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Rain

30.01.2021

Feuerwehr sichert Betrieb in Zuckerfabrik in Rain

Gut gewachsen und hoher Zuckergehalt: So sehen die Rüben – hier an einem Acker nahe dem Harburger Stadtteil Marbach – aus, welche die Zuckerfabrik in Rain verarbeitet. In dem Werk werden aus der Ernte von 2020 über 200000 Tonnen Zucker gewonnen.
Foto: Wolfgang Widemann

Plus Die Kampagne 2020/21 bei Südzucker in Rain endet am Samstag. In den vergangenen Monaten waren besondere Herausforderungen zu bewältigen.

Im Laufe des Samstages wird in der Zuckerfabrik in Rain die letzte Rübe in dieser Saison verarbeitet. Werksleiter Wolfgang Vogl zeigt sich mit der Ernte der Früchte, der Anlieferung und der Produktion „sehr zufrieden“. Bei der Kampagne, die sich über 124 Tage hinzog, waren freilich auch einige Herausforderungen der besonderen Art zu meistern. In einem anstrengenden Einsatz half sogar die Feuerwehr der Firma Südzucker dabei, den Betrieb am Laufen zu halten.

Firma in Rain plant leichten Zuwachs beim Bio-Zucker

Die Kampagne begann Mitte September. Zunächst einmal wurde neun Tage lang Bio-Zucker aus ebensolchen Rüben gewonnen, die von den Feldern von etwa 100 Landwirten stammten. Noch ist die Bio-Sparte bei Südzucker ein zartes Pflänzchen. Sie macht nur etwa fünf Prozent der Gesamtproduktion in Rain aus. Hier stehe man in Konkurrenz mit Bio-Rohrzucker, der beispielsweise aus Südamerika komme. Der Anbau von Bio-Rüben in hiesigen Breiten sei mit einem Mehraufwand verbunden, da Unkraut händisch gejätet werden müsse. Nach aktuellem Stand plane Südzucker in der Kampagne 2021/22 einen leichten Zuwachs beim Bio-Zucker ein.

Wolfgang Vogl unterstreicht bei dieser Gelegenheit, dass der Zucker in Rain ein regionales Produkt sei. Die Rüben würden durchschnittlich aus einer Entfernung von 46 Kilometern angeliefert und seien „mit Sicherheit fair gehandelt“. Die Qualität der Rüben sei dieses Mal hoch gewesen: „Das Wachstum war recht gut und der Zuckergehalt lag weit über dem Fünf-Jahres-Schnitt.“

Für den Transport der Rüben von den Äckern zum Werk sind mehrere Abfuhrgemeinschaften verantwortlich. Dabei sind insgesamt 70 Lastwagen im Einsatz. 25 bis 30 pro Stunden erreichen die Fabrik. Glücklicherweise sei es in den vergangenen Monaten bei der Anlieferung zu keinen Unfällen gekommen, so Vogl.

Mitarbeiter und Feuerwehr: Einsatz in Fabrik unter extremen Bedingungen

Hingegen drohte Mitte Oktober dem Betrieb durch ein technisches Problem eine Zwangspause. Am Kalkofen, in dem Kalk gebrannt wird, mit dem später (im abgelöschten Zustand) aus dem Zuckersaft andere Stoffe „eingefangen“ werden, brach nach Auskunft des Werksleiters eine etwa drei mal drei Meter große Klappe. Die befindet sich in der Anlage in einer Höhe von circa 40 Metern. Dies sei nicht das einzige Problem gewesen, schildert Vogl. In dem Bereich herrschen Temperaturen von 40 bis 50 Grad und es treten Gase aus. Um den Schaden rasch und sicher beheben zu können, rief die Firma die Feuerwehr um Hilfe. Mehrere Wehren mit insgesamt über 50 Atemschutzträgern rückten an, sicherten den Bereich ab und versorgten die Südzucker-Kräfte, die schweren Atemschutz trugen und unter den extremen Bedingungen die gerissene Klappe schweißten, immer wieder mit gefüllten Pressluftflaschen. Die Aktion dauerte rund zehn Stunden.

„Das war eine perfekte Zusammenarbeit“, freut sich der Manager. Zum einen sei man der Feuerwehr dankbar, zum anderen habe man bei dieser Gelegenheit gesehen, „welche Spezialisten wir in der Firma haben“.

Südzucker kann Corona-Ausbruch in Werk in Rain verhindern

Ein sensibles Thema während der Kampagne sei die Corona-Pandemie gewesen. Das Unternehmen könne sich in dieser Phase kaum Ausfälle leisten. Es werde mit einem Vier-Schicht-System rund um die Uhr gearbeitet: „Wir haben keine Ersatzleute übrig.“ Deshalb habe Südzucker ein besonders großes Interesse daran, dass die Mitarbeiter gesund bleiben. Dazu habe man eigene Schnelltests angeschafft, um in den Reihen der Beschäftigten bei Verdachtsfällen sofort Klarheit zu haben. Tatsächlich habe es Fälle gegeben, die positiv waren. Durch die Maßnahmen habe man eine Ansteckung weiterer Mitarbeiter verhindern können.

In den Silos in Rain können bis zu 145.000 Tonnen Zucker lagern

Die letzten Rüben der Saison wurden am Freitag angeliefert. Insgesamt bauen rund 2500 Landwirte in der Region zwischen Ulm und Regensburg Rüben für das Werk in der Lechstadt an. Laut Vogl werden in Rain aus der Ernte des Jahres 2020 letztlich über 200000 Tonnen Zucker gewonnen. In den Silos der Fabrik ist Platz für ungefähr 145000 Tonnen. Nach und nach wird in den kommenden Wochen und Monaten der Zucker abgepackt und vermarktet. Im vorigen Jahr war Vogl zufolge viel Zucker auf dem Weltmarkt. Folge: Der Preis war im Keller. 2021 sehe es etwas besser aus.

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