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Donauwörth

07.09.2015

Flüchtlinge verschwinden aus der Alfred-Delp-Kaserne

In der früheren Donauwörther Alfred-Delp-Kaserne waren bis zum Montag der vergangenen Woche knapp 150 Flüchtlinge untergebracht. Wie jetzt bekannt wurde, sind 44 von ihnen aus der Erstaufnahmeeinrichtung verschwunden.
Bild: Schopf

Rund ein Drittel der Personen, die in der Alfred-Delp-Kaserne untergebracht waren, ist vermutlich untergetaucht. Warum die Polizei nichts machen kann.

Viele Flüchtlinge möchten scheinbar nicht in der Donauwörther Alfred-Delp-Kaserne bleiben. Nach Informationen des Gesundheitsamtes Donau-Ries ist vergangene Woche rund ein Drittel der dort untergebrachten Asylbewerber spurlos aus der Erstaufnahmeeinrichtung verschwunden.

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„Am vergangenen Montag haben wir von 130 Personen, die wir in der Kaserne impfen wollten, nur 86 angetroffen. Der Rest ist offensichtlich untergetaucht“, sagt Dr. Rainer Mainka, Leiter des Gesundheitsamtes Donau-Ries.

Der Grund für die Impfung war ein Ausbruch der Windpocken bei vier registrierten Flüchtlingen am 28. August. Am Montag, den 31. August, kam der Amtsarzt, um noch fehlende Impfungen bei den Bewohnern der Kaserne durchzuführen. Dabei traf Mainka 44 Personen nicht an, darunter auch zwei der mit Windpocken infizierten Patienten.

Flüchtlinge verschwinden aus der Alfred-Delp-Kaserne

„Das ist eine Gefahr, die nicht beherrschbar ist“, sagt Mainka angesichts der möglichen ansteckenden Krankheiten, die die untergetauchten Flüchtlinge mit sich tragen. Während die bereits festgestellten Windpocken „nicht so dramatisch“ seien, sieht der Amtsarzt eine größere Gefahr durch etwa Tuberkulose. Es ist aber nicht bekannt, ob einer der verschwundenen Asylbewerber daran erkrankt ist. Mainka befürchtet, dass sich die Untergetauchten nun schnell neue Pässe zulegen und deren Weg dann überhaupt nicht mehr nachvollziehbar ist.

„Das sind ja keine Gefangenen“

Der Polizeiinspektion Donauwörth war der Fall bisher nicht bekannt. Aktiv werden möchte Dienststellenleiter Thomas Scheuerer trotz der neuen Informationen nicht. „Wir machen uns nicht auf die Suche“, sagt der Erste Polizeihauptkommissar. Die untergetauchten Kasernenbewohner seien für ihn nur relevant, wenn sie ihr Asylrecht verwirkt und somit kein Aufenthaltsrecht in Deutschland mehr hätten. Dies läge im vorliegenden Fall nicht vor. „Bei den momentanen Massen an Flüchtlingen ist dies aber sowieso nahezu nicht beherrschbar“, sagt Scheuerer.

Auch die Regierung von Schwaben, die für die Erstaufnahmen und Gemeinschaftsunterkünfte der Asylsuchenden zuständige Behörde, sieht den Vorfall gelassen. „Es ist ein ganz normaler Vorgang, dass Flüchtlinge in eine Unterkunft ein- und ausgehen“, sagt Sprecher Karl-Heinz Meyer. „Das sind ja keine Gefangenen.“

Die Alfred-Delp-Kaserne ist seit dem Winter 2014 eine Außenstelle der Erstaufnahme für Asylbewerber in der Münchner Bayernkaserne und soll noch bis zum Winter eine reguläre Erstaufnahme für bis zu 600 Asylsuchende werden.

Das Landratsamt Donauwörth bestätigt die Flucht vieler Bewohner der Alfred-Delp-Kaserne in der vergangenen Woche, ohne Details zu nennen. Für genauere Auskünfte oder Stellungnahmen stand am Montag kein Mitarbeiter bereit. Stattdessen verkündet die Behörde, dass mit einer Nutzung der Donauwörther Neudegger Sporthalle als Not-Erstaufnahme für bis zu 300 Personen ab Mittwoch zu rechnen ist.

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