Newsticker
Bundesverfassungsgericht: Corona-Demo in Stuttgart bleibt verboten
  1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. „In unseren Wäldern stimmt es nicht mehr“

Waldbesitzer

22.11.2019

„In unseren Wäldern stimmt es nicht mehr“

Holz im Überfluss gibt es derzeit in der Region, da viele Bäume gefällt werden müssen, die einen Schaden haben. Damit verfällt auch der Preis, beklagen die Waldbesitzer.
Foto: Wolfgang Widemann

Trockenheit, Hitzeperioden und Schädlinge bereiten dem Forst in der Region mehr Probleme als ohnehin schon befürchtet. Zudem verfallen die Preise. Bilanz der WBV

Die in der Waldbesitzervereinigung Nordschwaben (WBV) zusammengeschlossenen Forsteigentümer plagen Sorgen. Zum einen bringt der Klimawandel die Wälder in höchste Not, zum anderen fehlt ihnen das Geld, um den notwendigen Umbau des Forsts kräftig voranzubringen. Grund: Die Holzpreise befinden sich auf einer rasanten Talfahrt. Noch ehe die Experten der WBV der Jahresversammlung die Nöte darlegen kann, bringt es Wemdings Zweiter Bürgermeister Hans Roßkopf auf den Punkt: „Unser Wald als großer Erholungsraum ist in Gefahr.“ Trockenheit, Gewitterstürme, Hitzeperioden und Schädlinge setzen den heimischen Bäumen in bisher nicht gekanntem Ausmaß zu. „In unseren Wäldern stimmt es nicht mehr“, formuliert der scheidende WBV-Vorsitzende Alois Michel. Fast schon eindringlich bittet er Planer und Architekten, mehr Holz zu verbauen.

Dass er bei der Versammlung in der Wallfahrtsgaststätte in Wemding schlechte Nachrichten hören würde, war Willi Miehlich klar. Er bewirtschaftet in Hagau acht Hektar Wald. Der Klimawandel sei unverkennbar, sagt er. Während er mit dem Borkenkäfer wenig Probleme habe, setze seinen Bäumen die Trockenheit zu, so Miehlich. Der Forstwirt hat die Wende hin zu Laubholz bereits eingeleitet. Auch für Manfred Grenzebach von der gleichnamigen Baumschule in Hamlar ist das ein großes Thema. Manchmal könne er die neuen Baumsorten noch gar nicht liefern, die von den Experten empfohlen werden.

Die Befunde, die Alois Michel sowie Bernd Tiroch und Stefan Wurst (Waldbesitzervereinigung und Holz EVA) vortrugen, übertreffen die schlimmsten Befürchtungen. Die Schadholzmengen haben sich demnach vervielfacht: Waren es 2017 im WBV-Gebiet noch 17 Millionen Festmeter, sind es in diesem Jahr 73 Millionen. Unheimliche Holzmengen sind auf dem Markt, der sich gegenüber früher verändert hat. Aber es gibt auch gute Nachrichten: Eine saubere Waldwirtschaft habe dazu geführt, so Alois Michel, dass man die Borkenkäfer-Plage im Griff habe.

Wie kann man beim Umbau der Nadelwälder in widerstandsfähigere Mischwälder mehr Tempo machen? „Die Zeit läuft uns davon“, sagt einer der rund 400 Waldbesitzer, die zur Versammlung gekommen sind. Die Vereinigung zählt mittlerweile 2039 Mitglieder. „Unbefriedigend“ nennt Alois Michel deren Situation. Er und seine Kollegen hoffen, dass der Winter viel Schnee bringt und damit „Winterfeuchte“. Fast alle Baumarten seien von der Wasserknappheit betroffen. Kiefern kämen mit den steigenden Temperaturen nicht zurecht, die Buche leide unter der Trockenheit und die Eschen kämpften ums Überleben, weil ihnen ein Pilz stark zusetzt (Eschentriebsterben).

Für eine verstärkte Verwendung von Laubholz im Bauwesen setzt sich seit Jahren Stefan Torno ein. Der Diplom-Forstwirt macht den Forstwirten Mut, „denn Laubhölzer weisen eine ganze Reihe von Vorteilen gegenüber Nadelhölzern auf“. Seit einigen Jahren, so Torno, rücke die Verwendung von Laubholz im Bauwesen immer mehr in den Fokus der Holzforschung.

Dass die Regierung die Situation erkannt habe, zeige die aktuelle Initiative des Bundeslandwirtschaftsministeriums, erklärte Bundestagsabgeordneter Ulrich Lange (CSU). 550 Millionen Euro stellte der Bund den Ländern zur Verfügung, um Schadflächen wieder zu bewalden und klimafeste Mischwälder auszubauen. Dass von dem Geld bei den Waldbauern in Nordschwaben etwas ankommt, bezweifelt Alois Michel: „Wir müssen uns selbst helfen.“

Dass die Holzpreise so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr im Keller sind, zeigt ein Blick auf die Bilanz der Holz EVA, die gewerbliche Tochtergesellschaft der Waldbesitzervereinigung: Ihr Umsatz ist von 3,1 Millionen Euro im Vorjahr auf etwas mehr als zwei Millionen Euro (erzielt durch die Vermarktung von circa 35000 Festmetern Holz) eingebrochen. Der Durchschnittspreis aller Baumarten, -sorten und -güten lag bei 55,88 Euro pro Festmeter. Das Jahresergebnis brachte durch die ungünstigen Rahmenbedingungen ein Minus von rund 67000 Euro.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren