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Großsorheim

05.10.2020

Großsorheim: Bande knackte im dichten Nebel Geldautomaten

Fünf Jahre ist es her, dass eine Bande den Geldautomaten der Raiffeisen-Volksbank-Filiale in Großsorheim geknackt hat. Damals spielten sich filmreife Szenen ab. Noch immer ist der Fall nicht abgeschlossen.

Plus Vor fünf Jahren stellt die Polizei eine Bande, die Geldautomaten knackt. Es fallen Schüsse, ein Auto erfasst einen Beamten. Fall beschäftigt weiter die Kripo.

Es ist eine ungemütliche, neblige Nacht vor genau fünf Jahren, als gegen 4 Uhr morgens im Harburger Stadtteil Großsorheim ein Anwohner dumpfe Schläge hört. In der SB-Servicestelle der Raiffeisen-Volksbank schräg gegenüber macht sich eine dreiköpfige Bande am Geldautomaten zu schaffen – und zwar mit technischem Gerät und mit roher Gewalt.

Der aufmerksame Bürger setzt sofort einen Notruf ab. Was in den folgenden Minuten passiert, gilt als einer der spektakulärsten und gefährlichsten Polizeieinsätze der jüngeren Vergangenheit im Donau-Ries-Kreis. Es fallen Schüsse, ein Mann wird durch ungeklärte Umstände schwer verletzt und ein Beamter hat großes Glück, dass er mit nur leichten Blessuren davonkommt. Das alles geschah am 5. Oktober 2015. Der Haupttäter, der wegen versuchten Mordes gesucht wird, ist noch immer auf der Flucht.

Fünf Jahre ist es her, dass eine Bande den Geldautomaten der Raiffeisen-Volksbank-Filiale in Großsorheim geknackt hat. Damals spielten sich filmreife Szenen ab. Noch immer ist der Fall nicht abgeschlossen.

Die Tat in Großsorheim ist in jenen Wochen kein Einzelfall. Eine serbische Bande hat sich darauf spezialisiert, reihenweise Geldautomaten in Bankfilialen in Bayern zu knacken. Dies passiert beispielsweise in Ingolstadt-Irgertsheim, in Ehekirchen (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen) und in Unterbruck (Kreis Freising). Die Beute ist bemerkenswert: Den Verbrechern fallen jedes Mal einige zehntausend Euro in die Hände.

Die Bandenmitglieder kommen von weit her nach Harburg

In Holzheim im südlichen Landkreis Donau-Ries schlägt in der Raiffeisenbank am 4. Oktober 2015 die Alarmanlage an. Die Einbrecher flüchten. Später findet die Kripo heraus: Die Mitglieder der Bande kommen von weit her, haben sich vorübergehend bei offenbar ahnungslosen Angehörigen eines Beteiligten in Ingolstadt einquartiert und starten von dort aus zu ihren Raubzügen oder – jeweils davor – zu Touren, bei denen sie in einem Ort nach dem anderen Ausschau nach geeigneten Bankfilialen halten. Die Polizei kann dies genau rekonstruieren, denn die Täter benutzen einen Mietwagen. Der ist mit einem GPS-Sender ausgestattet, dessen Daten gespeichert werden.

Das Ziel in der Nacht auf den 5.Oktober ist Großsorheim. Nachdem die Männer die Geldkassetten aus dem Automaten geholt haben, fahren sie – nicht wissend, dass die Polizei im Anmarsch ist – auf der Dorfstraße in Richtung Mauren, halten direkt am Großsorheimer Ortsrand auf einem Feldweg kurz an, um die Behälter zu entleeren. Weiter geht es auf der Kreisstraße hinauf in Richtung Bockberg. In der scharfen Kurve auf halber Höhe kommt den Einbrechern eine Polizeistreife entgegen und zwingt sie zum Anhalten. Die Autos stehen sich auf der Fahrbahn gegenüber, ein weiterer Streifenwagen hält hinter dem Pkw.

