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Donau-Ries-Kreis

22.12.2020

Gericht: Paar aus Donau-Ries-Kreis baut Drogen an

Das Schöffengericht in Nördlingen hat ein Paar aus dem Donau-Ries-Kreis verurteilt.
Bild: Wolfgang Widemann (Symbolbild)

Plus Ein Paar aus dem Landkreis Donau-Ries hat Drogen angebaut. Vor Gericht beteuern sie: aus einem guten Grund.

Das Schöffengericht am Nördlinger Amtsgericht hat eine Frau und einen Mann aus dem Landkreis Donau-Ries wegen des Besitzes von erheblichen Mengen an Drogen jeweils zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Die Bewährungszeit beträgt vier Jahre und ist mit strengen Auflagen verbunden. Beide räumten die Tatvorwürfe ein.

Paar aus Donau-Ries baut im Wohnhaus Drogen an

Sie hatten über einen längeren Zeitraum hinweg in einem Gewächshaus im Bereich ihres Wohnhauses Drogen angebaut. Den Samen für den Anbau bestellten sie in Holland. Beide gaben an, den Entschluss zu dieser Aktion gemeinsam gefasst zu haben, um damit ihre gesundheitlichen Probleme nach vorherigen erfolglosen Therapieansätzen in den Griff zu bekommen.

Die Angeklagte, eine ausgebildete Garten- und Landschaftsbauerin, sprach von einer Ärzte-Odyssee, die sie vor dem Hintergrund ihrer jahrelangen körperlichen und psychischen Leiden hinter sich gebracht habe.

Gericht Nördlingen: Frau gibt als Grund für Drogenanbau ihre Schmerzen an

Ihr Mitangeklagter betonte, sich vor einigen Jahren die Mittelhand gebrochen zu haben. Im Heilungsprozess sei es allerdings zu erheblichen Schwierigkeiten gekommen, die darin gemündet hätten, dass man seinen Mittelhandknochen habe versteifen müssen. Zu allem Unglück sei er dann noch vor zwei Jahren im Urlaub gestürzt und habe sich erneut die Hand gebrochen. Seit dieser Zeit gebe es ständige Probleme, die sich auch auf seinen Arbeitsalltag auswirkten. Seinen erlernten Beruf als Hubschrauber-Mechaniker könne er nicht mehr ausüben. Es stehe eine Umschulung an.

Weil zur Linderung ihrer Gesundheitsprobleme letztlich nichts geholfen habe, wollten sich beide nach eigenen Aussagen mit Betäubungsmitteln selbst helfen. Sie versicherten dem Gericht, nur für den Eigengebrauch angebaut und nie mit Drogen gehandelt zu haben. Auch hätten sie sich in keiner Drogenszene aufgehalten.

Polizei findet Marihuana, Haschisch und Amphetamine bei Paar aus Donau-Ries

Der ermittelnde Polizeibeamte gab als Zeuge an, bei der Durchsuchung von Haus und Grundstück der Angeklagten unter anderem Marihuana, Haschisch und Amphetamine gefunden zu haben. „Die Menge sprach zunächst für einen professionellen Drogenhandel, weil der Anbau der Drogen sehr gut organisiert schien.“ Allerdings seien keinerlei Indizien für einen tatsächlichen Verkauf aufgetaucht.

Staatsanwalt Konstantin Huber hielt den Beschuldigten vor, mit ihren Geständnissen nur das bestätigt zu haben, was ohnehin nicht abzustreiten gewesen sei. Die Angabe, beide seien Schmerzpatienten und hätten vor diesem Hintergrund zu den Drogen gegriffen, nahm der Staatsanwalt den Angeklagten nicht ab und sprach von Schutzbehauptungen. Dafür spreche die Zeugenaussage des Polizeibeamten, dass der gesamte Umgang mit den Drogen gut organisiert gewesen sei. Hubers Fazit: Bei den Angeklagten handle es sich nicht um Schmerzpatienten, sondern um Betäubungsmittel-Konsumenten.

Staatsanwalt fordert drei Jahre Freiheitsstrafe

Für die beiden sprächen ihre Geständnisse und dass sie nicht vorbestraft seien. Demgegenüber stehe allerdings das Gesetz, das es verbiete, in eigener Verantwortung eine Therapie mit Betäubungsmitteln zu beginnen. „Wenn eine Schmerzbehandlung mit Cannabis, dann nur durch einen Arzt verordnet und kontrolliert“, bekräftigte der Staatsanwalt.

Negativ fiele zudem die große Menge an Drogen ins Gewicht. Aus seiner Sicht könne deshalb auch kein minderschwerer Fall angenommen werden. Die Forderung des Staatsanwalts: Drei Jahre Freiheitsstrafe ohne Bewährung.

Rechtsanwältin fordert Bewährungsstrafe für Mandantin aus Donau-Ries

Die beiden Verteidiger zeigten sich darüber sichtlich verwundert. Rechtsanwalt Rainer Pohlen betonte, es sei nachvollziehbar, wenn die Angeklagten vor dem Hintergrund ihrer schweren gesundheitlichen Schicksale und zuvor erfolglosen Therapien nach eigenen Lösungswegen gesucht hätten. Zwar sei die Menge der Drogen nicht unerheblich gewesen – dennoch beurteile er den Fall als „minderschwer“. Pohlen plädierte für seinen Mandanten auf eine Bewährungsstrafe von nicht mehr als zwei Jahren.

Rechtsanwältin Veronika Nagel wies auf die 30-jährige psychische und physische Leidensgeschichte ihrer Mandantin hin, die nachweislich in 37 Seiten an ärztlichen Unterlagen nachgelesen werden könne. Weil die Frau nicht vorbestraft sei und die Plantage zusammen mit dem Angeklagten nur für eigene Zwecke angelegt habe, hielte sie eine Bewährungsstrafe von einem Jahr für angemessen.

Paar aus Donau-Ries erhält eine Bewährungsstrafe

Vorsitzende Richterin Ruth Roser begründete das Urteil des Schöffengerichtes ausführlich. Zugunsten der beiden Beschuldigten habe das Gericht deren Geständnisse, den nicht professionellen Handel mit weichen Drogen, keine Vorahndungen im Bundeszentralregister sowie die nach wie vor schwierigen gesundheitlichen Probleme gewertet. Beiden Angeklagten gestand die Richterin eine günstige Sozialprognose zu.

Während der Bewährungszeit müssen sich beide regelmäßigen Drogenscreenings unterziehen. Die Frau hat ergänzend dazu an ihrem neuen Wohnort 120 Stunden Sozialarbeit zu leisten. Der Mann muss 4000 Euro an eine Sozialeinrichtung zahlen. (bs)

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