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Donauwörth

08.09.2018

Erste Hilfe: Anpacken statt Wegschauen

Helge Vogel vom BRK ermutigt dazu, zu helfen.
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Helge Vogel vom BRK ermutigt dazu, zu helfen.
Bild: Ottillinger

Am Samstag ist der internationale Tag der Ersten Hilfe. Helge Vogel vom Bayerischen Roten Kreuz berichtet von ihren Erfahrungen als Ausbilderin.

„Du stürzt mit dem Rad, fällst die Treppe in einem Einkaufszentrum herunter oder schlimmer noch, krachst gegen ein Auto. Stell dir dann mal vor, alle sehen weg. Jeder geht vorbei und denkt sich, irgendjemand wird schon helfen.“ So ein Szenario, skizziert von Helge Vogel, wünscht sich wohl niemand, der in eine Notlage gerät. Vogel ist seit eineinhalb Jahren Ausbilderin für Erste-Hilfe beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) im Kreisverband Nordschwaben und setzt sich dafür ein, dass eben niemand wegsieht. In ihrer Freizeit gibt sie ehrenamtlich Kurse für Erste Hilfe. Sie betont: „Es kann jedem passieren und dann ist man um jede Hilfe froh. Selbst wenn nicht alles hundertprozentig stimmt. Wichtig ist, dass man was macht.“

Insgesamt ist Vogel schon seit viereinhalb Jahren beim BRK Nordschwaben tätig und betreut die Ehrenamtlichen wie die Bereitschaft, das Jugendrotkreuz und die Wasserwacht. Es ist ihr ein Anliegen, Menschen die Angst vor der Ersten Hilfe zu nehmen. Die Kursehierzu finden im Wechsel 14-tägig in Donauwörth und Nördlingen direkt beim BRK statt. Vogel besucht aber auch direkt Firmen, Schulen und sogar Kindergärten vor Ort. „Ich versuche den Kindern spielerisch die Erste Hilfe näherzubringen – zum Beispiel, wie man einen Verband anlegt oder einen Notruf absetzt.“ Je früher die Unsicherheit genommen werde, desto besser, sagt Vogel.

Auffrischung alle drei bis fünf Jahre

„Die Erste-Hilfe-Kenntnisse sollten alle drei bis fünf Jahre aufgefrischt werden. Die Ersthelfer der Firmen müssen regelmäßig alle zwei Jahre einen Kurs belegen.“ Auf die Frage, ob man bei der Ersten Hilfe etwas falschmachen kann, antwortet die Kursleiterin ihren Teilnehmern: „Eigentlich nicht. Wichtig ist, dass gehofen wird. Viele legen Scheuklappen an, schauen einfach weg. Die Leute wollen damit nichts zu tun haben oder manche trauen sich vielleicht tatsächlich nicht. Die Verantwortung wird weitergeschoben. Dabei ist Erste Hilfe so einfach.“

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Und deren Anwendung würde auch dringend benötigt. Denn bei mehr als 50000 Menschen in Deutschland bleibt jedes Jahr das Herz stehen, während sie sich nicht in einem Krankenhaus befinden. Nur in 34 Prozent dieser Notfälle trauen sich Ersthelfer zu reanimieren, bis der Notarzt eintrifft. Das zeigen Daten der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin aus dem Jahr 2017.

3140 Kursbesucher im Landkreis im Jahr 2016

Den Menschen in der Region scheint das Thema, im Notfall helfen zu können, am Herzen zu liegen. Der BRK Nordschwaben vermeldet eine steigende Tendenz bei der Anzahl der Teilnehmer an den Erste-Hilfe-Kursen – insgesamt waren es 3140 im Jahr 2016.

Lebensrettende Sofortmaßnahmen sollen eine drohende oder bestehende Lebensgefahr abwenden. Dazu gehören beispielsweise Absichern der Unfallstelle, Retten aus der Gefahrenzone, Wiederbelebung, Blutstillung, Schockbekämpfung oder die stabile Seitenlage und natürlich das Absetzen des Notrufes. Je nachdem ob im Betrieb, Zuhause oder im Straßenverkehr, gibt es allerdings kleinere Unterschiede. Aber mit was fängt man an?

„Zunächst ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und sich einen Überblick über die Situation zu schaffen. Auch wenn nicht mehr alles so detailliert sitzt, wie direkt nach dem Erste-Hilfe-Kurs und man vielleicht nicht alles richtig macht, bleiben die wichtigsten Maßnahmen in irgendeiner Schublade in Erinnerung und lassen sich in der Situation abrufen. Meistens weiß man einfach, was zu tun ist. Das ist wie Radfahren. Die Reihenfolge spielt hier nicht immer eine allzu große Rolle“, erklärt Vogel. Die Ausbilderin musste selbst noch nicht im Ernstfall Erste Hilfe leisten. „Kleinere Sachen wie beispielsweise ein Sturz mit dem Rad, aber an einen Unfallort bin ich bisher noch nicht gekommen.“

Der Weg zur Ausbilderin in der Ersten Hilfe ist lang. Mehrere Lehrgänge und ein erweiterter Kurs sind Pflicht. Auch diese Ausbildung durchlief Helge Vogel in ihrer Freizeit. „Es macht mir Spaß und es ist mir wichtig weiterzugeben, dass wirklich jeder Erste Hilfe leisten kann“, begründet sie ihr Engagement.

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