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Niederschönenfeld

29.09.2018

Handys fliegen über die Mauer der JVA

Die alte Gefängnismauer in Niederschönenfeld ist zwar mehrfach abgesichert, dennoch haben Unbekannte in einer ganzen Reihe von Fällen Mobiltelefone in die JVA geworfen.
Bild: Wolfgang Widemann

Vorfälle am Gefängnis in Niederschönenfeld machen offensichtlich, wie begehrt Mobiltelefone bei Häftlingen sind. Doch die Bediensteten sind wachsam.

Ein Gefängnis ist in aller Regel von einer hohen Mauer umgeben. Die ist auch noch mit Sicherheitsdraht und Sensoren bestückt, damit niemand darüber klettern kann. Ein solche Mauer ist aber nicht völlig unüberwindbar. Das zeigte sich in den vergangenen Wochen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Niederschönenfeld.

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Dort sind – wie berichtet – die (Vor-)Arbeiten für große Baumaßnahmen angelaufen. Um die Anstalt, die nach Osten hin erheblich erweitert wird, soll auch eine neue Mauer gezogen werden. Die bisherige stammt teilweise aus dem Jahr 1899 und hat schon Risse. Zudem fehlt ein heutzutage üblicher Sicherheitszaun, der parallel zur Mauer auf der Innenseite verläuft.

Bislang bildeten in der JVA Niederschönenfeld nach Osten, also zur Staatsstraße hin, ein vorgelagerter Maschendrahtzaun und eine Hecke eine gewisse Barriere. Wegen der anstehenden Baumaßnahmen musste diese aber weichen. Für einige Monate war somit von der Straße bis zur Gefängnismauer freier Zugang. Dies war ein Umstand, den die Häftlinge und ihnen bekannte Personen außerhalb der Anstalt sehr wohl registrierten – und auf eine Idee brachten: Über die alte Mauer könnten gewisse Dinge mit einem Wurf leicht in die JVA geschmuggelt werden, speziell Handys.

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Die seien in der Anstalt in Niederschönenfeld absolut begehrt, erklärt Direktorin Mariona Hauck. Schließlich handle es sich bei den 260 Häftlingen ausschließlich um junge Männer. Beim Zugang sind diese höchsten 26 Jahre alt. In dieser Generation sei ein Mobiltelefon viel mehr als nur ein Mittel zum Zweck: „Ein Handy wollen alle.“ Aus verständlichen Gründen sind solche Geräte im Knast streng verboten.

Mancher Gefangene sah freilich die Chance gekommen, an ein Handy zu gelangen. Immer wieder schlichen sich meist im Schutz der Dunkelheit Personen von außen an die Anstalt heran und warfen Pakete über die Mauer. Der Inhalt: ein Mobiltelefon. Das Personal registrierte in dieser Zeit insgesamt 17 „Überwürfe“, wie Mariona Hauck die Aktionen bezeichnet. Die Bediensteten entdeckten dann die Schmuggelware – und staunten nicht schlecht, mit welch großem Einfallsreichtum diese „getarnt“ war. „Einige der Handys waren in Grasbüschel eingewickelt“, schildert die Direktorin. Auf diese Weise sollten sie nicht auffallen. Manches Gerät sei sogar in Beton eingegossen gewesen. Doch die Aufseher identifizierten mit geschultem Auge auch diese Brocken und stellten sie sicher.

In einzelnen Fällen sorgten aufmerksame Nachbarn dafür, dass die Schmuggelversuche aufflogen. Niederschönenfelder beobachteten Personen, die sich verdächtig nahe an dem Gefängnis aufhielten – und verständigten das Personal. Das fand dann jeweils ein Handy-Paket. Die Lieferanten blieben Mariona Hauck zufolge stets unerkannt. Die Direktorin geht davon aus, dass alle Geräte auf diesem Abschnitt abgefangen werden konnten: „Wir wussten, dass die Gefahr besteht und sind in dem Bereich intensiv Streife gelaufen.“

Inzwischen grenzt ein mit Sicherheitsdraht bewehrter Bauzaun an der JVA die Fläche weiträumig ab, auf der bald gebaut werden soll. Damit sieht Hauck das Problem mit den „Überwürfen“ gebannt. Das Thema Handy in der JVA sei damit noch lange nicht erledigt. Geräte fänden auf allen möglichen Wegen in das Gefängnis. Regelmäßig versuche man, die Mobiltelefone zu orten oder direkt zu finden. Dies werde immer schwieriger, gebe es mittlerweile doch auch äußerst kleine Geräte. Die seien kaum größer als ein USB-Stick.

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