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Donauwörth

14.02.2020

Frau goss heißes Fett auf Ehemann: So lief der Prozess

Schwere Brandwunden zog sich ein Donauwörther nach der Attacke seiner Frau zu.
Bild: Julian Stratenschulte/dpa (Symbolbild)

Plus Nach einem Streit kündigt ein 31-Jähriger das Ende der Beziehung an. Daraufhin greift seine 40-jährige Frau zur Fritteuse. Dafür wurde sie nun verurteilt.

Schmerzhaftes Ende einer kaputten Ehe: Nachdem sich eine 40-jährige Frau und ihr 31 Jahre alter Ehemann in der gemeinsamen Wohnung in Donauwörth wieder einmal ordentlich gefetzt hatten, beendete er die Beziehung endgültig mit den Worten: „Jetzt ist Schluss, Ende, Feierabend. Ich hab die Schnauze voll!“ Daraufhin sah die Frau rot. Es folgte ein heftiger Ausraster, für den sie sich nun vor dem Amtsgericht verantworten musste.

Sie nahm die Fritteuse, die in der Küche stand mit beiden Händen, drehte sich zu ihrem Mann um und schüttete das heiße Fett in seine Richtung. Es ergoss sich über sein Gesicht, den Kopf und beide Hände, die er schützend vor sich hielt.

Brandwunden sind gut verheilt

So fand ihn sein Onkel, der – alarmiert von seinen Schreien – aus einem Nebenzimmer herbeieilte. „Mein Neffe hat am Boden gekauert und sich vor Schmerzen gekrümmt. Neben ihm stand seine Frau wie eine Marmorsäule“, sagte er im Zeugenstand. Das Ganze ist nun knapp neun Monate her. Die schweren Brandwunden zweiten Grades, die anfangs dramatisch ausgesehen hatten, sind gut verheilt und kaum mehr sichtbar.

Frau goss heißes Fett auf Ehemann: So lief der Prozess
Gerhard Schamann ist Jugendrichter am Amtsgericht Nördlingen.
Bild: Wolfgang Widemann

Auch die Frau selbst hatte Verletzungen erlitten, die ebenfalls weitgehend abgeklungen sind. Die Ehe aber ist endgültig zerrüttet, die Scheidung läuft bereits. Und nun setzte das Amtsgericht Nördlingen noch einen juristischen Schlusspunkt unter die Vorfälle.

Gefährliche Körperverletzung

Vorsitzender Richter Gerhard Schamann verurteilte die Angeklagte wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr mit Bewährung. Außerdem muss sie 120 Arbeitsstunden nach Weisung der Stadt Donauwörth ableisten und drei Jahre lang monatlich je 25 Euro Wiedergutmachung an ihren Noch-Ehemann überweisen – ein lediglich symbolischer Betrag, der die Hartz IV-Empfängerin aber daran erinnern soll, was sie getan hat.

Zunächst hatte die 40-Jährige in der Verhandlung eine reichlich andere Version des Tattags zum Besten gegeben. Sie habe nach den lautstarken verbalen Streitigkeiten nur vorgehabt, in der Küche aufzuräumen und die Fritteuse in die Speisekammer zurückzustellen. Sie habe diese deshalb von der Anrichte geholt. Auf dem Weg aber habe sich befürchtet, das heiße Gefäß entgleite ihr und sie habe es auf einer Stuhllehne etwas zu heftig abgesetzt, woraufhin der Deckel aufgesprungen und das heiße Öl lediglich versehentlich auf ihren Mann gespritzt sei.

Am Ende ist sie doch geständig

Am Ende aber räumte sich den Sachverhalt vollumfänglich so ein, wie er in der Anklage von Staatsanwalt Johannes Pausch stand. Wohl auch deshalb, weil ihr das Gericht im Falle eines Geständnisses nicht mehr als ein Jahr Bewährungsstrafe in Aussicht stellte. So spät das Geständnis der Angeklagten auch kam, wertete Richter Schamann es dennoch zu ihren Gunsten.

Außerdem sah er die Frau in einer „emotionalen Ausnahmesituation“ durch die schockierende Ankündigung ihres Mannes, die Ehe beenden zu wollen. Nicht zuletzt erkannte der Richter auch eine alkoholbedingte Enthemmung. Die Angeklagte hatte zur Tatzeit 1,6 Promille Alkohol im Blut. Ihr Ehemann war auch nicht mehr nüchtern. Er brachte es auf 2,2 Promille, wie ein Test ergeben hatte.

Mahnende Worte des Richters

Schamann gab der Verurteilten am Ende eindringliche Worte mit. Es sei pures Glück, dass im Gesicht ihres Noch-Ehemannes nach der Attacke wohl keine dauerhaft sichtbaren Narben zurückbleiben. Zudem dürfe sie sich jetzt unter Bewährung nicht das Geringste zu schulden kommen lassen. Sie solle also auch damit aufhören, ihrem Mann und dessen neuer Freundin nachzustellen.

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