1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Glasklare Stimmen, die berühren

Konzert

24.05.2019

Glasklare Stimmen, die berühren

Domkapellmeister Roland Büchner in der Gempfinger Pfarrkirche im Kreise einiger seiner Domspatzen.
Bild: Michael Hofgärtner

Die weltberühmten Regensburger Domspatzen erwiesen dem Publikum in der Gempfinger Pfarrkirche die Ehre. Es gibt einen besonderen Grund, warum der Knabenchor zu diesem Gastspiel bereit war

Wenn ein weltberühmter Chor auf seinen ausgedehnten Konzertreisen in einer kleinen Dorfkirche auftritt, dann muss es schon einen besonderen Anlass hierfür geben. In Gempfing war ein solcher gegeben, wird doch derzeit im Pfarrhof eine Ausstellung über den Künstler und Glasmaler Josef Oberberger (1905–1994) präsentiert, der in seiner Jugend selbst Mitglied der Domspatzen war.

Oberberger war schon als Bub von der Mystik und der Architektur des Regensburger Domes fasziniert. Das Erleben der gotischen Domarchitektur mit ihrer besonderen Lichtführung ließ in ihm dann den Wunsch reifen, Glasmaler zu werden. Als er sich bereits einen großen Namen als Glasmaler erworben hatte, beauftragte ihn die Regensburger Dombauhütte mit der Neufertigung von Glasfenstern in den Obergaden des Langhauses und im Hauptchor, die er in den Jahren 1985 bis 1989 als großes Alterswerk fertigte.

Damit war also ein begründeter Anlass für das Konzert der Domspatzen in der Gempfinger Pfarrkirche gegeben, und die Leitung des Chores sagte auch gerne zu. Unterstützt wurde das Anliegen des Gempfinger Fördervereins von der Oberberger-Stiftung, die über einen großen Fundus an Werken des Künstlers verfügt und der Gempfinger Ausstellung eine große Anzahl wertvoller Glasscheiben zur Verfügung stellte.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Dem Ort entsprechend war der Auftritt des Chors von Domkapellmeister Roland Büchner als geistliches Konzert konzipiert. Im vielseitigen und sehr anspruchsvollen Programm fanden sich wunderbare Werke des 16. bis des 20. Jahrhunderts, bei denen der Chor seine große Bandbreite im musikalischen und rezitativen Ausdruck zeigen konnte. Rasch wurden die Zuhörer in der voll besetzten Pfarrkirche in den Bann der Musik und der Stimmen gezogen. Hoch spannend, wie der Chor die Höhen und Tiefen in den „Pueri Hebraeorum“ von Tomás Luis de Victoria (1548–1611) oder im Choral „Eli, Eli!“ des zeitgenössischen ungarischen Komponisten György Deák-Bárdos aus dem Jahr 1928 auslotete und aushielt, bis hin zur abrupten stimmlichen Vollbremsung in „Eli, Eli“. Das harmonische und wohltemperierte Ineinander von Gesang und Rezitativ wurde besonders deutlich hörbar in den Kompositionen „Ein neues Gebot gebe ich euch“ von Karl Norbert Schmid (1926–1995) und in der Motette „Ubi caritas et amor“ des französischen Komponisten Maurice Duruflé aus dem Jahr 1960. Bei Orlando di Lassos (1532–1594) „In monte Oliveti’“ brachte der Gesang der jugendlichen Stimmen den ganzen Kirchenraum fast zum Schwingen – so beschwingt und leicht kann geistliche Musik erklingen. Vielleicht auch dadurch ermöglicht, dass Domkapellmeister Roland Büchner die Jugendlichen mit sichtbarer Freude und Empathie durch das Konzert führte.

Im zweiten Teil erfreuten sich die Zuhörer dann an kirchenmusikalischen „Schmankerln“ des 19. und 20. Jahrhunderts: Aus dem Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy folgten die Sätze „Wirf dein Anliegen auf den Herrn“, und das innig und zugleich tröstlich vorgetragene „Denn er hat seinen Engeln befohlen“. Anton Bruckner war mit „Locus iste“ und seinem „Ave Maria“ vertreten, der Münchner Komponist und Dirigent Fritz Schieri (1922–2009) gleich mit drei Werken. Glockenhell die Sopransoli in der Motette „Lasst uns singen“ und „Horche auf, o Himmel“. Mit „Dextera Domini“, einer der „Fünf Hymnen“ von Josef Gabriel Rheinberger, endete das Programm. Die vielen Zuhörer dankten mit lang anhaltendem Beifall. Sie applaudierten stehend, was die Domspatzen mit einer Zugabe erwiderten.

Als besonders gelungen erwies sich dabei die Idee, die 56 Sänger rund um das Kirchenschiff zu verteilen, sodass die Besucher vom Gesang eingehüllt waren. Mit einem berührenden „Guten Abend, gut’ Nacht“ beschlossen die Domspatzen das mitreißende und zugleich bewegende Konzert. (Anton Löffelmeier)

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20057.tif
Aktion

Der fahrbare Untersatz steht im Blickpunkt

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden