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Konzert

20.10.2017

Höchst aufregende Entdeckungsreise

Hinreißende Interpreten in Mertingen: Gianpero Zanocco und Anna Fusek.
Bild: Ulrike Hampp-Weigand

Anna Fusek und Gianpero Zanocco entführten in die Welt der Originalklangmusik. Die Geige hörte sich schroffer an, und auch das Klavier wurde historisch gespielt

Um das Ende des Konzertabends in Mertingen vorwegzu- nehmen: Nach zwei Zugaben musste unweigerlich Schluss sein. Es war eine hinreißende Entdeckung: Musik der Wiener Klassik im Originalklang.

Auf der Bühne ein Hammerflügel, Nachbau eines Instrumentes des Augsburger Klavierbauers Johann Andreas Stein. Jenes Stein, den Wolfgang Amadeus Mozart auf Geheiß des Vaters im Oktober 1777 auf der Reise, die über Mannheim nach Paris führte, wo seine Mutter 1778 verstarb, besuchte. Begeistert schrieb er nach Salzburg „… Nun muß ich aber den steinischen (piano forte) den vorzug lassen; denn sie dämpfen noch viell besser ... wenn ich starck anschlage, ich mag den finger liegen lassen, oder aufheben, so ist halt der ton in dem augenblick vorbey, da ich ihn hören ließ ...“

Stein hatte aus dem von Bartolomeo Cristofori schon um 1700 entwickelten Hammerflügel etwa 1770 die später sogenannte „Wiener Mechanik“ entwickelt, sodass sein Pianoforte klangvoller und modulationsfähiger wurde. Stein-Hammerflügel waren zu ihrer Zeit die Spitzenprodukte des Tasteninstrumentenbaus – Mozart konnte sich keinen leisten.

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Aber was wäre dieses wunderschöne Instrument ohne die Künstlerin gewesen, die es zum Erklingen brachte: Anna Fusek, Musik vom Scheitel bis zur Sohle, so uneitel, so unprätentiös, so musikalisch intelligent, und so hinreißend musizierend, mit einem Partner, der eine Originalgeige aus 1800 spielt – flacher, kleiner, mit größeren Abständen zwischen den Natursaiten, und einem kürzeren, eher gestreckten Bogen: Gianpiero Zanocco, Solist und Konzertmeister des Venice Baroque Orchestra. Beide sind sie vielfache Preisträger internationaler Wettbewerbe – gerühmte und hinreißend spielende Musiker, regelmäßig weltweit mit den bekanntesten Ensembles, nicht nur der Alten Musik, konzertierend.

Sie spielten im – von Anna Fusek kurzweilig und kenntnisreich moderierten – Konzert vor 1830 entstandene Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn in historischer Aufführungspraxis, im „Originalklang“, auf authentischen Instrumenten, in historischer Spiel- und Aufführungstechnik.

Ein absolutes Novum in Mertingen: Die zahlreichen Zuhörer mussten sich auf einen anderen Klang einstellen. Denn Interpretation und Klang dieser Aufführungspraxis sind nicht unumstritten, während Spieltechnik und Instrumentenbeherrschung allgemein anerkannt sind. So spielte Gianpiero Zanocco seine Geige eher schroffer, als man sie sonst hier zu hören geübt ist, und tempo rubato ist ungewohnt – aber „eingehört“, gab es riesengroße Zustimmung zum meisterhaften Spiel. Aufregend sein eher sparsam eingesetztes, dann aber wunderbar anzuhörendes Vibrato – lernt dabei der unverbildete Hörer doch, dass in der Alten Musik Vibrato Gestaltungsmittel war und ist.

Anna Fusek brillierte im Duo bei den Mozart-Sonaten KV 304 e-Moll, KV 377 F-Dur, DV 481 Es-Dur, und solistisch bei den Variationen für Klavier f-Moll Hob. XVII:6 von Joseph Haydn. Sie entlockte dem Piano forte zauberische, hell oszillierende, wie hingetupft klingende Töne – die Geige begleitet, wiederholt, stimmt zu, eröffnet einen Diskurs: Beide hören so intensiv aufeinander, sind so in einem, dass das Publikum im seligen Aufnehmen dieser Musik, die Mozart und Haydn in dieser Weise wohl gehört haben, vereint ist. Die Dramatik in KV 304, in Mannheim und Paris komponiert (der Verlust der ersten Liebe Aloysia Weber, der Tod der Mutter), die tänzerische Leichtigkeit des Allegros in KV 377 – mitreißend. Das in die Romantik vorgreifende Adagio in KV 481 – man verlor sich darin.

Begeisterung am Ende – Beifall ohne Ende, und Bravorufe: ein wunderbarer Konzertabend, mit großartigen Interpreten und – leider – irgendwann auch einem Ende.

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