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Mertingen-Heißesheim

17.01.2019

Heißesheim: Leben im Überschwemmungsgebiet

Bild: Helmut  Bissinger

Der Mertinger Ortsteil Heißesheim soll bis 2021 nicht mehr von einem hundertjährlichen Hochwasser bedroht sein. Woran es noch hakt.

Kommt es zu einem Jahrhunderthochwasser, dann drohen weite Teile des Mertinger Ortsteils Heißesheim überflutet zu werden. Schon 2021 könnte diese Gefahr aber gebannt sein, „wenn alles nach Plan läuft“, erklärte Bernhard von Roda bei einer Sitzung des Mertinger Gemeinderats im Gemeinschaftshaus in Heißesheim.

Die Einschränkungen im Überschwemmungsgebiet könnten fallen

Dann könnten, wie der stellvertretende Leiter des Wasserwirtschaftsamtes (WWA) ausführte, „auch die Einschränkungen im möglichen Überschwemmungsgebiet aufgehoben werden“.

Seit 2011 gibt es für das seinerzeit vom Landratsamt Donau-Ries „gesicherte“ Gebiet Verbote, wie von Roda klarlegte. So dürften dort keine Baugebiete entstehen, die Grundstücksbesitzer außerdem keine baulichen Anlagen errichten. Ende September vergangenen Jahres sei nun aber die vorläufige Festsetzung abgelaufen. „Nun besteht die Gesetzespflicht, das Gewässer mit Schadenspotenzial durch eine Rechtsverordnung auszuweisen.“

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Bauherr ist das Wasserwirtschaftsamt

„Diese Festsetzung bringt für die Heißesheimer weitere erhebliche und nicht zumutbare bau- und versicherungsrechtliche Nachteile“, erklärte Ortsbeauftragter Wolfgang Kurka.

Auch die Bonität der betroffenen Grundstücke und Gebäude würde sich verschlechtern. Kurka forderte den Mertinger Gemeinderat dazu auf, „Einwendungen vonseiten der Gemeinde gegen die Festsetzungen“ zu erheben.

Hätte man den längst fälligen Hochwasserschutz am Heißesheimer Bolzplatz verwirklicht, bestünde die aktuelle Problematik nicht, fasste Kurka zusammen. Durch Einwendungen könnte zumindest eine zeitliche Verzögerung erreicht werden.

In dieser Zeit könnten die Baumaßnahmen am Bolzplatz wie die Erhöhung eines Weges, eine mechanische Moosgrabenabsperrung sowie eine Ausweitung des Moosgrabens verwirklicht werden.

Ortssprecher Kurka: Festsetzung bringt Nachteile

Die Festsetzung eines Überschwemmungsgebiets, so der Ortsbeauftragte, würde sich dann erübrigen. Bernhard von Rado bestätigte, dass die Planungen weit vorangeschritten seien. Das gelte auch für den Deich, der Heißesheim endgültig von einem hundertjährlichen Hochwasser abschotten soll. Die Kosten hierfür wollen sich das Wasserwirtschaftsamt und die Gemeinde teilen. Kurka kritisierte, dass man wertvolle Zeit verstreichen habe lassen.

Mertingens Bürgermeister Albert Lohner betonte, dass die Gemeinde lediglich unterstützend bei den Grundstücksverhandlungen tätig sei, Bauherr aber das Wasserwirtschaftsamt ist.

Lohner nannte als Grund für die Verzögerungen die Weigerung von Grundstückseigentümern, benötigte Flächen zu verkaufen oder überhaupt auf deren Grund notwendige Bodenbohrungen durchzuführen. Es mache keinen Sinn, so Wolfgang Kurka, jetzt ein erweitertes Überschwemmungsgebiet auszuweisen „und dann möglicherweise in einem komplizierten und langwierigen Verfahren wieder rückgängig zu machen“.

Eine sofortige Umsetzung der Pläne, wie von Kurka gefordert, sei nicht möglich, weil nicht alle benötigten Grundstücke im Besitz des Wasserwirtschaftsamtes seien, aber auch noch verfahrensrechtliche Schritte notwendig seien, sagte der Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes. „Der Hemmschuh ist die Gemeinde“, meinte Wolfgang Kurka. Er könne diese Einschätzung, so der stellvertretende WWA-Chef, nicht bestätigen.

„Ich vestehe nicht, dass nicht Nägel mit Köpfen gemacht werden“, ärgerte sich in der Diskussion Alfred Hopfner (SPD und Freie Bürger). Bürgermeister Lohner pflichtete ihm bei: „Die Planungen sollten aber jetzt so schnell wie möglich umgesetzt werden.“

Mitschuld habe Landrat Stefan Rößle, erklärte Josef Steidle (PWG/Freie Wähler) und führte sinngemäß an, dass dieser sehr den Belangen der Naturschützer zugeneigt sei. „Nun muss es die Aufgabe der Gemeinde sein, den größtmöglichen Druck auf die Behörden auszuüben“, so Johannes Bschorer (PWG/Freie Wähler). Ulrike Hampp-Weigand (SPD und Freie Bürger) plädierte für die nun gesetzlich notwendige Festsetzung des Überschwemmungsgebiets, um dann mit Hochdruck daran zu arbeiten, bis 2021 Heißesheim hochwasserfrei zu machen.

Eine Begründung, die erforderliche Festsetzung eines Überschwemmungsgebiets zu verweigern, gibt es nach Ansicht von Zweitem Bürgermeister Hans Mair (SPD und Freie Bürger) nicht.

Jeder wolle, dass Heißesheim hochwasserfrei werde, so Albert Reiner (CSU). Er bat wie zuvor bereits Bürgermeister Lohner „die Heißesheimer“ um Kooperation. Man müsse zusammenstehen, um die Aufgabe zu bewältigen, erklärte Christine Riepold (CSU). Josef Brunner (CSU) forderte den Ortsbeauftragten Kurka dazu auf, nicht ständig der Gemeinde Vorwürfe zu machen, sondern ein Bindeglied zu sein und „ohne in die Vergangenheit zu blicken“ sich jetzt aktiv für eine schnelle Umsetzung des Projekts einzusetzen

Gegen die Stimmen von Josef Steidle und Alfred Hopfner setzte das Gremium das Überschwemmungsgebiet auf der Grundlage der aktualisierten Pläne des Wasserwirtschaftsamtes fest.

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