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Rain

22.12.2020

Experiment: Tankstellen-Weihnachtsmenü von Koch aus Rain

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Pavel Behnke, Küchenchef im Dehner-Blumenhotel in Rain hat aus Zutaten von der Tankstelle ein Drei-Gänge-Menü gezaubert, das durch Kreativität besticht.

Plus Weihnachten und damit auch gutes Essen liegen vor uns. Was aber, wenn der kulinarische Notfall eintritt und die Läden zu sind? Ein Rainer Koch zeigt, was möglich ist.

Pavel Behnke geht mit geschultem Blick durch den Verkaufsladen der Tankstelle. Prüfend studiert er die Inhalte der Regale, sucht – wenig erfolgreich – nach möglichst frischen Produkten zwischen den Konserven. In seinem Kopf fügen sich kreative kulinarische Möglichkeiten aneinander, dann verwirft er sie wieder, überlegt erneut, sucht weiter.

Weihnachtsmenü von der Tankstelle? Rainer Küchenchef nimmt die Herausforderung an

Der 41-jährige Küchenchef des Dehner-Blumenhotels in Rain steht vor einer schwierigen Herausforderung. Wir haben ihn gebeten, aus Zutaten, die es an Tankstellen gibt, ein Drei-Gänge-Menü zu zaubern. Sozusagen für den kulinarischen Notfall. Für jenen Fall, dass sich unerwartet Besuch an den vielen Feiertagen ankündigt, die jetzt bevorstehen, die Supermärkte geschlossen haben und nichts im Haus ist. Dann ist die Tanke die letzte Anlaufstelle.

Eigentlich widerspricht ein solches Unterfangen Pavel Behnkes Berufsethos. Für ihn zählt ein Grundmotto, an dem er auf gar keinen Fall rütteln will: „Die Produkte, die ich verarbeite, müssen frisch sein und aus bester Herstellung. Sie müssen absolute Qualität haben.“ Dass er sich dennoch auf dieses Experiment einlässt, liegt an einer Einstellung, die sein Chef, Hoteldirektor Harald Lange, so formuliert: „Wir sind bei dieser Idee sehr gerne dabei, weil wir sie amüsant finden. Pavel Behnke kann hier sein Know-how als Küchenchef einbringen und zeigen, wie er optisch sensationell kreativ sein kann.“

Zutaten kauft der Rainer Koch an drei Tankstellen

Pavel Behnke in der Tankstelle: Die Auswahl ist schwierig.
Bild: Barbara Würmseher

Drei Tankstellen steuert der Koch an, ehe er alles für unser Notfall-Menü zusammen hat. Zunächst ist er fast ein bisschen erschrocken, „denn ich hatte eigentlich schon erwartet, dass es mehr Grundlebensmittel zu kaufen gibt“. Doch schon nach kurzer Zeit füllt sich dann doch der Einkaufskorb. In der einen Tanke bekommt er Eier, Butter, Milch und Kartoffeln, in der zweiten verschiedene Fertig-Dips, in die man normalerweise Nachos taucht. Und in der dritten findet er Nudeln, Mehl, Würstchen im Glas, Toffife, Kondensmilch und Bifi-Minisalami. Von weiteren Zutaten wie Zucker, Backpulver, Salz, Öl und Gewürzen nimmt Pavel Behnke an, dass sie in jedem Haushalt vorhanden sind.

Die Ideen für die einzelnen Gänge haben derweil in seinem Kopf Gestalt angenommen. Der 41-Jährige findet unerwartet Gefallen an der Aktion. „Ich bin total gespannt“, verrät er. „An sich ist das nicht mein Niveau, aber ich werde die Produkte mit viel Liebe so zubereiten, dass sie auch im Restaurant durchgehen könnten.“

Küchenchef vom Rainer Dehner-Blumenhotel zaubert aus den Zutaten Vorspeise, Hauptgericht und Nachtisch

Und was soll es nun geben? Welche Gerichte lassen sich verwirklichen? Pavel Behnke schmunzelt und gibt dann sein Geheimnis preis: Als Vorspeise will er eine „Art von Corndog“ mit einer Tex-Mex-Note kredenzen. Also Würstchen im Teigmantel mit zweierlei Dip – einmal Tomaten-Salsa, einmal Guacamole – mit selbst gemachten Kartoffel-Chips.

Als Hauptgang gibt es Tagliatelle auf leichtem Cheddar-Schaum mit kross gebratenen Salamischeiben – „Salami-Krustel“, wie Behnke es nennt. Und zum Dessert will der Küchenchef Toffife-Créme brulée reichen mit einer Kugel Schokoladeneis auf einem Baiser-Häufchen.