Ein Polizist wird auf die Motorhaube geschleudert

Die Situation ist angespannt und mutet wie eine Szene aus einem Krimi an. Die Beamten kontrollieren die Insassen, ein Polizist steht vor dem Pkw. Plötzlich gibt der Fahrer des VW Golf – es ist der damals 37-Jahre alte Zeljko Andjelic – Gas. Der Wagen erfasst den Beamten. Dieser wird auf die Motorhaube geschleudert. Dem Hauptkommissar gelingt es, mit seiner Taschenlampe die Windschutzscheibe einzuschlagen, bevor er seitlich „abgeworfen“ wird. Er zieht sich lediglich Prellungen zu. Ein Kollege schießt zweimal auf das flüchtende Fahrzeug, trifft aber offenbar nicht.

Ein paar hundert Meter weiter stoppt Andjelic kurz. Bei dieser Gelegenheit stürzt ein Komplize offenbar aus dem Auto. Der 44-Jährige bleibt schwer verletzt auf dem Boden liegen. Er erleidet einen Schädelbruch und andere Verletzungen. Der VW Golf braust über die nahe Kreuzung im Wald geradeaus auf der Ortsverbindungsstraße in Richtung Mauren und rauscht auf Höhe des Waldwegs, der zum Eisbrunn führt, in den Wald. An dem Auto entsteht Totalschaden.

Männer waren auch für Einbrüche in Holzheim verantwortlich

Ein Beamter gibt einen Warnschuss ab. Die beiden Insassen verschwinden trotzdem im dichten Nebel zwischen den Bäumen. Es läuft eine große Fahndung an. Kräfte bis aus Augsburg und dem angrenzenden Württemberg sind im Einsatz. Ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera könnte wertvolle Dienste leisten, die Flüchtenden in dem großen Waldgebiet aufzustöbern, doch das Wetter lässt einen Flug in dieser Gegend nicht zu. Als es hell ist, sehen Anwohner in Mönchsdeggingen einen der Männer. Doch er und sein Komplize entkommen.

Nach den dramatischen Ereignissen in und um Großsorheim am 5. Oktober 2015 suchte die Polizei auch mit Metalldetektoren die Umgebung ab. 
Bild: Wolfgang Widemann

Die Fahnder können die beiden Gesuchten identifizieren – durch akribische Arbeit, bei der zahlreiche DNA-Spuren gesichert und ausgewertet werden. Einige Wochen später klicken bei einem 36-Jährigen, der in Bielefeld eine Werkstatt betreibt, die Handschellen. Er muss sich im September 2016 zusammen mit dem 44-Jährigen, der schwer verletzt wurde, vor dem Landgericht in Augsburg verantworten. Beide Männer erhalten für die Einbrüche in Unterbruck, Holzheim und Großsorheim – nur diese lassen sich in der Verhandlung sicher nachweisen – Haftstrafen von vier Jahren. Diese dürften die Verurteilten mittlerweile verbüßt haben.

Der Haupttäter ist weiter auf freiem Fuß

Weiter auf freiem Fuß ist Zeljko Andjelic. Er hinterließ in jener Nacht nicht nur genetische Spuren, sondern auch seinen Führerschein am Tatort. Der mittlerweile 42-Jährige wird mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Der Serbe ist kräftig, 1,85 Meter groß und hat einen stark tätowierten Unterarm, so der Stand im Jahr 2015.

Zeljko Andjelic

Der Vorwurf gegen Andjelic lautet: versuchter Mord. „Wir sind nach wie vor an dem Fall dran“, erklärt Michael Lechner, Leiter der Kripo Dillingen. Man habe ein „großes Interesse“, den Täter zu fassen. Weitere Informationen seien aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit nicht möglich. Klar ist aber: Nach deutschem Recht verjährt versuchter Mord nicht. Soll heißen: Egal, wann der Gesuchte in der Bundesrepublik verhaftet oder an diese ausgeliefert werden sollte, würde ihm der Prozess gemacht.

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