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Donauwörth

16.05.2018

Gefährliche Tourenführung für Radfahrer

Plaketten gibt es zuhauf an den Schildern in Donauwörth (hier an der Promenade). Doch das Radwegenetz ist laut einer Untersuchung, die bereits 2007 in Auftrag gegeben worden war, teils irreführend und ausbauwürdig.

In und rund um Donauwörth ist das Radwegenetz einigen Stadträten ein Dorn im Auge. Woran es ihrer Meinung nach vor allem mangelt.

Der Autoverkehr hat in den vergangenen Jahren mehr oder minder drastisch zugenommen. Donauwörth als altehrwürdige Stadt mit allerdings ebenso teils altehrwürdigen Straßen und Gassen bekommt das nachhaltig zu spüren. Kein Wunder also, dass angesichts der zu Stoßzeiten vollgestopften Straßen den hiesigen Bürgern der Umstieg auf das Fahrrad empfohlen wird. Schmackhaft ist das aber beileibe nicht auf so manchen Streckenabschnitten. Deshalb fordern zahlreiche Stadträte bereits seit Jahren ein beherzteres Aufgreifen des Themas „Radwegenetz“ durch die politische und administrative Führung der Stadt Donauwörth.

Bei der Stadt gibt es seit einiger Zeit einen eigenen Arbeitskreis (AK) zum Radverkehr. Eigentlich ein Zeichen dafür, dass das Thema wichtig ist. Doch gerade bei einigen der Mitglieder jener Arbeitsgruppe ist die Unzufriedenheit groß. Seit Jahren stehe zu viel unbearbeitet auf der Aufgabenliste. Jene Agenda existiert tatsächlich. Es handelt sich dabei um Untersuchungen zur Konzeption eines Radverkehrsnetzes, ausgearbeitet im Auftrag der Stadt vom Ingenieurbüro Brenner. Im September 2007 war das geschehen – passiert ist nach Ansicht der Stadträte und AK-Mitglieder Brigitte Kundinger-Schmidt (SPD/BfD), Stefanie Musaeus (PWG/FW), Albert Riedelsheimer (Grüne) und Gustav Dinger (ÖDP) zu wenig. Besonders jene empfohlenen Maßnahmen mit dem Vermerk „Aufwand groß“ stünden all zu unberührt in der Warteschlange.

Beispiel Dillinger Straße Hier, im Bereich Donaumeile/ Bahnhof, wurde wegen des hohen Verkehrsaufkommens die Anlage eines Geh- und Radweges zwischen Kreisverkehr und Eduard-Rüber-Straße empfohlen sowie die Markierung eines Schutzstreifens für Radler. Letztgenannter Weg ist aufgrund der Größe des neu gebauten Nahversorgungszentrums praktisch nicht mehr passierbar, auf der Vorderseite hat man sich indes mit einem Schild „Radfahrer frei“ auf dem mitunter schmalen Gehweg beholfen. Einen Zebrastreifen vor der Donaumeile gibt es derweil auch Monate nach deren Eröffnung im Herbst vergangenen Jahres nicht.

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Beispiel Brücken Der Radverkehr führt als Mischverkehr über die Brücken. Verbreiterungen oder die Schaffung von Radwegbrücken waren empfohlen worden. Eigentlich muss man allein aus Sicherheitsgründen, wie Albert Riedlsheimer betont, auf schier jeder Brücke absteigen – was aber faktisch kaum ein Radler macht.

Beispiel Schutzstreifen Auf zahlreichen viel befahrenen Straßen (Beispiel Augsburger Straße Nordheim) wurden zumindest auf den Straßenbelag aufzutragende Schutzstreifen zur Sicherheit der Radler empfohlen. Meist sucht man diese allerdings vergeblich.

Auch die Löchrigkeit des Radverkehrsnetzes in und um Donauwörth sei nach wie vor ein Problem, so die AK-Mitglieder. Dies wurde auch in der Untersuchung von 2007/2008 bereits analysiert: Radfahrer würden zu oft gezwungen – wollten sie denn auf den ausgewiesenen Radwegen bleiben – die Seite zu wechseln. Gerade der durch Donauwörth verlaufende Donauradweg im Bereich Donauhafen bietet für Radler bis dato zwei wenig attraktive Optionen: eine ist die Wahl der viel befahrenen Zirgesheimer Straße – oberhalb davon führt ein Weg über einen Parkplatz, was generell für Zweiradfahrer ein gefahrenträchtiges Unterfangen bedeutet. Nicht selten sieht man hier ratlose Radtouristen, die nach dem angedachten Pfad in Richtung über Marxheim, Bertoldsheim, Rennersthofen und Neuburg nach Ingolstadt suchen. Des Weiteren erscheint die Beschilderung unzureichend, die Fahrradsymbole sind mitunter sehr klein und an so mancher Stelle enden Radwege ziemlich abrupt.

Stefanie Musaeus zeigt sich vor allem enttäuscht darüber, dass bei neuen Straßenmaßnahmen die Ausweisung der Radwege unzureichend berücksichtigt bleibe. Gustav Dinger spricht gar von einer durchgängigen „Nichteinbeziehung“.

„Radwege genießen bei uns keine Priorisierung“, fasst Albert Riedelsheimer die Lage aus seiner Sicht zusammen, zudem sei ein essenzielles Manko eine mangelhafte und teils irreführende Beschilderung. Kundinger-Schmidt sieht allem voran die Parkstadt radfahrtechnisch abgehängt. Eine Option wäre dort ein auszubauender Weg im Bereich Zum Thähle/Am Kaibach, der aber bislang nur für Fußgänger frei sei.

Neben den im Maßnahmenkatalog gelisteten Punkten ist ein weiterer großer dazugekommen: die Weiterführung des Fuß- und Radweges am Donauhafen in Richtung Altstadtinsel Ried beziehungsweise in Richtung Zirgesheim. Sie würde wohl auch die kaum zu übersehenden Gefahrenstellen auf der Zirgesheimer Straße hinfällig machen.

Die AK-Mitglieder fordern eine deutlichere Fortführung des Maßnahmenkatalogs sowie die regelmäßige und konsequente Abarbeitung der gelisteten Maßnahmen. Der Radverkehr werde, da ist sich Musaeus sicher, in den nächsten Jahren zunehmen. Auch weil Elektrofahrräder für die neue Rentnergeneration (und wohl nicht nur für sie) eine attraktive Alternative zum Auto sind. Bis Ende 2019 wolle die Stadt als „radfahrerfreundlich“ zertifiziert werden, berichten die Stadträte. Für sie ist es keine Frage: Bis dahin müsste einiges geschehen in Donauwörth – wenn man es denn ernst meinte mit all den werbewirksamen Plaketten. "Kommentar

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