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Soziales

15.05.2019

Im Landkreis Donau-Ries fehlen massiv Pflegekräfte

Im Krankenhaus, in Seniorenheimen und in Behinderteneinrichtungen braucht es Menschen, die helfen und pflegen. Da im Landkreis die Branche sehr stark ist, ist hier auch der Mangel an Fachkräften besonders spürbar. 
Bild:  Bernhard Weizenegger

Plus In der Region ist die Pflegebranche besonders stark ausgeprägt. Umso mehr ist der Mangel an Nachwuchs spürbar. Doch es ist schwer, Menschen für den Beruf zu begeistern.

Sicherheit, Bezahlung nach Tarif, Umgang mit Menschen, Aufstiegschancen – klingt so nicht eine Berufsbeschreibung, die Interesse wecken sollte? Eigentlich schon. Trotzdem winken viele Jugendliche und mögliche Quereinsteiger ab, wenn sie hören, um was genau es geht: die Pflege eines alten, kranken oder behinderten Menschen.

Der Mangel an Pflegekräften ist bundesweit spürbar. Da im Landkreis Donau-Ries diese Branche mit fast 3000 Arbeitsplätzen besonders groß ist, fällt der Mangel an Nachwuchs auch besonders stark ins Gewicht. 300 offene Stellen gibt es aktuell und diese bleiben besonders lange vakant. In der Regel dauert es 130 Tage, also über vier Monate, bis eine freie Stelle neu besetzt wird. „Das ist wirklich sehr, sehr lange“, sagt Werner Möritz, operativer Geschäftsführer der Arbeitsagentur in Donauwörth. Normal sind Stellen maximal 60 Tage frei. „Oft ist es sogar der Fall, dass die Stelle einfach vom Markt genommen wird, weil sich niemand bewirbt. Da versucht man es ein halbes Jahr später lieber noch einmal.“ Zusammenfassend sagt er: „Inzwischen ist der Fachkräftemangel in der Pflege wirklich eklatant – und es wird sicher nicht besser.“

In Nordschwaben ist die Pflegebranche besonders stark

Den Landkreis und auch den Nachbarlandkreis Dillingen trifft es besonders stark, weil hier viele Behinderteneinrichtungen angesiedelt sind, die viele Kräfte in der Heilerziehungspflege suchen. So ergeben sich rein rechnerisch auf jeden Arbeitslosen in Nordschwaben zwei offene Stellen im Bereich der Gesundheits- und Sozialberufe.

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Die Situation wird wohl noch krasser, denn es wird mehr alte Menschen geben. Zudem nimmt die Zahl der jüngeren Verwandten ab, die Zuhause pflegen könnten. „Das verschärft die Situation enorm“, sagt Möritz. Nur im Einzelfall geht mal jemand nach Thailand oder nach Spanien ins Pflegeheim. Und so boomt die Branche, weil der Bedarf steigt. In den vergangenen vier Jahren sind in diesem Sektor in Nordschwaben 290 neue Jobs entstanden. „Das gab es in keinem anderen Bereich“, sagt Möritz.

Doch neue Mitarbeiter zu gewinnen ist sehr schwer. Das zeigt jetzt auch der „Tag der Pflegeberufe“ an diesem Mittwoch, den die Arbeitsagentur in Donauwörth organisiert hatte. Elf Arbeitgeber aus Nordschwaben und die sechs Berufsfachschulen wollten Interessierte über die Jobchancen informieren. Es kamen gerade Mal zehn Personen.

Was Jugendliche an diesem Job abschreckt

Weshalb so wenig Interesse? „Viele junge Leute schrecken die Arbeitszeiten an den Wochenenden oder nachts ab. Und sicher ist es auch die Tatsache, dass man mit Krankheit und Tod zu tun hat. Das ist sicher ein Hemmnis“, sagt Margit Burger. Sie selbst ist Pflegedienstleisterin im Hospital-Stift in Lauingen und ist überzeugt, dass ein Pflegeberuf einen Menschen sehr ausfüllen kann. „Das bringt einen auch selbst wirklich weiter.“

Das kann auch Mario Pruger bestätigen, der eine Wohngruppe im Bürgerspital in Donauwörth leitet. „Die Arbeit mit den Menschen ist erfüllend“, sagt er. Doch er berichtet auch von zunehmender Bürokratie, die viel Zeit in Anspruch nimmt. Er findet es mehr als Schade, dass wohl für viele Jugendliche und Umschuler die Pflege die letzte Wahl ist. „Das liegt auch am schlechten Image unseres Jobs.“

Für die 21-jährige Lisa ist Pflege die Zukunft. Sie hat an der Krankenpflegeschule ihre Ausbildung fast abgeschlossen und wird darauf aufbauend, studieren. Mittlerweile sind die Fächer Pflege und Pflegepädagogik an der Universitäten angekommen. „Ich habe enorm viel gelernt, was ich im Alltag umsetzen kann“, sagt sie. Karin Lüdtke, stellvertretende Leiterin der Krankenpflegeschule am gKU in Donauwörth bestätigt das. Aktuell sind in der Starterklasse in Donauwörth 27 Schüler und die Übernahmequote ist sehr hoch. „Wer bleiben will, kann bleiben“, sagt sie. Und sie fügt hinzu: „Pflege ist ein anspruchsvoller Beruf, für den viel medizinisches und handwerkliches Wissen notwendig ist.“

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