Weihnachtsessen von der Tankstelle: Corndog, Tagliatelle mit Cheddar-Schaum und Créme brulée

In der Küche des Dehner-Blumenhotels streift er seine Kochschürze über und macht sich direkt ans Werk. Um ihn herum ist es relativ ruhig – Corona lässt grüßen. Einige Mitarbeiter des Küchenteams kommen ab und zu herein und amüsieren sich über die Aktion. Auch Hotelchef Harald Lange überzeugt sich ein ums andere Mal vom Fortgang des Experiments. Und in der Rosenstube nebenan werden Auszubildende derweilen in einem Seminar in die Geheimnisse der Weinkunde eingeweiht. Pavel Behnke ist hoch konzentriert. Er arbeitet effizient, damit am Ende keine Zeit verloren geht. Während die Crème brulée aus Kondensmilch statt Sahne in feuerfesten Förmchen mit je einem Toffifee in der Mitte bei 194 Grad im Ofen stockt – „Die Masse darf auf keinen Fall kochen“ –, hobelt der Koch feine Kartoffelscheiben und lässt sie in einer Schüssel Wasser ziehen, damit sie später knuspriger werden. Er geht die Sache entspannt an.

Dann ist der Teig für die Würstchen an der Reihe. „Eigentlich bräuchten wir Maismehl, damit die Hülle knuspriger wird“, bedauert er, „aber wir haben ja nur Weizenmehl bekommen.“ Mit Backpulver entsteht ein Pancake-Teig, der eine zähflüssige Konsistenz hat. Darin dreht Pavel Behnke die halbierten und in Mehl gewendeten Würstchen, die er zuvor auf kleine Spieße gesteckt hat. Er backt sie in siedend heißem Fett in einem Topf goldbraun aus. Dekorativ werden sie auf einer Platte angerichtet mit zweierlei Dips und den ebenfalls im Öl ausgebackenen Kartoffelchips. Die Optik überzeugt!

Rainer Koch wird dieses Jahr zum ersten Mal Weihnachten zu Hause verbringen

Das wird die Käsesoße für die Pasta.
Bild: Barbara Würmseher

Dann hat der 41-Jährige den Hauptgang im Visier. „Ich würde lieber echten Käse verwenden“, bedauert er die eingeschränkte Auswahl an Zutaten, „aber es gab nur den fertigen Cheddar-Dip. Also versuche ich, zu tricksen.“ Pavel Behnke rührt ihn mit Milch zu einem leichten Schaum und rundet den Geschmack mit einem Spritzer Zitrone ab. So muss es gehen. Derweilen brutzeln in der Pfanne auf dem Herd die hauchfein schräg geschnittenen Bifi-Scheibchen, bis sie knusprig sind. Insgesamt mustert der Meister sein Werk mit skeptischem Blick. „Ich mache so was ja zum ersten Mal. Da muss ich mich immer wieder selbst finden.“ Doch tatsächlich ist er angenehm überrascht: „Das schmeckt nicht mal schlecht“.

Pavel Behnke ist seit 23 Jahren Koch. 2020 ist sein erstes Weihnachtsfest, das er zu Hause und nicht am Herd verbringen wird. Als Jungkoch hat er auf einem Kreuzfahrtschiff angefangen und war mehrere Male am Heiligen Abend in Rio de Janeiro. Sylt war die nächste Station, ehe es ihn 2003 nach Rain verschlagen hat. Seit 2014 ist er im Dehner-Blumenhotel Küchenchef.

Fazit zu Weihnachtsmenü von der Tankstelle: „Das ist alles genießbar“

Inzwischen gibt der Backofen Alarm: Das Dessert ist nach 30 Minuten fertig. Pavel Behnke streut Zucker darüber, überflammt es mit dem Bunsenbrenner, dann wird der Eischnee steif geschlagen, mit der Spritztülle in Häufchen auf Teller gesetzt und ebenfalls überflammt. „Wer keinen Bunsenbrenner hat, kann genauso gut ein Stabfeuerzeug verwenden“, empfiehlt der Profi. Dann ist das Werk fertig.

Malerisch angeordnet steht da ein Drei-Gänge-Menü, das sich optisch sehen lassen kann. Und was meinen die Test-Esser zum Geschmackserlebnis? „Im Nachhinein gefällt mir das selber“, sagt Pavel Behnke und muss lachen. „Die leichte Käse-Soße schmeckt super“, befindet Hotelchef Harald Lange. Den Würstchen aus dem Glas fehlt allerdings ein wenig der Biss. Langes abschließendes Fazit: „Das ist alles genießbar und für die Produkte ein Super-Ergebnis.“

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