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Gottesdienstbesuch ist mehr als ein Grundrecht

Kommentar Von Thomas Hilgendorf
07.05.2020

Auch in Zeiten einer Pandemie muss die freie Religionsausübung gewährleistet sein.

Es ist mehr als „nur“ ein Grundrecht, das nun am Sonntag endlich wieder wahrgenommen werden kann. Zumindest für gläubige Christen ist es weitaus mehr – es ist ein Grundbedürfnis, Gott zu loben, gemeinsam zu beten. Und gerade in Krisenzeiten sollte das möglich sein. Zu leise wurden die rigiden Gottesdienstverbote jüngst hingenommen. Nicht einmal in Pestzeiten, so wird berichtet, seien Gottesdienste ausgesetzt worden. Natürlich, auch der Infektionsschutz muss gegeben sein. Dennoch hätte man – und das ist wichtig für die Zukunft – das Grundrecht der freien Religionsausübung und den Gesundheitsschutz unter einen Hut bringen müssen. Das Bundesverfassungsgericht hat das erst unlängst angemahnt. Der Staat muss sich glaubhaft für Eingriffe in die Grundrechte rechtfertigen – und nicht die Kirchen dafür, dass sie ihr Recht wahrnehmen wollen.

Es kann deshalb auch nicht sein, dass die Kirchen nun mit dem Gefühl leben müssen, wie in einem Obrigkeitsstaat misstrauisch beäugt zu werden, ob sie denn ja alles richtig machen – mit der ständigen Drohung im Nacken, die Gottesdienste im Falle des Falles erneut absagen zu müssen.

In den Gotteshäusern geht es um das, was wirklich zählt

Gottesdienste sind auch verfassungsrechtlich von höchstem Rang, und der Staat beziehungsweise seine Organe darf darüber bei uns (Gott sei Dank) nicht nach Gutsherrenart entscheiden. Hygiene und Schutz: ja – die Drohung des erneuten völligen Zurückfahrens: nein. Bislang wurde staatlicherseits leider die Priorität der Gottesdienste hinter jener der Baumarktöffnungen angestellt. Das bleibt, bei allem notwendigen Verständnis für so manche einschränkende Maßnahme bei einer Pandemie, zunächst bei einigen Gläubigen ungut in Erinnerung. Die Kirchen wurden zumindest anfangs leider nicht als das gesehen, was sie wirklich sind: systemrelevant.

In den Gotteshäusern geht es um exakt das, was die Menschen bei Krisen beschäftigt, nämlich um die ersten und die letzten Dinge, um das notwendige und grundlegende Gottvertrauen, um das, was wirklich zählt. Und es zählt eben nicht nur das Vergänglich-Physische, sondern vielmehr auch das Seelische, das Geistige. Und genau deshalb müssen die Einschränkungen gerade im kirchlichen Bereich künftig auch unter den Vorzeichen von Pandemien so gering wie nur irgend möglich gehalten sein. Angesichts von ansteckenden Krankheiten ist Vorsicht zwar enorm wichtig – aber etwas Grundlegendes generell mit einem Federstrich per se zu verbieten, nein, so weit sollte es nicht wieder kommen. Auch das müsste eine Lehre aus der Krise für die Politik sein. Zur Klarstellung: Es geht nicht darum, dass im Angesicht eines offensichtlich hoch ansteckenden Virus keine oder laxe Schutzmaßnahmen ergriffen werden, im Gegenteil. Es geht aber darum, Grundrechte nicht gänzlich auszusetzen.

Lesen Sie hierzu: Gottesdienste im neuen Gewand

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