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04.11.2019

Im Donau-Ries-Kreis dringend gesucht: Lehrlinge

Dominik Wittek hat Spaß an seiner Arbeit: Er macht bei Südstahl in Mertingen eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker. Rechts im Bild zu sehen ist sein Ausbilder Stefan Meyer.
Foto: Helmut Bissinger

Weniger junge Menschen als früher entscheiden sich in der Region für eine Ausbildung. Darum bleiben viele Stellen unbesetzt.

Der 15-jährige Lucha Saminara aus Schäfstall hat seinen Traumberuf gefunden. Marco Löhle aus Altisheim ebenso. Beide absolvieren bei Südstahl in Mertingen eine Lehre: zum Metallarbeiter in der Fachrichtung Konstruktionstechnik. Der eine im ersten, der andere im dritten Ausbildungsjahr. Sie haben immer schon gerne mit Metall gearbeitet.

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Donauwörth haben sich im September 4758 Jugendliche für eine Lehre entschieden. Nun haben die Agentur für Arbeit, die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Handwerkskammer (HWK) eine Bilanz zum Ausbildungsmarkt gezogen. Schauplatz des Gesprächs ist eben Südstahl, ein mittelständisches Unternehmen mit 130 Mitarbeitern, davon 16 Auszubildende. „Wir sind in allen Bereichen tätig, um junge, frische Kräfte zu bekommen“, sagen die Geschäftsführer Werner und Ulrich Käuferle. Leicht sei dies allerdings nicht. Man müsse viel mehr als früher um neue Azubis kämpfen.

Noch immer 561 Stellen nicht besetzt

Das bestätigt Richard Paul, Leiter der Agentur für Arbeit Donauwörth. „Wir haben aktuell immer noch 561 unbesetzte Ausbildungsstellen und 33 unversorgte Bewerber“, machte er auf die Schere aufmerksam, die zunehmend auseinanderklafft. Der Handel habe die größten Probleme, den Nachwuchs in der Branche zu sichern. So seien in den Berufen Kaufmann/frau im Einzelhandel noch 46 Stellen oder für Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk noch 23.

Der „Mangelware“ Azubi stehen immer mehr Ausbildungsbetriebe gegenüber. Sowohl die IHK als auch die Handwerkskammer verzeichnen eine deutliche Zunahme an Anbietern und Ausbildungsplätzen. Ziel ist eine langfristige Fachkräftesicherung. So steigen Firmen, die über lange Zeit bei der Ausbildung zurückhaltend waren, wieder ein, andere bieten über die bisherigen Berufsfelder neue Berufe an. Mit zahlreichen Projekten wie der Teilzeitausbildung, der Ausbildung für junge Erwachsene oder speziell für junge Mütter sollen Personengruppen über die Agentur für Arbeit für eine Ausbildung erschlossen werden, die mit dem konventionellen Ablauf Probleme haben. Entscheiden sich junge Leute für eine Ausbildung, sind Industriemechaniker und Verkäufer die beliebtesten Berufe.

Die Handwerkskammer für Schwaben meldet ein Minus von 3,5 Prozent bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. „Diese Situation ist in Anbetracht der Zunahme von sechs Prozent im Vorjahr in Ordnung“, sagt Anette Göllner, Leiterin der Abteilung Berufsausbildung bei der HWK. Auffällig sei die Zahl der Erstausbilder, die noch einmal angestiegen sei. Den Nachwuchs im eigenen Haus zu qualifizieren, sei das Ziel vieler Ausbilder. An der Lehrstellenbörse der HWK Schwaben sind aktuell noch 505 Stellen im Angebot, querbeet, vom Anlagenmechaniker bis zum Zahntechniker.

Über Perspektiven noch zu wenig bekannt

Besonders im gewerblich-technischen Bereich sind laut Göllner gute und passende Bewerber schwer zu finden. Ein Grund dafür sei, „dass vor allem Bewerber mit guten Schulabschlüssen ihre Zukunft öfter in anderen Laufbahnen sehen“. Teils möchten demnach junge Menschen im vertrauten Umfeld der Schule bleiben, teils seien die Perspektiven einer Berufsausbildung immer noch zu wenig bekannt.

Die Industrie- und Handelskammer verzeichnete bei den Ausbildungsverträgen einen minimalen Rückgang. Wolfgang Haschner, Leiter des Fachbereichs Ausbildung bei der IHK Schwaben, betont, dass gerade Mittel- und Realschüler für Betriebe interessant seien. Die Zahl der Ausbildungsbetriebe sei im Agenturbezirk Donauwörth gestiegen, während die Zahl der Ausbildungsverträge (minus 5,8 Prozent) rückläufig sei. Haschner hat festgestellt, dass sich mit zunehmender Digitalisierung auch die Rangliste der Top-Zehn-Berufe verändert hat. Großen Zulauf hätten Berufe im Logistikbereich „mit einem großen Bedarf an Azubis“. Das Hotel- und Gaststättengewerbe leide stark unter Nachwuchsproblemen.

Die Verantwortlichen bei Gastgeber Südstahl sowie von der Agentur für Arbeit, der Handwerkskammer wie der IHK sind sich einig: Viele Jugendliche können ihre Fähigkeiten oft schwer einschätzen, ihre Vorstellungen vom Berufsleben sind vage. Das sei eines der großen Hemmnisse bei der Suche nach Auszubildenden. Deshalb wolle man die Information über Berufsfelder, aber auch die Möglichkeiten mit Praktika hineinzuschnuppern, nochmals verstärken.

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