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Impfungen: Vom Versagen der oberen Stellen

Kommentar Von Thomas Hilgendorf
04.01.2021

Dass es „ruckelt“ bei den Impfungen, ist eine dieser Tage fast schon zynisch wirkende Verniedlichung von Gesundheitsminister Jens Spahn. Hier, an der Basis, in den Landkreisen, schüttelt man nurmehr den Kopf über die aktuelle Lage.

Stellen Sie sich folgende Situation bildlich vor: In Ihrer Familie grassiert eine seltsamer Husten. Im Haus nebenan köchelt der nette Apotheker an einem Säftchen, das höchstwahrscheinlich helfen könnte. Was tun Sie? Nun, sinnvollerweise fragen Sie höflich, ob Sie ihn unterstützen könnten – und Sie sichern sich ein Fläschchen. Preis und absolute Zuverlässigkeit wären wahrscheinlich erst mal egal.

Im Bund lief es anders, wie es scheint. Unverständliche Vorsicht bei den Impfstoffbestellungen bis in den Herbst, eine ebenso unverständliche deutsche Panik vor einem „nationalen Alleingang“, bürokratische Desorganisation bei gleichzeitigem gouvernantenhaftem Fingerzeig auf die Bürger, deren Mehrzahl sich seit einem dreiviertel Jahr weitgehend zusammenreißt. Dass es „ruckelt“ bei den Impfungen, ist eine dieser Tage fast schon zynisch wirkende Verniedlichung von Gesundheitsminister Jens Spahn.

Die Front, an der gekämpft wird, ist hier, im Landkreis Donau-Ries

Hier, an der Basis, in den Landkreisen, schüttelt man nurmehr den Kopf über die vollmundigen Ankündigungen, das mutlose Weiterdelegieren an Brüssel und die schier peinlich mangelhafte Bevorratung der Vakzine, die in diesem Land entwickelt wurden. Aktuell verhält es sich so, dass an der Front der Landkreise Fakten geschaffen werden, während die Bürokratie im Bund und in der EU hinterherhinkt. Da gibt es wenig zu rütteln an der lautstarken Kritik – die übrigens nur wenig zu tun hat mit der Binsenweisheit „Hinterher weiß man es immer besser.“ Die Probleme – von Problemen darf offiziell gar nicht gesprochen werden, man nennt sie schick „Herausforderungen“ – wurden weiterdelegiert an die unteren Ebenen. Doch die haben geliefert, so, wie sie es eben konnten. Impfzentren? Standen pünktlich. Personal? Wurde mühsam heranrekrutiert. Bürgerinfo und Anmeldung? Zugegeben, da gab und gibt es, gelinde gesagt, Luft nach oben – allerdings musste auch dies die Kreisbehörde in Donauwörth weitgehend aus eigener Kraft organisieren. Wie so vieles.

Die Order kommt von oben, und unten muss man eben mit begrenzten Ressourcen tüfteln. Doch „oben“ wird gleichzeitig sehr offensichtlich zu wenig geliefert – im wahrsten Sinne des Wortes. Das ist in der Tat enttäuschend für die Bürger, denen mehr als nur Geduld abverlangt wird. Zur Erinnerung: Diese Pandemie lähmt Land und Leute, jeden Tag, Woche für Woche. Sie kostet neben Menschenleben noch dazu Unsummen an Finanzen, welche die Bürger aber erwirtschaften müssen. Es wäre wünschenswert, wenn dieser Staat für eben jene Bürger so rasch es geht ausreichend sichere Impfstoffe und Medikamente heranschaffte. Alles andere würde Geduld und Vertrauen überstrapazieren. Klar, Fehler macht jeder – aber Corona beschäftigt uns ja nicht erst seit vorgestern.

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