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Schlosskonzert II

03.07.2018

Geheimnis um einen Namen gelüftet

Optisch unkonventionell in T-Shirt und Turnschuhen – aber auch in der ungewöhnlichen Besetzung und der musikalischen Qualität etwas Besonderes: Das Quintett 4.1.
Bild: tb

Das Ensemble 4.1 bringt einen weitgehend unbekannten Komponisten zum Klingen. Doch nicht nur damit profilierte sich das hervorragende Quintett in Leitheim

Ludwig van Beethoven kann als referenzieller Schnitt- und Scheitelpunkt aller kammermusikalischer Entwicklung Geltung finden. Zugleich war er ein Meister des Dialogs zwischen dem Klavier und größeren Klangkörpern. Beide Charakteristika des großen Klassikers fallen in eins in seinem Quintett für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott. Das in der Bläsertonart Es-Dur geschrieben Werk verzaubert durch enorme Farbigkeit und dichte Zwiesprache der Instrumente.

Die seltene Besetzung fand bei den Leitheimer Schlosskonzerten mit dem Ensemble 4.1 zu herausragender Vortragsqualität. Schon im Erscheinungsbild ein bisschen anders: Zum schwarzen Anzug trugen Alexander Glücksmann, Jörg Schneider, Fritz Pahlmann, Christoph Knitt und Thomas Hoppe T-Shirt und Turnschuhe. Das Quintett zeigte sich von Beginn an als engagierter, homogener, spielfreudiger Klangkörper von geradezu tänzerischer Energie. Oboe und Fagott waren im Gegenüber zu Klarinette und Horn platziert, dazwischen, dahinter, sinnbildlich darüber thronte das Klavier.

Die fünf Musiker warfen sich die Bälle nur so zu. Fast ungestüm die Komposition, entsprechend energiegeladen der Vortrag, dabei in sich ungemein stimmig, bei aller Dialektik des Stücks in perfektem Teamgeist. Alle vier Bläser wirkten geschmeidig und schneidig zugleich, vereinten in transparenter Einheit akzentuierten Ansatz und warmes Timbre. Thomas Hoppe am Klavier brillierte mit Empathie, Esprit, selbstbewusster Aufmerksamkeit und souverän strukturierter Gestaltung seines Parts. Der Gesamtklang des Ensembles 4.1 hielt in dichter Dynamik immer die Balance und zugleich jene charakteristische Spannung, welche der eher seltenen Besetzung von sich aus innewohnt. Da atmete alles in eins, spielerische Leichtigkeit und kommunikativer Ernst gingen ganz im Sinne der Komposition Hand in Hand.

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Als klanglich konvergenter Gegensatz zu Beethoven gab sich in fünf ineinander übergehenden Sätzen der „Jerusalem Mix“ des israelischen Komponisten Avner Dorman. In lautmalerischer Erzählkunst brachte das zeitgenössische Werk multikulturelle Faszination und dramatisches Schicksal einer Stadt zum Ausdruck, auf die nicht nur drei Weltreligionen, sondern auch weltliche Interessen grundverschiedener Mächte Anspruch erheben. Der Vortrag brachte Lebenslust und Leid, Katastrophe, Klage und Hoffnung griffig und gegenwärtig auf den Punkt.

Den Namen Heinrich von Herzogenberg nicht parat zu haben ist auch für ansonsten kenntnisreiche Musikliebhaber keine Schande. Zu seiner Zeit war der 1843 in Wien geborene, später in Leipzig und Berlin wirkende Komponist durchaus bekannt und gerühmt. Wohl auch, weil er zu sehr Kind seiner Zeit war, geriet er mit seinem Tod im Jahre 1900 recht rasch in Vergessenheit. Allerdings zu Unrecht, zumindest was sein munteres Quintett für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott angeht.

Die Tonart Es-Dur setzt wohl eine bewusste Parallele zu Beethoven. Das spätromantische, seinerseits sehr farbenfrohe und agile Werk zeigt durchaus Fantasie und Originalität. Mit spürbarer Freude an der Entdeckung solcher Preziose warf das Ensemble 4.1 wiederum feingestuften Zusammenklang sowie geistreich spritzige Dialogkultur in die Waagschale und ließ auf diese Weise den Namen Heinrich von Herzogenberg in hellem Glanz erstrahlen.

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