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Burg Harburg

11.08.2016

Hagel und Gerüttel setzen alter Festung zu

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Der Fürstenbau der Harburg: Auch an diesem Komplex gingen durch den Hagel im vorigen Jahr viele Fensterscheiben zu Bruch.

Zwei Ereignisse im vorigen Jahr hinterlassen an dem historischen Komplex ihre Spuren. Was ein Unwetter und die Tunnelbaustelle angerichtet haben.

Über Jahrhunderte waren für die mächtige Harburg feindliche Kanonen und plündernde Armeen die größte Gefahr. 2015 setzten zwei ungewöhnliche „Angriffe“ der historischen Festung zu. Einer kam von oben, der andere von unten: Zum einen zerstörte ein Hagelsturm zahlreiche Fensterscheiben an der Nordwestseite der exponiert liegenden Burg, zum anderen sorgten die Bauarbeiten am und im B-25-Tunnel für Erschütterungen. Die Folgen beider Ereignisse beschäftigen die Verantwortlichen der Stiftung, welcher die Harburg gehört, noch immer.

Daniel Schaette ist seit November 2015 so etwas wie ein Stammgast in der Touristenattraktion. Der Glaser aus Günzburg kennt mittlerweile auch viele Winkel in den Gebäuden. Nach und nach baute Schaette die vom Hagel beschädigten Bleiglas-Fenster aus, um sie zu reparieren. In Bayern gebe es nur noch ganz wenige Betriebe, die diese Arbeiten ausführen könnten, weiß Friedrich Hertle, Mitglied im Stiftungsvorstand. Der Schaden summiere sich auf 60000 bis 80000 Euro, sei aber glücklicherweise durch eine Versicherung gedeckt.

Hagelkörner so groß wie Tischtennisbälle

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Die Hagelkörner, die zum Teil so groß wie Tischtennisbälle waren, zertrümmerten Dutzende von Glasscheiben in der Burg. Das Problem: Die meisten der betroffenen Fenster sind alt und bleiverglast. An einem 120 mal 58 Zentimeter großen Fensterflügel aus der Burgkirche, den Schaette gerade bearbeitet, wird deutlich, wie groß der Aufwand ist: Es handelt sich um über 80 einzelne Glasscheiben. Die einen sind rund und haben einen Durchmesser von jeweils 14 Zentimetern. Die anderen füllen die Zwischenräume aus und werden Spickel genannt. Jedes einzelne Glasstück ist in ein Bleiprofil eingefasst und wird dadurch auch mit den anderen Teilen zusammengehalten.

„Wir ziehen unser Blei selber“, berichtet der 32-Jährige. Dieses Material sei viel weicher als Industrieware und lasse sich besser verarbeiten. Zum Abdichten verwendet Schaette klassischen Fensterkitt, denn: „Silikon und Blei vertragen sich nicht. Da löst sich das Blei auf.“ Manche Hagelkörner hätten nicht nur das Glas, sondern auch die Einfassung regelrecht durchschossen.

Das Alter der Scheiben lasse sich nur schwer schätzen, so der Glaser. Manche seien wohl mehrere hundert Jahre alt. Daniel Schaette schätzt, dass er und seine Kollegen der Firma Brenner mittlerweile rund 1000 Glasstücke an den Fenstern der Harburg ersetzt haben: „Das ist bisher unser größter Auftrag.“ Der neige sich dem Ende zu. An der Kirche müssten noch einige schadhafte Stellen repariert werden.

Verhandlung über Baustellen-Schäden

An der zweiten ungewöhnlichen „Baustelle“ der Burg laufen noch die Verhandlungen. Im vorigen Jahr – während der monatelangen Arbeiten an der B25, die in einem Tunnel etwa 30 Meter unter der Burg hindurch führt – fielen bis zu faustgroße Brocken von der Stuckdecke der Kirche. Zudem bildeten sich Hertle zufolge Risse. Mittlerweile steht fest: Die Schäden rühren von der Tunnelbaustelle her. „Der Bund haftet dafür“, erklärt Uwe Fritsch, Bereichsleiter Straßenbau des Staatlichen Bauamts Augsburg. Die Schäden könnten durch eine große Rüttelwalze oder durch das Bohren von Löchern für die Fundamente der Lärmschutzwände entstanden sein. Der Fels, auf dem die Burg stehe, übertrage die Erschütterungen auf die Gebäude. Die Behörde suche mit der Stiftung momentan nach einer Lösung. Soll heißen: Es wird mithilfe eines Sachverständigen über die Höhe der Entschädigung verhandelt.

Die Gottesdienste der evangelischen Gemeinde seien nicht beeinträchtigt, berichtet Hertle. Die Stiftung will die Kirche in naher Zukunft grundlegend sanieren.

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