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Lesung

27.10.2017

Es bleiben biografische Unklarheiten

Immer wieder gern gesehener Gast in Gempfing: Dirk Heißerer.
Bild: M. Hofgärtner

Dirk Heißerer bringt Oskar Maria Graf als vielschichtigen Schriftsteller in den Gempfinger Pfarrhof

Obwohl vom Bruder Max aus der elterlichen Backstube realiter hinausgeprügelt und in die Stadt vertrieben, hat sich Oskar Maria Graf zeitlebens mit seiner Heimat am Starnberger See und mit dem Leben der einfachen Leute auseinandergesetzt. Dieses Spannungsfeld zwischen Land, Stadt und Exil beleuchtete der Münchner Literaturwissenschaftler Dirk Heißerer wie immer pointiert und unterhaltsam. Allzu oft werde Graf auf die Marken Lederhose und Provinzschriftsteller reduziert. Marken, die er zwar selber auch kreierte, aber nie als Selbstzweck. Selbst wenn er sich vordergründig als „tumber Tor vom Lande“ präsentierte, wollte Graf „sinnfällige Beispiele“ für das wirkliche Leben auf dem Land geben.

Heißerer zog als Beleg hierfür Stellen aus dem „Bayrischen Lesebücherl“ (1924) und den „Dorfbanditen“ (1932) heran. Thomas Mann, der selbst bürgerliche Lebenswelten beschrieb, habe bereits im Jahr 1920 den „proletarischen Geist“ in Grafs Gedichten und Prosa erkannt. Ausführlich behandelte Heißerer das „Bayerische Dekameron“, 1928 in einem Wiener Verlag als Auftragsarbeit erschienen und seitdem viel zitiert, umstritten, als großartige Literatur gepriesen oder als Schundwerk verdammt.

Graf selbst war stolz darauf, dass seine Schnurren und Kurzgeschichten von Bauern und Baronen gelesen wurden. Für ihn waren auch diese Geschichten voller Erotik und Derbheit „sinnfällige Beispiele“ für das Leben auf dem Land. Mit hinreißend dargebotenen Passagen aus dem „Sauohr“ und dem „Hirnpecker“ gelang es Dirk Heißerer, die Zuhörer im voll besetzten Saal des Pfarrhofs in eine nachhaltig heitere Stimmung zu versetzen. Zum Schluss folgte dann noch, im Verbund mit der Hofmarkmusik und melodramatisch von Heißerer in Szene gesetzt, das König-Ludwig-Lied in der Fassung von Oskar Maria Graf. Im New Yorker Exil stimmte es der Schriftsteller immer zum Ende seiner deutschen Stammtischabende an.

So gab es viele Facetten eines Schriftstellers, dessen Biografie, wie auch die des unglücklichen bayerischen Königs, mit einem Rest von Unklarheit behaftet bleiben wird. Den Zuhörern taugte es trotzdem, mit großem Applaus für Dirk Heißerer und die Hofmarkmusik endete der Abend. (anlö)

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