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Donauwörth

31.10.2018

Hepatitis C-Fälle: Was wir bislang wissen – und was nicht

Zugamng zum OP-Bereich in der Donau-Ries-Klinik: Nach Angaben des Landratsamtes soll hier ein Arzt bei Operationen Patienten mit Hepatitis C infiziert haben.
Bild: Stefan Puchner, dpa

Plus Mindestens 38 Menschen sind mit Hepatitis C infiziert. Sie wurden am Donauwörther Krankenhaus von einem Arzt angesteckt. Noch immer sind nicht alle Fragen geklärt.

Wie wurden die Hepatitis-C-Infektionen bekannt?

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Bei drei Patienten aus dem Landkreis Donau-Ries, die im gleichen Zeitraum im Krankenhaus Donauwörth operiert worden waren, wurde das Hepatitis-C-Virus festgestellt. Ein Hausarzt brachte weitere Nachforschungen ins Rollen. Bei der medizinischen Kontrolle von aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern der Klinik kam ans Licht, dass ein seit April 2018 nicht mehr im Haus tätiger Narkosearzt Träger des Virus war. Das hat er aufgrund der Nachfrage Anfang Oktober selbst dem Krankenhaus mitgeteilt. Er gab an, dass er erst im Juni von seiner Infektion erfahren habe. Das gKU Donau-Ries (gemeinsames Kommunalunternehmen) – der Klinikverbund, zu dem das Donauwörther Haus gehört – hat den Mann daraufhin angezeigt. Die Staatsanwaltschaft Augsburg ermittelt wegen des Verdachts auf Körperverletzung. Ob wirklich nur der Arzt als Infektionsquelle infrage kommt, ist noch nicht sicher geklärt.

Wie wurde das Virus übertragen?

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Hepatitis C kann nur von Blut zu Blut übertragen werden. Durch die normale Tätigkeit eines Narkosearztes ist eine Infektion nicht nachvollziehbar. Der Mediziner hat sich den Ermittlungen zufolge heimlich aus den Beständen des Donauwörther Krankenhauses bedient. Dabei geht es um starke Schmerzmittel mit Suchtpotenzial, sogenannte Opioide. Der Arzt hat aber nichts aus dem Betäubungsmitteltresor gestohlen, sondern für die Operation bereitgestellte Medikamente für sich verwendet. Der unter Verdacht geratene Arzt soll sich diese intravenös – also per Spritze und Kanüle – verabreicht haben. Außerdem hat er wohl die mit seinem Blut in Berührung gekommenen Spritzen oder Kanülen in irgendeiner Weise weiterverwendet. Wie der Anwalt des Mediziners, Christian Kanth, erklärt, wisse der Narkosearzt selbst nicht, wie eine Ansteckung gelaufen sein könnte oder woher er selbst das Virus hat.

Wie viele Menschen sind gefährdet?

Exakt 1287 Patienten, die im Zeitraum zwischen November 2016 und April 2018 operiert wurden, könnte der Arzt angesteckt haben. Am Mittwoch teilte das Landratsamt Donau-Ries mit, das inzwischen 38 Personen ermittelt wurden, die das Virus in sich tragen. Bislang liegen aber erst die Ergebnisse von rund 570 Patienten vor. Der Zeitraum ist eingrenzbar, weil der Mediziner im November 2016 bei einer Routinekontrolle negativ getestet wurde. Im April 2018 hat er das Krankenhaus verlassen.

Warum wurde der Arzt schon im April 2018 entlassen?

Pflegepersonal hatte den Narkosearzt während einer Operation mit der gefüllten Spritze im Arm erwischt. Anstatt auf die Kündigung zu warten, schlug er vor, einen Auflösungsvertrag einzugehen. Die Verantwortlichen des gKU willigten ein. Eine Meldung bei der Ärztekammer erfolgte nicht. Im vom Chefarzt ausgestellten Arbeitszeugnis sei allerdings ein deutlicher Hinweis auf die Vorfälle aufgeführt, beteuert Vorstand Jürgen Busse. Das sehen die Vorstände der Ostalb-Klinik in Aalen anders. Sie hatten den Mann aufgrund der „positiven Arbeitszeugnisse“ zum 1. Oktober dieses Jahres angestellt und in der zum Klinkverbund gehörenden St.-Anna-Virngrund-Klinik in Ellwangen eingesetzt – so lange, bis die Vorfälle in Donauwörth bekannt wurden.

