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Donau-Ries

23.01.2019

Faschingsumzüge: Greifen die Sicherheitskonzepte?

Tillywurm in Rain: Massenveranstaltungen wie diese erfordern heutzutage besondere Sicherheitsvorkehrungen.

Plus Auflagen des Landratsamts, des Gesetzgebers und jetzt noch eine von der Kommune - die Faschingsvereine müssen viel beachten. Warum das den Verantwortlichen eine große Hilfe ist, zeigt sich bei den Faschingsfreunden in Rain.

Immer größer, immer lauter, immer mehr – das ist ein Trend der modernen Zeit. So manches Ereignis wird zur Massenveranstaltungen, oft mit enormem technischen Aufwand. Nicht nur der Erlebnischarakter soll dadurch gesteigert werden, auch die Risiken erhöhen sich zwangsläufig. Deshalb reagiert die Politik mit Verordnungen, Erlassen, Bestimmungen – auch weil man aus Katastrophen wie der Duisburger Loveparade 2010 mit 21 Toten gelernt hat. Absolute Sicherheit gibt es nicht, doch sollen die Voraussetzungen für ein unbeschwertes Fest so gut wie nur irgendwie möglich sein.

Alle Umzugsstrecken abgelaufen

Was das für Faschingsvereine in der Region und deren bevorstehende Umzüge bedeuten kann, war in jüngster Zeit mehrfach Thema. Auslöser waren bekanntlich die Genderkinger Faschingsfreunde, die ihren Gaudiwurm aufgrund der für sie kaum noch leistbaren Sicherheitsbestimmungen für heuer abgesagt – für 2020 aber wieder angekündigt – haben.

Das Landratsamt hat in den vergangenen Monaten den Faschingsvereinen mit Rat und Tat zur Seite gestanden, damit diese mit den neuen Auflagen klarkommen. Gerd Oefele, Sachbearbeiter Verkehr in der Landkreis-Behörde, hat nicht nur jede Menge Schriftkram mit den Vorsitzenden erledigt. Er ist darüber hinaus auch zusammen mit einem externen Sicherheits-Experten und Vertretern der Faschings-Clubs in jeder Kommune die Wegstrecke der Umzüge abgegangen. Sie haben die Rettungswege überprüft, neuralgische Punkte wie Engstellen in Augenschein genommen und entsprechend reagiert.

Doch jetzt gibt es nochmals eine neue Regelung: Denn über das vom Landratsamt geforderte Sicherheitskonzept hinaus greift in sämtlichen Städten und Gemeinden, in denen es heuer einen Gaudiwurm geben wird, zudem eine so genannte Allgemeinverfügung. Wie Oefele sagt, haben sich die Ratsgremien oder die Verwaltungsgemeinschaften in Rain, Oberndorf, Bäumenheim, Mertingen, Wemding und Megesheim dazu entschlossen, diese Verfügung zu erlassen. Was bedeutet sie in der Praxis für die Faschingsvereine? Noch mehr Belastung und Reglementierung?

Nicht der Verein ist dran, wenn sich einer daneben benimmt

Florian Riehl, Präsident des Faschingsclubs Rain (FCR) verneint das und sieht darin im Gegenteil eine Erleichterung für die Vereine, die bisher komplett allein in der Verantwortung gestanden haben. „Wenn früher jemand beim Umzug gegen die Auflagen verstoßen hat, konnte prinzipiell nur der Umzugsleiter des jeweiligen Vereins belangt werden. Jetzt gibt es die Allgemeinverfügung und die verlagert die Verantwortung auch auf die Teilnehmer. Die Polizei hat nun die Möglichkeit, Wagenverantwortliche oder andere direkt bei Verstößen zu belangen – nicht mehr den Verein.“

Die Allgemeinverfügung enthält in aller Regel keine zusätzlichen Auflagen, die nicht bereits im Sicherheitskonzept festgelegt wären und sich demzufolge mit den Auflagen des Landratsamts decken. Für den FCR ist es auch die sehr gute Zusammenarbeit mit der Stadt Rain, die die Allgemeinverfügung zu einer Entlastung und nicht zu einer Belastung macht. Riehl lobt die sehr gute Abstimmung zwischen Kommune und Verein.

Theorie und Praxis sind zwei verschiedene Dinge

Die theoretische Sicherheit auf dem Papier ist das eine, die Praxis das andere. Der reibungslose Ablauf eines Faschingsumzugs hängt von vielen Faktoren ab. Worin sieht Riehl immer wieder Herausforderungen, wenn es dann tatsächlich so weit ist? Für den FCR-Präsidenten ist es schwierig, alle Personen unter einen Hut zu bringen. „Eine Herausforderung ist das Personal, egal, ob Zugbegleiter, Sammler oder Organisatoren im Vorfeld“, schildert er. „Und natürlich immer auch die Sicherheit. Wir spannen beispielsweise ein rot-weißes Flatterband, um zu verhindern, dass die Zuschauer in der sehr breiten Hauptstraße zu weit auf die Fahrbahn gehen.“ Ärgerlich ist es für den FCR-Präsidenten, wenn sich immer wieder Verkehrsteilnehmer über Regelungen hinwegsetzen: „Leider gibt es immer wieder Leute die nicht einsehen, wieso um 12 Uhr schon gesperrt ist, wenn bereits Kinder in der Hauptstraße unterwegs sind, aber noch keine Faschingswagen. Da können wir immer nur an die Vernunft appellieren. Es sind ja nur drei bis vier Stunden, in denen die Umzugsstrecke gesperrt ist.“

2018 hat der Unfall eines jungen Mannes nach dem Donauwörther Umzug schockiert. Er wäre nach der Explosion eines Stromaggregats fast verbrannt. Wie geht der FCR mit solchen Gefahrenquellen um? Riehl: „Es dürfen keine Ersatz-Benzinkanister mehr mitgeführt werden. und es gibt jetzt auch auf allen Wagen Löschdecken und Feuerlöscher.“

Keine Gase, Branntwein und keine Konfettimaschinen

Unter anderem sind brennbare Gase und Flüssigkeiten, auch Branntwein, auf den Wagen verboten. Ebenso pyrotechnische Gegenstände und Schallkanonen, aber auch Konfettimaschinen. Können denn alle Wagen überprüft werden? Laut Florian haben sich in Rain bisher 20 Wagen angemeldet. Er dürften aber noch mehr werden. „Die verbotenen Gegenstände waren in den vergangenen Jahren nie ein Problem. Branntwein ist natürlich schwer zu kontrollieren, da auch Mitfahrende auf den Wagen etwas mitbringen können. Wir hatten 2018 zwei Gruppen zu je zwei Personen, die tatsächlich jeden Wagen vor Umzugsbeginn kontrolliert haben. Das kostet natürlich Zeit, aber es gab nahezu keine Beanstandung.“

Welche Erfahrungen gibt es beim FCR mit dem Verantwortungsbewusstsein der Teilnehmer? „Nach dem Vorfall in Donauwörth war die Zusammenarbeit mit den Umzugsteilnehmern völlig problemlos. Sie kommen auch zum Teil auf uns mit Fragen zu, um alle Gefahren ausschließen zu können“, schildert Riehl. Sein Verein hat zudem in Zusammenarbeit mit den Kollegen in Oberndorf und Bäumenheim ein Info-Paket für sämtliche Umzugsteilnehmer erarbeitet.

Und einen Appell hat der FCR-Präsident noch: „Wenn jeder etwas auf den anderen schaut, seinen Müll nicht achtlos wegwirft und sich an die Auflagen hält, kann er seinen Teil zum Erhalt der Tradition beitragen.“

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