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Restaurierung

11.04.2015

Es ist ein wahres Kleinod

Ein von Bildhauer Christian Handschuher geschaffener wertvoller Kruzifixus fand nach der aufwendigen Restaurierung einen neuen Platz in der Rainer Allerheiligenkapelle. Bei der Einweihung durch Stadtpfarrer Florian Kolbinger mit dabei waren neben zahlreichen Mitgliedern des Vereins Freundeskreis Alt Rain (von links) Thomas Hofer, Clemens Schmid (beide Vorsitzende der Rotarier Donauwörth), Markus Würmseher (Vorsitzender des Freundeskreises Alt Rain), Bürgermeister Gerhard Martin, Restaurator und Zweiter Vorsitzender Alt-Rain Roland Vogel und Vorstandsmitgliedsmitglied und ehemaliger Vorsitzender Walter Sauer vom Freundeskreis Alt-Rain.
Bild: Manfred Arloth

Warum ein Kruzifix aus dem 17. Jahrhundert von hoher künstlerischer Qualität ist

Bis 1994 hing im Treppenhaus des Spitalgebäudes ein Kruzifixus („Gekreuzigter“) aus Lindenholz, der von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet blieb. Als das Haus renoviert wurde, deponierte man die mittlerweile dunkelbraune, fast schwarze Figur im Speicher des Rathauses. Nach einer ersten Grundsicherung erkannte man schließlich deren Wert.

„Es ist ein wahres Kleinod aus dem 17. Jahrhundert“, bestätigten Kunsthistorikerin Kathrin Brandmair, München, und Restaurator Roland Vogel, Gempfing, schon vor drei Jahren. Der überaus schlanke, nicht ganz lebensgroße und in außerordentlicher Qualität bildhauerisch ausgearbeitete Körper hat „sanften Schwung“, typisch für die Zeit der Entstehung im süddeutschen Barock dieser Jahre. Das geneigte Haupt liegt mit dem spitz zulaufenden, bärtigen Kinn auf der Brust auf. Die auch nach dem erlittenen Martyrium friedlich wirkenden Züge im Antlitz des Gekreuzigten werden von dünn gewellten Haarsträhnen eingefasst. Eine Besonderheit dieses Corpus ist die erhaltene Fassung, die die Plastizität der Skulptur dramatisch steigert. Sie zeigt Spuren des Martyriums wie etwa die tiefe Wunde auf der linken Schulter, eine Verletzung, die das schwer lastende Kreuz auf dem Weg zum Berg Golgatha hinterlassen haben soll.

Geschaffen hat die Skulptur aller Wahrscheinlichkeit nach der Bildschnitzer und Steinbildhauer Christian Handschu(c)her, geboren 1651 in Unterbergen im heutigen Landkreis Aichach-Friedberg. 1670 heiratete er in Dachau die Bildhauerwitwe Anna Regina König und erwarb damit das Dachauer Bürgerrecht. 1671 kam er mit seiner Familie nach Rain, übersiedelte aber zwei Jahre später nach Eichstätt, wo er 1732 starb. Im Auftrag des traditionsreichen Benediktinerinnenklosters St. Walburg in Eichstätt entstanden von seiner Hand zahlreiche Grabsteine, Epitaphien, Altäre und Skulpturen. In Rain schuf er, das ist gesichert, den Taufsteindeckel in der Stadtpfarrkirche: Für die kleine Deckelfigur des Heiligen Johannes des Täufers bekam er 3 Gulden 33 Kreuzer – eine stattliche Summe.

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Die Figur des Gekreuzigten dürfte um 1670/1675 entstanden sein. Handschuher fertigte übrigens auch die Altarausstattung der Pfarrkirche St. Vitus in Gempfing, genauso wie die Kreuzigungsgruppe in der Vorhalle der Pfarrkirche St. Nikolaus in Nassenfels. Brandmairs Fazit: „Als Werk von der Hand eines in Rain urkundlich nachweisbaren Meisters ist dieser Kruzifixus ein zentraler Bestandteil der hiesigen Stadt- und Kunstgeschichte.“

Restaurator Roland Vogel erklärte: „Schon beim ersten Anblick war mir klar, dass dieser Kruzifixus Qualität hat.“ Einige Finger seien zwar abgebrochen gewesen, und kleinere Beschädigungen waren vorhanden. „Aber schlimmer war, dass der Trocken- und Alterungsprozess der Farbschichten Schichtentrennungen mit partiellen Ausbrüchen verursacht hat. Für die Bewältigung der hohen Restaurierungskosten von 20000 Euro erhielt der die Initiative tragende Freundeskreis Alt-Rain Unterstützung vom örtlichen Museumsverein und der Stadt Rain, die in der Allerheiligenkapelle, die als doppelgeschossiger Karner allein schon eine süddeutsch/alpenländische Besonderheit ist, „Hausherr“ ist.

„Wir sind überaus dankbar für alle Sponsoren, wie etwa die Firma Südzucker und den Rotary Club Donauwörth, es gab aber auch honorige Einzelspenden von Rainer Bürgern“, sagte Markus Würmseher, der das Amt des Vorsitzenden des Freundeskreises Alt-Rain von Michael Schmelcher übernommen hat. Dem Verein standen neben der Sicherung einer herausragenden barocken Skulptur auch deren originärer Zweck, die Verbindung zum Glauben und der dafür gewählte Ort im Mittelpunkt, weshalb für die Segnung nicht zufällig der Karfreitag gewählt wurde.

So wie die Seelen der Rainer Bürger, deren Gebeine im Untergeschoss des Ossuariums ruhen (im Buch „Rain im Mittelalter“, Rain 2007, wird unter anderem auf die anthropologischen Erkenntnisse einer wissenschaftlichen Untersuchung seitens der Universität München eingegangen), steht Christus nach dem Kreuzestod in Erwartung der Auferstehung – eine kongeniale Verknüpfung, deren äußeres Sichtbarwerden mit der Einsegnung nun ihren restauratorischen Abschluss fand.

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