Warum hat der Mediziner so gehandelt?

Der Mediziner war wohl psychisch krank. Das Gesundheitsamt Donau-Ries und die Kriminalpolizei sind zudem überzeugt, dass er medikamentenabhängig war. Dass er zum Zeitpunkt seiner Tätigkeit im Donauwörther Krankenhaus mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert war, war dem Mediziner möglicherweise nicht bekannt.

Hat niemand im Krankenhaus etwas geahnt?

Die Verantwortlichen beteuern, es habe keine Hinweise auf die Probleme und die Vorgehensweise des Narkosearztes gegeben. Kollegen fielen nach eigenen Angaben die starken Stimmungsschwankungen des sonst sehr beliebten Mediziners auf. Außerdem hat er wohl gezittert, das aber mit plausiblen Ursachen erklärt. Er selbst hat seine Sucht niemandem offenbart, obwohl er seinen Arbeitsplatz damit nicht riskiert hätte.

Das Donauwörther Krankenhaus. Hier arbeitete der Mediziner, gegen den nun ermittelt wird.
Bild: Ulrich Wagner

Wer muss sich testen lassen?

Das Gesundheitsamt Donau-Ries schreibt alle Patienten an, die mit dem Narkosearzt in direktem Kontakt standen. In einer ersten Welle waren dies 693. Bei deren Operationen war der Mediziner zuständiger Anästhesist. Bei 594 weiteren Verdachtsfällen war der Arzt als Vertretung oder Schlussdienst dabei. Diese Fälle mussten erst per Hand aussortiert werden, die Patienten wurden daher verzögert informiert.

Wer zahlt den Test?

Wer einen Brief des Gesundheitsamtes erhält oder erhalten hat, kann beim Internisten einen Antikörper-Schnelltest machen lassen, dessen Kosten die Krankenkasse übernimmt. Wer ohne dieses Schreiben zum Arzt geht, muss damit rechnen, die Kosten – rund 25 Euro – privat bezahlen zu müssen. Allerdings hat das Krankenhaus Donauwörth allen Patienten, die im fraglichen Zeitraum operiert worden sind, einen kostenfreien Test zugesagt. Wer eine Infektion absolut ausschließen will, kann den weiter reichenden PC-RNA-Test machen lassen. Dieser testet nicht nur Antikörper, sondern auch, ob das Virus noch im Körper arbeitet.

Gibt es eine Therapie?

Hepatitis C gilt mittlerweile als gut therapierbar. Die Heilungschance liegt bei 95 Prozent. Der Erkrankte nimmt über mehrere Wochen täglich eine Tablette. Die Kosten sind enorm und werden – je nach Präparat – mit einer Höhe von 30.000 bis 55.000 Euro angegeben. Diese übernehmen die Krankenkassen ohne Probleme.

Wie gefährlich ist Hepatitis C?

Die Gefahr liegt darin, dass Infizierte jahrzehntelang das Virus in sich tragen und damit ihre Leber stark schwächen. Die Wenigsten zeigen Symptome, sodass die Infektion unerkannt bleibt und chronisch wird. Daher ist es so wichtig, dass alle Infizierten ermittelt werden und sich die Betroffenen testen lassen.

So sieht ein Hepatitis-C-Virus aus. Damit hat ein Arzt in Donauwörth Patienten angesteckt.
Bild: Novartis, dpa

Welche weiteren Infektionswege gibt es noch?

Hepatitis C wird nur von Blut zu Blut übertragen. Durch normalen Umgang in der Partnerschaft oder im Bekanntenkreis ist eine Gefahr, sich anzustecken gleich null. Allerdings raten Experten, nicht die gleichen Rasierklingen, Nagelscheren und Zahnbürsten zu verwenden. Eine Übertragung des Virus bei Geschlechtsverkehr ist nur bei Praktiken möglich, die Verletzungen miteinschließen. In der Drogenszene ist eine Infektion häufiger, weil Spritzbesteck weiterverwendet oder mit infiziertem Blut vermischte Drogenreste zusammengekippt werden. Die Meinung der Experten, ob man sich über Bluttransfusionen anstecken kann, gehen auseinander. Es besteht wohl eine geringe Gefahr. Infizierte Mütter geben das Virus nicht zwangsläufig an ihr ungeborenes Baby weiter.

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