“. Man wolle, so Regler, ein Zeichen der Solidarität setzen.

  • Wer direkt spenden will, kann das hier tun: Raiffeisenbank Weißenburg-Gunzenhausen IBAN DE72 7606 9468 0000 9252 50 BIC GENODEF1GU1 Spendenzweck "Nathanael". Empfänger: Kinderschicksale Mittelfanken. e.V.

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