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Kaisheim

12.12.2020

Historische „Unterwelt“ in Kaisheim ist marode

Blick in den jahrhundertealten Regenwasserkanal, der im Untergrund das Zentrum von Kaisheim durchquert. So manche neuzeitliche Leitung quert das historische Tunnelsystem.
Bild: Ingenieurbüro Steinbauer

Plus An einem jahrhundertealten Regenwasserkanal in Kaisheim nagt der Zahn der Zeit. Wird das historische Gemäuer saniert?

Wenn man betrachtet, wie lange heutzutage Kanalrohre halten – oft nur wenige Jahrzehnte –, dann haben die Baumeister im Kloster Kaisheim vor einigen hundert Jahren Fantastisches geleistet. Sie hatten das Problem zu lösen, dass das weitläufige Gelände in einem Tal liegt, durch das der Kaibach fließt und sich bei Niederschlägen das Wasser auch über Gräben in der Senke sammelt. Die Zisterzienser ließen deshalb aus Bruch- und Ziegelsteinen unterirdische Gewölbe anlegen, um den Bach und das Regenwasser durch das Areal zu leiten. Die fast mannshohen Kanäle erfüllen auch heute noch ihre Funktion. Sie verlaufen unter den historischen Gebäuden hindurch und bilden so etwas wie die Kaisheimer „Unterwelt“. Inzwischen sind aber auch die soliden historischen Bauwerke auf manchen Abschnitten sanierungsbedürftig.

Im Bereich der Justizvollzugsanstalt (JVA), die in einem Teil des einstigen Klosterbezirks angesiedelt ist, sind die Gewölbe, die in diesem Bereich speziell abgesichert sind, bereits stabilisiert worden.

Der Kanal führt im Kaisheimer Zentrum unter mehreren Gebäuden hindurch

Im „öffentlichen“ Bereich, für den die Marktgemeinde zuständig ist, steht eine solche Maßnahme hingegen noch aus. Genauer gesagt geht es um einen unterirdischen Regenwasserkanal, der am Pfarrgarten an der Kreuzung von Hauptstraße und Neuhofstraße beginnt, unter mehreren Gebäuden hindurchführt, den Münsterplatz vor dem Rathaus quert, entlang der JVA verläuft und am Parkplatz vor dem Thaddäus in den Kaibach mündet.

Nun befasste sich der Gemeinderat damit, wie mit einem etwa 200 Meter langen maroden Abschnitt zu verfahren ist. Bürgermeister Martin Scharr zeigte zwei denkbare Varianten auf. Zum einen könnte das Gewölbe vom Denkmalamt „gesichert“, also dokumentiert, und dann abgebrochen werden. Der Graben würde vor der Mündung in den Kaibach fortan offen durch das historische Zentrum fließen. Am Parkplatz am Thaddäus wäre folglich eine Brücke nötig. Auch ansonsten wären Zufahrten neu zu regeln. Zu berücksichtigen wäre auch das Sicherheitsbedürfnis der JVA.

Die andere Lösung: Den Kanal wie bisher belassen und sanieren, wobei hier zu klären wäre, ob das Gewölbe einfach mit Beton „ausgespritzt“ werden dürfte oder bezüglich des Denkmalschutzes fachgerecht saniert werden müsste.

Erst einmal will der Gemeinderat in Kaisheim eine Kostenschätzung sehen

Die Räte tendierten zu der Variante, das alte Gewölbe zu belassen und zu reparieren. Dies ließe der Kommune eine größere Flexibilität, stellte Bürgermeister Scharr fest. Einstimmig sprachen sich die Gemeinderäte dafür aus, zunächst einmal eine Kostenschätzung einzuholen und die finanzielle Förderung durch den Staat auszuloten – eine durchaus spannende Sache angesichts der besonderen historischen und baulichen Umstände in Kaisheim, wie Scharr andeutete.

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