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15.10.2009

Frauenworte von Männern gehört

Donauwörth Dichten und musizieren Frauen anders? Anders als Männer, die das kulturelle Leben für so lange Zeit dominiert haben? Diese spannende Frage ergab das Thema für das gelungene Konzertprogramm "Auf ein Frauenwort".

Zu diesem luden im Rahmen der Donauwörther Kulturtage die Sopranistin Michaela Zeitz sowie die Pianistin Inna Katjanowa ins Zeughaus ein. Ironisch kommentierte die Sängerin vor ihrem zahlreich erschienen und überwiegend weiblichen Publikum den Titel des Abends: "Als könne eine Frau sich auf ein Wort beschränken." Oftmals hänge Frauen der Ruf nach, sie seien Plappermäuler. Als Kreative und "Wortjongleure" hingegen seien sie noch immer selten. Dass ein Frauenwort dennoch von ausgesprochener künstlerischer Bedeutung sein kann, zeigte sich in der musikalischen Auswahl des Abends.

Im ersten Teil des Konzerts folgten die vorgetragenen Lieder einem romantischen Schwerpunkt. Sie entstammten beispielsweise der Feder Maria Stuarts, der einstigen Königin der Schotten. In diesen spiegelte sich ein vom Glauben geprägter Leidensweg zum Schafott, zu dem sie Elisabeth I. von England verdammt hatte. Robert Schumann, ein bedeutender Komponist der Romantik, machte diese Gedichte zu Liedern, um sie so seiner Frau zu schenken. Nach der Pause bestimmten Lieder mit persönlicherem Bezug zu den beiden Künstlerinnen das Programm: Die in Russland geborene Katjanowa trug auf dem Klavier eine Nocturne der in ihrer früheren Heimat äußerst geschätzten Komponistin Alexandra Pakhmutova vor. Es folgte die Uraufführung neun von Thomas Lier vertonter Gedichte Charlotte Tangerdings. Denn die 2002 verstorbene Unternehmerin war auch selbst Dichterin und hat zwei Lyrikbände veröffentlicht.

Zu der Vertonung der Gedichte kam es, als vor sieben Jahren der in Altisheim beheimatete Musiker Lier sich auf die Suche nach musikalisch verwertbaren Texten machte. Zeitz legte ihm die Lyrik Tangerdings ans Herz, mit der sie persönlich bekannt war. Obwohl es erst jetzt zu einer Uraufführung kam, schildert die Sopranistin, hielt sie die musikalische Umsetzung der Gedichte nach kürzester Zeit in Händen.

Frauenworte von Männern gehört

Überwiegend kreisten die neun zu Liedern gemachten Gedichte Tangerdings um den Ausdruck der Liebe, der Zuneigung und des Sehnens eines Ichs zu einem Anderen. Mal in Erfüllung: "Immer ist ein Glück zwischen uns." Mal in Schmerz: "Seit dem Tag, an dem du mich verlassen, hält nur der Schmerz mir unentwegt die Treue." Sie waren damit weder Frauen noch Männern wirklich zuschreibbar, drehten sich aber fraglos um die Beziehung zwischen beiden. Mit den Worten dagegen befasste sich "Worte, Worte", das vom Publikum als Zugabe erneut nachgefragt wurde. Die darin beschriebene "Sintflut von Lauten", setzte Lier auch musikalisch eindrucksvoll um.

Am Ende blieb nur die Frage: Musizieren und Dichten Frauen nun anders? Die beiden Künstlerinnen wollten ihrem Publikum die Beantwortung nicht vorgeben. Eine mögliche Antwort schwang jedoch in der Musik des Abends mit: anders als Männer vielleicht. Ganz ohne sie jedoch eher selten.

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