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Holzheim

28.10.2020

Gemeindewald Holzheim soll zum Mischwald umgewandelt werden

Der Holzheimer Gemeindewald soll zukünftig ein Mischwald werden. Momentan stehen dort größtenteils Fichten. (Symbolbild)
Bild: Christoph Schmidt/dpa

Plus Der kommunale Forst muss ein stabiler Mischwald werden. Ein Experte stellte im Gemeinderat vor, welche Baumarten langfristig das geringste Anbaurisiko bergen.

Wie sieht der kommunale Wald der Gemeinde Holzheim aus? In welchem Zustand befindet sich die 44 Hektar große Forstbetriebsfläche aktuell? Und was muss getan werden, um sie langfristig zukunftsfähig zu machen? – Mit Fragen wie diesen setzte sich der Gemeinderat jetzt auseinander und beschloss einstimmig, wie die künftige Marschrichtung auszusehen hat.

Holzheim möchte Waldarbeiten an externe Fachfirmen vergeben

Eine wichtige Entscheidung dabei: Die personelle Verantwortung soll breiter aufgestellt werden. Neben der Gemeinde als Eigentümer, dem beratenden Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Nördlingen und dem Bauhof als Ansprechpartner wird es künftig weitere Zuständigkeiten geben.

So soll die Waldarbeit künftig an externe Fachfirmen vergeben werden. Arbeitssicherheit ist dabei einer der wichtigsten Gründe, wie Bürgermeister Josef Schmidberger mehrfach betonte. Und Bewirtschaftung beziehungsweise Vermarktung sollen über die Waldbesitzervereinigung (WBV) abgewickelt werden.

Holzheim entscheidet noch über Baumarten für Gemeindewald

Eine weitere wegweisende Entscheidung, die das Gremium noch zu treffen hat, betrifft die angebauten Baumarten. In diesem Punkt muss grundlegend umgedacht werden, denn der Klimawandel erfordert eine Anpassung der Vegetation an künftig höhere Durchschnittstemperaturen und geringere Niederschläge.

Was für frühere Generationen aus gutem Grund noch richtig war, nämlich stark auf Nadelhölzer – vor allem auf die Fichte – zu setzen, hat heute keine Gültigkeit mehr. Daraus machte Peter Birkholz, der Bereichsleiter Forsten am AELF, in der Gemeinderatssitzung keinen Hehl.

Holzheimer Gemeindewald besteht größtenteils aus Fichten

Der Holzheimer Gemeindewald besteht laut Birkholz’ Ausführungen und den Auswertungen des zuständigen Revierförsters Thomas Lutz zu zwölf Prozent aus Buche, sieben Prozent aus Edellaubhölzern, jeweils vier Prozent aus Eiche und Kiefer und einem Prozent aus sonstigen Laubbäumen. Den Löwenanteil aber macht mit 72 Prozent der Fichtenbestand aus. Die Fichten aber, so Birkholz, „verkraften den Klimawandel am wenigsten“. Heiße, trockene Sommer machen ihnen zu schaffen. Auch ist der Borkenkäfer ein Problem – noch nicht sehr ausgeprägt in Holzheim, aber „in weiten Teilen Deutschlands geht die Post ab“. Birkholz’ Fazit: „Mit der Fichte wird das auf Dauer ein zu gefährliches Spiel.“

Welche Bäume aber sind am meisten klimatolerant und bergen das geringste Anbaurisiko? Mit wasserdichten Prognosen tut sich der Forst-Experte nicht ganz leicht, wie er zugab, da es „an Rezepten für zukünftiges Vorgehen fehlt“.

Gemeindewald in Holzheim soll in Zukunft zum Mischwald werden

Allerdings kann er Einschätzungen dazu abgeben, welche Baumarten sich angesichts des Klimawandels wohler fühlen und welche kaum Chancen haben zu überleben. Alles in allem läuft es auf einen Mischwald hinaus. Birkholz: „Wir können uns nicht auf eine einzelne Baumart verlassen. Um ein stabiles System zu bekommen, müssen wir mindestens vier Arten miteinander mischen.“

Mit einem Blick ins Jahr 2100 nannte er unter anderem folgende Spezies als sehr wenig riskant: Zeder, Traubeneiche, Roteiche, Wildbirne, Edelkastanie und Robinie. Ein lediglich geringes Anbaurisiko haben laut Birkholz beispielsweise folgende Bäume: Douglasie, Japanische Lärche, Küstentanne, Buche, Stieleiche, Spitzahorn, Sandbirke, Hainbuche, Vogelkirsche und Vogelbeere. Birkholz empfahl zudem, auch heimische Raritäten wie etwa die Elsbeere zu beteiligen. Der Gemeinderat hat nun die Aufgabe, den Gemeindewald langfristig in einen zukunftsfähigen Mischwald umzubauen, in dem die Fichte kaum noch eine Rolle spielen wird.

Schwierigkeit: Waldstücke sind über das Gemeindegebiet verteilt

Was den kommunalen Forstbetrieb nicht gerade einfacher macht, ist die Gestaltung der einzelnen Waldstücke: 24 sind es insgesamt. Jedes von ihnen ist relativ klein, zudem sind sie alle über das ganze Gemeindegebiet verstreut. Vom Ziegelholz und dem Blattenberg im Süden bis zu Neubruch und Hainberg im Norden, von Brunnen und Rainer Feld im Westen bis zum Östlichen Mühlbergholz.

Gemeinderat Josef Vogl stellte hier die Frage nach der Möglichkeit einer Art Flurbereinigung: „Haben wir eine Chance, diese Kleinstrukturen zu verändern?“ Peter Birkholz stimmte diesem Gedanken zu. Die Gemeinde solle versuchen, durch Tausch an größere, zusammenhängende Gebiete zu kommen. Das sei „die pure Vernunft“.

Es soll einen Ortstermin geben, damit sich die Gemeinderäte selbst ein Bild machen können.

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