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Monheim

04.10.2019

Hätten Behörden den blutigen Macheten-Angriff verhindern können?

In einem ruhigen Monheimer Wohnviertel versuchte im Januar ein 39-Jähriger, seine Eltern umzubringen. Davon geht die Staatsanwaltschaft aus.
Bild: Barbara Würmseher (Archiv)

Plus Der Mann, der nach dem Macheten-Angriff in Monheim vor Gericht steht, hätte eigentlich in die Psychiatrie eingewiesen werden sollen. Warum das nicht passierte.

Es ist der 9. Januar. Wie ein Lauffeuer hat sich an dem Nachmittag in Monheim verbreitet, dass ein Mann versucht haben soll seine Eltern zu ermorden. Der Täter, der bewaffnet sei, laufe noch frei herum. Auffallend viel Polizei ist in der Stadt. Die Einsatzzentrale in Augsburg hat viele Polizisten nach Monheim beordert, die in Streifenwagen die Gegend nach dem Tatverdächtigen absuchen. Auch ein Polizeihubschrauber kreist über der Kleinstadt. Gegen 18 Uhr führt der Hinweis einer Bewohnerin zur Festnahme des Mannes.

Der 39-Jährige steht seit dieser Woche in Augsburg vor Gericht. Er ist geständig. In Aussagen vieler Zeugen, die am Donnerstag, dem zweiten Verhandlungstag, gehört wurden, ist zu spüren, wie beklemmend die Situation für manche der Bewohner gewesen sein muss. Er habe einer Mutter geraten, ihre im Schnee spielenden Kinder lieber ins Haus zu holen, berichtete als Zeuge ein Polizist. Und der in Monheim wohnende Leiter einer Behindertenwerkstatt hat allen Grund sich zu ängstigen. Schließlich könnte sich der Gesuchte an ihm rächen wollen. Er hat den Mann aus der Einrichtung rausgeworfen.

Als die Polizei ihn schnappt, sagt er: "Ja, ich bin's"

Drei Stunden später kommt die erlösende Nachricht von der Festnahme des Täters. Von ihrem Fenster aus hat eine Frau den Mann vorbeigehen sehen. Er kommt ihr verdächtig vor, sie weiß bereits vom Messerangriff. „Ich kann nicht viel sagen, warum“, begann die Zeugin vor Gericht ihre Aussage. Es sei wohl mehr „Bauchgefühl“ gewesen, vermutet die 45-Jährige auf Nachfrage. Jedenfalls gibt sie der Polizei den entscheidenden Tipp. Ihre Personenbeschreibung passt auf jenen Mann, der sich vor einer Funkstreife zu verstecken scheint. Als beide Polizisten mit angelegter Maschinenpistole auf ihn zugehen, kommt der 39-Jährige mit erhobenen Händen aus einer Hofeinfahrt. „Ja, ich bin´s“, begrüßt er sie.

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Der Mann lässt sich widerstandslos festnehmen. Was auffällt, er scheint in gelöster Stimmung zu sein. Er habe pausenlos geredet, berichteten Zeugen im Prozess. Im Stakkato habe er ihnen von seinem Teneriffa-Urlaub, der offenbar chaotisch verlief, erzählt. Ihm sei Geld gestohlen worden. Mittelos habe er in Parks und am Strand schlafen müssen. Seinen Eltern warf er vor, ihm nicht geholfen zu haben. Tatsächlich hat der 39-Jährige eine Odyssee hinter sich, bis er nach Deutschland zurückkehren kann.

Macheten-Angriff in Monheim: Verhältnis zu den Eltern schon lange schwer belastet

Das Verhältnis zu seinen Eltern muss schon länger schwer belastet gewesen sein. Das verraten auf Mobiltelefonen gespeicherte Nachrichten. Vor der Tat schreibt er seiner Mutter: „Ich komme nicht mehr nach Hause.“ Er bittet sie seinem Vater, den er wiederholt als „Arschloch“ bezeichnet, auszurichten, „dass ich mit ihm fertig bin“. Der Sohn beklagt, dass der 69-Jährige ihm ständig Vorwürfe mache, dass er ihn, „wie einen Vollidioten behandle“. Und in Anspielung auf ein Schreiben des Nördlinger Amtsgerichts: „Wegen Euch stehe ich kurz davor wieder in die Psychiatrie zu müssen.“

Der Prozessauftakt zeigt einmal mehr wie schwerfällig Bürokratie reagiert, wenn schnelles Handeln gefragt ist. Der Beschuldigte leidet schon seit Jahren unter einer Psychose, die er aber dank der Einnahme von Psychopharmaka gut im Griff hat. Er kommt im Alltag zurecht, hat eine feste Freundin. Dem Monheimer, der in einer Werkstatt für Behinderte arbeitet, werden sogar Chancen eingeräumt im ersten Arbeitsmarkt einen Job zu finden. Doch dann ändert sich allmählich sein Verhalten. Der 39-Jährige ist zunehmend aggressiv. Er nimmt augenscheinlich seine Medikamente nur noch unregelmäßig ein, zuletzt wohl überhaupt nicht mehr. Seine Einzimmerwohnung wirkt verwahrlost, als sie von der Polizei durchsucht wird.

Amtliche Betreuerin forderte Einweisung in Psychiatrie

Die amtliche Betreuerin der Mannes ist alarmiert, sieht,dass dieser allmählich die Kontrolle über sich verliert. Sie wendet sich ans Betreuungsgericht in Nördlingen, dringt darauf, dass ihr Schützling in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen wird. Wegen, wie es in ihrem Antrag heißt, Fremd- und Eigengefährdung.

Doch Bayern hat Konsequenzen aus Fehlern im Fall Gustl Mollath gezogen. Es muss heute gründlicher geprüft werden, bevor jemand in der Psychiatrische landet. Und so entscheidet sich das Betreuungsgericht einen Gutachter einzuschalten – was schnelles Handeln ausschließt. Wenige Tage vor dem beinah tödlichen verlaufenden Streit mit den Eltern bekommt der 39-Jährigen Post vom Gericht. Ihm wird der Termin für eine Untersuchung beim Gutachter genannt.

Am 9. Oktober wird der Prozess vor der achten Strafkammer am Landgericht fortgesetzt.

Lesen Sie dazu auch den Bericht vom ersten Prozesstag:

Eltern mit Machete attackiert: Monheimer steht vor Gericht

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