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Asyl

12.02.2015

Hotel wird eine Unterkunft für Flüchtlinge

Bürgermeister und Initiative haben Bedenken. Vermieterin: Haus bestens geeignet

In der Stadt Wemding entsteht eine weitere Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge. Gastronomin und Stadträtin Carina Roßkopf vermietet ein Gebäude am Marktplatz, das bisher als Hotel genutzt wird, an den Landkreis. Bis zu 44 Personen können dort unterkommen. Bei Bürgermeister Martin Drexler und Teilen des Stadtrats stößt das Vorhaben auf Unverständnis. Er habe „allergrößte Bedenken“ und „die große Sorge“, dass die Zahl der Asylbewerber in der Stadt so groß werde, „dass die Akzeptanz in der Bevölkerung nachlassen wird“.

Das Thema kam am Dienstag in einer Sitzung des Finanzausschusses des Stadtrats kurz zur Sprache. Während und vor allem nach der Sitzung musste sich Carina Roßkopf – sie ist zwar nicht Mitglied des Ausschusses, nahm aber an der Zusammenkunft teil – von Ratskollegen einige Kritik anhören. Allerdings habe sie auch Zuspruch bekommen, so die Rätin der Frauenliste.

Bürgermeister Drexler übermittelte der DZ gestern eine schriftliche Stellungnahme. Darin heißt es: „Integration kann nur mit Akzeptanz gelingen.“ Wemding war im November 2012 der erste Ort, in dem eine Unterkunft für Flüchtlinge eingerichtet wurde. Inzwischen befinden sich in drei Gebäuden insgesamt rund 85 Asylbewerber. Mit der neuen Unterkunft könnten es in der 5700-Einwohner-Kommune von Mitte März an bis zu knapp 130 werden. Nach Ansicht von Drexler könnten dies zu viele sein für „eine von allen gewünschte und notwendige Integration“.

Dem Bürgermeister zufolge sollten die Flüchtlinge, die dem Donau-Ries-Kreis zugewiesen werden, gerecht auf verschiedene Orte verteilt werden, „denn mehrere Schultern können leichter gemeinsam größere Lasten tragen“. Auf diesen Umstand habe er bereits im November 2014 das Landratsamt hingewiesen.

Drexler führt zudem an, dass die Verwaltung durch die Asylverfahren bereits umfangreich belastet sei. Die Stadt müsse den Kassenraum umbauen und eine Kraft für die Auszahlung der Geldleistungen an die Asylbewerber stellen. Dies alles bringe die Kommune mit eigenen Mitteln auf: „Trotz intensiver Nachfragen und Forderungen wird vonseiten des Staats den Gemeinden nicht unter die Arme gegriffen.“

Auch die Initiative „Wir mit euch“, die sich in Wemding seit gut einem Jahr intensiv um die Flüchtlinge kümmert, meldet sich in einer Mitteilung an die Bevölkerung zu Wort. Die Menschen zu integrieren, ihnen bei täglichen Problemen zu helfen und ihnen Deutschunterricht zu bieten, „ist uns mittlerweile eine gerne geleistete Pflicht geworden“. Bei dieser stoße man jedoch seit einiger Zeit absolut an die Grenzen. Auch die Räume im Kolpingheim, die für die Treffen genutzt werden, reichten für noch mehr Menschen gar nicht aus. Man habe deshalb das Landratsamt gebeten, die Zahl der Asylbewerber in Wemding nicht zu erhöhen – zumal im Landkreis einige Kommunen bislang noch gar keine Flüchtlinge aufnehmen mussten. Die Initiative stellt fest, dass die Unterbringung immer sozial verträglich sein sollte.

Genau das will Carina Roßkopf bieten. Sie schließe das Hotel, obwohl es gut ausgelastet sei. Für die neue Nutzung des Gebäudes habe sie sich vor allem aus sozialen Gründen entschieden. Mit der Unterkunft verdiene sie keinesfalls das große Geld, betont die Eigentümerin, die sich ehrenamtlich um die Flüchtlinge kümmern möchte: „Das sind knüppelharte Verträge. Der Staat schenkt einem nichts.“ Die Nebenkosten, die sie tragen müsse, seien nicht abschätzbar.

Generell sei Wemding aufgrund seiner guten Infrastruktur in der Lage, die Asylbewerber aufzunehmen. Das Gebäude sei für diesen Zweck bestens geeignet. Das Restaurant werde geschlossen und sei dann Teil der Unterkunft. Die Cocktail-Bar in dem Komplex will die 31-Jährige weiter betreiben.

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