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05.11.2019

Hier sind Meisterbriefe wieder Pflicht

Parkettleger konnten seit 2003 ohne Meisterbrief einen Betrieb eröffnen und ihre Leistungen anbieten. Das wird sich wieder ändern. Die Meisterpflicht wird ab 1. Januar 2020 wieder eingeführt. 
Foto: dpa

Für zwölf Handwerksberufe wird dieser Abschluss wieder eingeführt. Was das für Verbraucher und für Selbstständige ohne Brief  bedeutet.

Die Entscheidungen der Großen Koalition haben auch Auswirkungen auf die Handwerker in der Region, was sich spätestens ab 1. Januar 2020 zeigen wird. Denn zu diesem Datum wird der Meisterbrief für zwölf Handwerksberufe wieder eingeführt. Betroffen sind: Betonstein- und Terrazzohersteller, Estrichleger, Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Parkettleger, Raumausstatter, Rollladen- und Sonnenschutztechniker, Behälter- und Apparatebauer, Böttcher, Glasveredler, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Drechsler und Holzspielzeugmacher sowie Orgel- und Harmoniumbauer.

Zahl der Fliesenlegerbetriebe verdreifacht

Im Jahr 2003 war mit der Agenda 2010 in mehr als 50 Berufen die Meisterpflicht weggefallen. Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Nordschwaben, Alban Faußner, sieht den Grund für diese Entscheidung in den damals noch höheren Arbeitslosenquoten. „Man wollte das Tor für möglichst viele Handwerker öffnen, aber das war die falsche Konsequenz.“ Durch den Wegfall der Meisterpflicht seien sehr viele Einzelunternehmen entstanden, da sich viele Gesellen selbstständig gemacht hätten. Die Anzahl der Fliesenlegerbetriebe habe sich beispielsweise verdreifacht. „Bei vielen hat dann die Qualität gelitten“, sagt Faußner.

Manfred Hofer aus Donauwörth ist selbst Parkettleger, aber auch stellvertretender Innungsmeister in Schwaben und hat von Beginn an dafür gekämpft, dass die Meisterpflicht wieder eingeführt wird. „Man hat gedacht, man erweist dem Verbraucher einen Dienst, weil mit mehr Konkurrenz scheinbar auch die Preise hätten fallen sollen“, erklärt er sich die damalige Entscheidung. Doch diese Rechnung sei nicht aufgegangen, denn ohne eine fundierte Ausbildung in einem Handwerksberuf und der Weiterbildung zum Meister leide am Ende die Qualität. „Wir erstellen auch viele Gutachten und sehen ja, was die Kunden am Ende in ihren Wohnzimmern liegen haben“, sagt Hofer.

Er selbst hat vor 35 Jahren nach der Ausbildung und Gesellenzeit seinen Meister gemacht. In seinem Betrieb wird auch ausgebildet – ein weiterer Grund, der für die Meisterpflicht spricht. Denn nur wer den Titel hat, darf auch Lehrlinge anstellen.

Wieder mehr Ausbildungsplätze

Genau deshalb sind auch die Kreishandwerkerschaft und die Handelskammer Schwaben froh über die Entscheidung in Berlin, den Meisterbrief wieder einzuführen. Denn am Ende bedeute es, dass wieder mehr Betriebe Ausbildungsplätze anbieten könnten. „Leider betrifft die Entscheidung nur zwölf Berufe, uns wäre es natürlich lieber, wenn alle auf einmal die Meisterpflicht bekämen“, so Faußner. Das sei jedoch eine politische Entscheidung.

Im Landkreis Donau-Ries gibt es laut den Zahlen der Handwerkskammer Augsburg zum 1. Januar 2019 149 Betriebe, die unter die zwölf noch zulassungsfreien Handwerksberufe fallen. Darunter sind fast die Hälfte Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerbetriebe (74). Danach folgen mit 28 Betrieben die Raumausstatter und die Parkettleger mit 15 Handwerksbetrieben.

Die 149 Betriebe im Landkreis haben wie alle anderen schon bestehenden, zulassungsfreien Betriebe ab Januar 2020 Bestandsschutz. Die Pressesprecherin der Handwerkskammer Augsburg, Monika Treutler-Walle, erklärt: „Das heißt: Wer in diesen Gewerken jetzt ein Unternehmen hat, kann dieses auch so weiterführen. Es besteht keine Verpflichtung für diese Unternehmer, einen Meister bzw. eine entsprechende Qualifikation nachzuholen.“ Das Gesetz gelte nur für Neugründungen in diesen Gewerken

Qualität kann gesichert werden

Peter Spegel ist Boden- und Parkettleger aus Möttingen. In seinem Beruf arbeitet er seit mehr als 25 Jahren. 2015 hat er sich selbstständig gemacht – ohne Meisterbrief. „Ich würde, wenn ich nicht unter den Bestandsschutz fallen würde, mir auch überlegen, den Meister nachzumachen“, sagt Spegel. Er hat einen Ein-Mann-Betrieb ohne Mitarbeiter und darf nicht ausbilden. „Auch wenn man einen Meister hat, braucht man noch bestimmte Schulungen, um Ausbilder sein zu können.“ Er findet es gut, dass die Pflicht wieder eingeführt wird, da so die Qualität gesichert werden könne. Durch seine langjährige Erfahrung könne er mit anderen Betrieben durchaus mithalten. „Boden- und Parkettleger gibt es in Nördlingen eh nicht so viel.“

Letztendlich liege es an der Qualität des jeweiligen Handwerkers. „Wenn der Betrieb ohne Meisterbrief gut ist, kann er sich auf dem Markt genauso halten wie einer mit“, sagt Faußner. Allerdings sei der Meisterbrief ein Garant für einen gewissen Qualitätsstandard. „Es ist auch ein großer Vorteil für den Kunden. Er weiß dann sicher, dass er einen gut ausgebildeten Handwerker engagiert.“

Für Manfred Hofer geht es nicht nur um die Qualität, sondern auch um das durch den Meisterbrief gesicherte Wissen in seiner Branche: „Ohne geht ein Stück Handwerk verloren.“

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