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Donauwörth

24.04.2015

Falscher Dachdecker nimmt Senioren aus

Ein 19-Jähriger musste sich vor Gericht für seine dreiste Masche verantworten.
Bild: Kaya

Ein 19-Jähriger hat sich als Handwerker ausgegeben und bei einem alten Ehepaar mindestens 36.000 Euro ergaunert. Nur durch einen großen Zufall flog sein dreister Betrug auf.

„Bedenkenlos und dreist“ hat ein 19-Jähriger das Vertrauen eines alten Ehepaares aus Donauwörth ausgenutzt und mindestens 36000 Euro ergaunert. Das Jugendschöffengericht in Augsburg verurteilte den jungen Mann zu acht Monaten Jugendstrafe, ausgesetzt zur Bewährung. Diese verhältnismäßig milde Strafe verdankt er seinem umfassenden Geständnis. Außerdem hatte er nach seiner Festnahme das Geld sofort zurückgegeben.

Beim Austragen von Werbezetteln, in denen der ungelernte Mann seine Leistungen als Dachdecker anpries, kam er mit dem 82 und 83 Jahre alten Ehepaar in Kontakt. Da eine Dachplatte an deren altem Haus stark beschädigt war, sollte er den Schaden reparieren. Was dies kosten solle, sagte der im nördlichen Landkreis Augsburg lebende Mann nicht.

Während der Arbeiten „entdeckte“ er mehrmals weitere angebliche Schäden und überredete das Paar im Laufe mehrerer Wochen, ihm rund 57000 Euro in bar und ohne Quittung als Vorschuss für Materialkosten zu geben. Als er schließlich seinen Lohn von weiteren 20000 Euro abholen wollte, erwartete ihn ein Polizeibeamter und nahm ihn fest.

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Um an das Geld für vollkommen unsinnige Arbeiten zu kommen, wandte er mehrere dreiste Tricks an. So schrieb er unter dem Namen eines von ihm erfundenen Instituts „Dach und Ziegel“ ein Gutachten. Da einige Platten durchnässt seien, müsse das Dach mit einem teuren Speziallack aus Schweden versiegelt werden. Außerdem entdeckte er im Dachstuhl angeblich Holzwürmer. Dagegen helfe nur ein – natürlich ebenfalls nicht billiges – Mittel. Um diese Behauptung zu untermauern, zeigte der Täter dem Paar Würmer, die er angeblich aus dem Gebälk geholt hatte. Tatsächlich waren es Fischköder aus einem Zoogeschäft.

Die Arglosigkeit der Opfer ausgenutzt

Der Betrug flog rein zufällig auf. Ein Polizeibeamter untersuchte in der Nachbarschaft einen Unfall, bei dem ein Arbeiter wegen eines fehlenden Gerüstes abgestürzt war. Dabei erfuhr er, dass auch am Haus der Opfer ohne Gerüst gearbeitet würde. Noch während er mit dem Ehepaar sprach, tauchte der 19-Jährige auf, um die restlichen 20000 Euro abzuholen.

Staatsanwalt Markus Klatt warf dem Angeklagten vor, „mit hoher krimineller Energie eine hohe Geldsumme erschwindelt zu haben. Er forderte eine Bewährungsstrafe von acht Monaten unter Aufsicht der Bewährungshilfe. Verteidiger Wolfgang Bender hielt statt einer Strafe als „Zuchtmittel“ eine Verurteilung zu 40 Stunden Sozialarbeit für ausreichend.

Dem folgte das Gericht unter Leitung von Ortrun Jelinek nicht, sondern sprach eine Freiheitsstrafe von acht Monaten aus. Die Bewährungsstrafe beträgt zwei Jahre. „Der Angeklagte hat die Schäden an dem alten, vom Zahn der Zeit angenagten Haus sowie die Arglosigkeit des Ehepaares ausgenutzt und sogar ein Gutachten gefälscht. Er hat bedenkenlos, dreist und planvoll das Vertrauen der alten Menschen ausgenutzt.“ Man könne sich ausmalen, wie der Betrug weitergegangen wäre, wenn die Polizei nicht auf den Plan getreten wäre, meinte er.

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