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Testflüge

22.11.2011

Erneut Ärger um Fluglärm bei Eurocopter

Dicker Brummer: Eine Maschine vom Typ CH-53 GA über Donauwörth. Der Hubschrauber wird von Eurocopter umgerüstet und erneuert. Anwohner aus den Stadtteilen Auchsesheim und Riedlingen haben sich wiederholt darüber beschwert, dass Piloten die Flugkorridore über unbewohntes Gebiet angeblich nicht einhielten und über Siedlungen flogen.
Bild: Foto: Archiv

Anwohner aus Auchsesheim und Riedlingen beschweren sich über laute Überflüge. Eurocopter weist Anschuldigungen zurück. Flugkorridore würden grundsätzlich eingehalten

Donauwörth Wenn das Wetter passt, dann hört man es. In Riedlingen, in Auchsesheim und andernorts in der Großen Kreisstadt. Ein leichtes Knattern im Himmel über Donauwörth. Man kennt das, man nimmt es hin und ist eigentlich froh über den wichtigen Arbeitgeber. Doch manchmal kann das Knattern der Hubschrauberrotoren des Helikopterherstellers Eurocopter laut Anwohnern auch richtig laut sein. Zu laut, wie sie bekräftigen.

Es sind besonders jene milden Tage, die man all zu gern draußen verbringt, an denen Eurocopter seine Hubschrauber testet. Wiederholt haben sich Bürger aus den genannten Stadtteilen über Fluglärm beschwert. Angeblich hielten die Drehflügler die ihnen vorgegebenen Korridore außerhalb der Wohngebiete nicht ein. Eurocopter weist die Vorwürfe, gezielt auch über Siedlungen zu fliegen, zurück.

Auf den Bildern, welche die beiden Auchsesheimer Anwohner (die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen) der Donauwörther Zeitung vorlegen, sind weiße Wohnhäuser zu erkennen. Einfamilienhäuser, sattgrüne Gärten, daneben Felder. Darüber: Helikopter.

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Mit Fotos nicht exakt zu belegen

Exakt lässt sich mit diesem Bildmaterial auf Fotos und Videos zwar nicht bestimmen, ob die Hubschrauber wirklich direkt über die Wohngebiete fliegen, oder eben knapp daran vorbei. Fest steht aber: Es gibt Flugkorridore, an die sich die Piloten eigentlich halten müssten. Das bestätigt Heinrich Schuster von der Regierung von Oberbayern (an die das für Donauwörth zuständige Luftamt Südbayern in München angegliedert ist) mit klaren Worten: „Die luftverkehrsrechtlich genehmigten An- und Abflugkorridore sind einzuhalten.“

Den Anwohnern, denen der Lärm an so manchem nebelfreien Tag ein Ärgernis ist, fällt die Beweisführung allerdings schwer. Private Filme und Fotos reichen nicht aus, um die Überflüge von bewohntem Gebiet konkret aufzuzeigen. Luftamtssprecher Schuster sagt, dass Beweise nur „im Rahmen der Luftaufsicht“ erbracht werden können. Und: „Alternativ ist die Hinzuziehung von Radaraufzeichnungen der Deutschen Flugsicherung, sofern dort verfügbar, möglich.“ Kurzum: Es ist mehr als schwierig, Verstöße nachzuweisen.

Die Überwachungsbehörde für Eurocopter ist indessen auch das Luftamt Südbayern. Allerdings hat Eurocopter in der Tat zugesicherte Bewegungsfreiheiten in der Luft, wie den Worten von Sprecher Schuster zu entnehmen ist. Denn im Rahmen bereits erteilter luftverkehrsrechtlicher Genehmigungen bedarf es „keiner weiteren behördlichen Genehmigung“ – und Schuster fügt hinzu: „Im Übrigen finden solche Flüge nach unternehmensinterner Entscheidung statt.“

Sonderrechte für Polizei, Rettung und Bundeswehr

Es gibt jedoch auch noch ein weiteres „Problem“ für die verärgerten Anwohner. Für die Bundeswehr, die Bundespolizei und die Polizeien der Länder gelten Sonderrechte. Die Piloten der genannten Behörden dürfen von den Luftverkehrsvorschriften abweichen, „wenn dies zur Erfüllung ihrer besonderen Aufgaben unter Berücksichtigung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung erforderlich ist“. Auch Rettungs- und Katastrophenschutzflüge dürfen von vorgeschriebenen Flughöhen abweichen. Festgeschrieben ist dies im Luftverkehrsgesetz. Und bei Eurocopter testen unter anderem auch Bundeswehrpiloten die neuen und gewarteten Hubschrauber.

In einem Schreiben der Firma Eurocopter, dass unserer Zeitung vorliegt, heißt es zu den Vorwürfen der Bewohner: „Auchsesheim liegt im Abflug- und Anflugbereich unseres Flugfeldes, in dem zu Start und Landung die Sicherheitsmindestflughöhen unterschritten werden müssen und dürfen.“ Soweit möglich werde dabei der Überflug der Siedlungen vermieden, „um die Lärmbelästigung auf ein Minimum zu reduzieren“.

Indes haben die Bewohner in Auchsesheim Buch geführt. Demnach gab es beispielsweise an einem Tag im Sommer (26. August) zwischen 9.43 Uhr und 16.24 Uhr 36 Flugbewegungen über oder unmittelbar nahe Auchsesheim.

Melanie Wolf, Sprecherin von Eurocopter in Donauwörth, hält daran fest, dass die Korridore grundsätzlich eingehalten werden. Auch die Piloten seien darauf eingewiesen. Zudem werde Eurocopter auch vom Luftamt Südbayern kontrolliert. Angesprochen auf den exemplarischen Tag im Sommer, teilte Eurocopter mit, Recherchen im Tower auf dem Flugfeld anzustrengen. Ergebnisse lagen bei Redaktionsschluss aber noch nicht vor.

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