Newsticker
Heiko Maas bringt Regel-Lockerungen für Geimpfte ins Spiel
  1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Gottesdienste im neuen Gewand

Landkreis Donau-Ries

07.05.2020

Gottesdienste im neuen Gewand

Mit Markierungsbändern weist Mesner Jürgen Tochtermann im Donauwörther Liebfrauenmünster den Gläubigen den Weg.
Bild: Thomas Hilgendorf

Plus In den hiesigen Gotteshäusern dürfen sich die Gläubigen nun wieder zum Gottesdienst versammeln. Die Gemeinden handhaben dies aber teils unterschiedlich in Zeiten von Corona.

Es wird sozusagen ein „Test-Sonntag“ – für alle Pfarrer in der Region und für sämtliche Kirchgänger. Nach Wochen der Schließung der Kirchen werden am kommenden Wochenende wieder Gottesdienste und Messen gefeiert. Doch im Zeichen des nach wie vor spürbaren Ausnahmezustandes finden diese in einer bislang nie da gewesenen Art und Weise statt – mit Mundschutz und weithin still.

Auf gemeindlichen Gesang soll weitgehend verzichtet werden

Für Pfarrer Horst Kohler ist der Titel des kommenden Sonntags heuer nicht ganz ohne Humor zu nehmen: Das lateinische „Cantate Domino canticum novum“, das für den 10. Mai ausgegeben ist, bedeutet: „Singt dem Herrn ein neues Lied.“ Im Schatten von Corona erscheint eben genau das nicht ganz unproblematisch – denn auf gemeindlichen Gesang soll weitgehend verzichtet werden in den Gotteshäusern. „Ich allerdings werde singen, auch ohne Mundschutz, denn ich stehe in sechs Metern Entfernung vor der Gemeinde“, sagt Wemdings evangelischer Pfarrer.

Unter den Bedingungen der Pandemie dürfen aufgrund der Abstandsregeln (zwei Meter Distanz zwischen den Gläubigen, sofern sie nicht zu einem Familienverband gehören) nur zwischen 25 und 30 Personen in die kleine Kirche. Voranmeldungen wird es aber in Wemdings evangelischem Gotteshaus nicht geben – in der benachbarten Kirche der katholischen Geschwister allerdings schon.

Ordner weisen die Plätze in Wemding an

Michael Dinkelmeier ist Vorsitzender des Wemdinger Pfarrgemeinderats von St. Emmeram. Hier nimmt das Pfarramt seit gestern Reservierungen entgegen. 115 Personen dürfen gemäß den neuen Regeln in die Stadtpfarrkirche, fünf Ordner weisen die Plätze an. Es werden im Vorfeld Platzkarten ausgegeben, erklärt Dinkelmeier. Dort sollen die Gläubigen Namen und Adresse notieren und die Karten vor Gottesdienstbeginn abgeben – damit, im Falle des Auftretens eines Corona-Falls, Kontaktpersonen leichter ermittelt werden können. Nach 14 Tagen würden die Karten vernichtet.

Die Ausgabe der Kommunion ist in Wemding angedacht. Wemding gehört zum katholischen Bistum Eichstätt – in den Pfarreien des Bistums Augsburg wird hingegen vorerst auf die Ausgabe der Kommunion verzichtet. Der Pfarrer werde in Wemding, so Dinkelmeier, von Platz zu Platz gehen, um die Kommunion auszuteilen. Falls trotz der Reservierungen noch Plätze frei sein sollten, dürften diese auch an Gläubige ohne Voranmeldung freilich noch vergeben werden. Auch in der katholischen Pfarrei St. Walburga in Monheim und in St. Johannes der Täufer in Rain gilt die Voranmeldung im Pfarrheim.

Pfarreien handhaben Reservierungen unterschiedlich

Mit Reservierung oder ohne – die Pfarreien handhaben dies ein wenig unterschiedlich. In Donauwörth gibt es sowohl evangelischer- als auch katholischerseits zunächst keine Voranmeldungen. Auch in Bäumenheim und Oberndorf verzichten die Katholiken darauf. „Es ist ein Test, nach diesem Sonntag werden wir klüger sein – wir müssen Flexibilität zeigen“, sagt Bäumenheims Pfarrer Ivan Novosel.

Donauwörths katholischer Dekan Robert Neuner erklärt, die Situation sei für alle neu. Im Falle eines zu großen Andrangs müsse man leider Leute zurückweisen. Er hoffe jedoch, dass es nicht dazu kommen werde. Vorerst kann in Donauwörth nur in den zwei größten Kirchen der katholischen Pfarreiengemeinschaft die sonntägliche Eucharistie gefeiert werden: im Münster Zu Unserer Lieben Frau am Samstag um 18 Uhr, am Sonntag um 10.30 Uhr und 18.30 Uhr. In Christi Himmelfahrt in der Parkstadt beginnen die Messfeiern am Samstag um 18 Uhr und am Sonntag um 10 Uhr. Weil geforderte Mindestabstände genau einzuhalten sind, können sich im Liebfrauenmünster maximal 80, in Christi Himmelfahrt maximal 60 Personen zur Gottesdienstfeier versammeln. Die Mitfeiernden werden am Eingang begrüßt und einzeln zu ihrem Platz und im Anschluss an die Messfeier auch wieder zum Ausgang begleitet.

Ordner und Platzmarkierungen in den Kirchen der Region

In sämtlichen Kirchen wird es Ordner und Platzmarkierungen geben. Die Gottesdienste sind zeitlich auf 60 Minuten beschränkt – der Gesang ist ebenfalls nur in begrenztem Umfang erwünscht. Mit am wichtigsten sei das Abstandhalten, erläutert Donauwörths evangelischer Dekan Johannes Heidecker. Es gelte, die Regeln einzuhalten, da ansonsten wieder Schließungen drohten. Menschen, die sich krank fühlten, sollten bitte zu Hause bleiben. In der evangelischen Christuskirche in der Donauwörther Pflegstraße werden beim Gottesdienst am Sonntag um 9.30 Uhr 50 Personen erlaubt sein. Um 10.45 Uhr findet dann der evangelische Gottesdienst auch in Bäumenheim statt.

Lesen Sie hierzu den Kommentar: Gottesdienstbesuch ist mehr als ein Grundrecht

In den Gottesdiensten sind die Gläubigen gehalten, den Mund-Nasen-Schutz zu tragen, auch wenn dies ungewohnt ist. Wer ohne einen solchen Schutz kommt, kann auch nicht an der gemeinsamen Gottesdienstfeier teilnehmen. Eindringlich weist auch Dekan Neuner darauf hin, dass es weder vor noch nach dem Gottesdienst vor dem Kirchenportal zu Ansammlungen von Menschen kommen darf. Die derzeit auch sonst geltenden Abstandsregeln seien unbedingt einzuhalten.

Zur Sicherheit beim Pfarramt nachfragen

Im Zweifel ist es aufgrund der in den Pfarreien teils etwas unterschiedlichen Handhabungen zur Sicherheit (Voranmeldung oder nicht) ratsam, im jeweiligen Pfarramt nachzufragen oder auf die Aushänge an den Kirchen zu achten – denn eines wäre für Gläubige sonntags wenig erbaulich: an einer Kirche abgewiesen zu werden. Und dennoch möchte kein gläubiger Mensch nochmals einen rigiden Shutdown hinsichtlich der Gottesdienste erleben müssen.

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren