1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Innenministerium: Ankerzentrum schließt definitiv 2019

Donauwörth

24.03.2019

Innenministerium: Ankerzentrum schließt definitiv 2019

Im Ankerzentrum Donauwörth leben aktuell etwa 800 Asylsuchende. Ende 2019 soll die Einrichtung auf dem Schellenberg geschlossen und an anderer Stelle weitergeführt werden.
Bild: Manuel Wenzel

Plus Das Zentrum auf dem Schellenberg soll Ende des Jahres schließen. Das bekräftigt das Bayerische Innenministerium. Wo kommen die Flüchtlinge dann unter?

Die Regierung von Schwaben hat noch keine Vorstellung, wo die aktuell über 800 Flüchtlinge im Ankerzentrum in Donauwörth nach dem 31. Dezember 2019 untergebracht werden sollen. Regierungspräsident Erwin Lohner hat bei einem Treffen mit den Grünen-Landtagsabgeordneten Eva Lettenbauer und Gülseren Demirel (München) im Ankerzentrum persönlich geäußert, dass die Regierung aktuell nicht wisse, wo das Ankerzentrum in Schwaben seinen zukünftigen Platz haben wird.

Innenministerium: Schließung des Ankerzentrums steht fest

Unterdessen scheint es aber weiter gesetzt zu sein, dass die Einrichtung in Donauwörth geschlossen wird. Das geht auch aus einer internen Stellungnahme des Bayerischen Innenministeriums hervor, das unserer Redaktion vorliegt. Darin heißt es wörtlich: „Die Schließung der Anker-Einrichtung Donauwörth zum 31. Dezember steht abschließend fest.“ Das habe man zugesichert. Und weiter: „Die Staatsregierung steht zu ihrem Wort.“

Doch unter den Mitarbeitern der sozialen Einrichtungen im Ankerzentrum – die Malteser, die Diakonie und viele Ehrenamtliche – herrscht Verunsicherung, wie es weitergeht. Carina Roßkopf, stellvertretende Einrichtungsleiterin der Malteser, berichtet, dass bereits jetzt Mitarbeiter aus diesem Grund das Team verlassen. Zudem macht sie deutlich, dass die Malteser bereit wären, ihr in Donauwörth über Jahre verfeinertes Konzept der Betreuung der Flüchtlinge und der Zusammenarbeit mit Behörden, Polizei, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und den Verwaltungsgerichten an anderer Stelle fortzuführen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Bereits heute koordinieren die Malteser auch die Arbeit der Ehrenamtlichen in den zwei Außenstellen des Ankerzentrums in Augsburg. Gleiches könnte auch für Mering (Landkreis Aichach Friedberg) geschehen. Dort könnten 176 Personen unterkommen, in einer geplanten Außenstelle in Neu-Ulm maximal 450. Laut Roßkopf werden in den Dependancen vor allem unproblematische Asylsuchende untergebracht, die ohne große Betreuung auskommen und bei denen die Frage nach Asyl klar zu beantworten ist. Grund dafür ist, dass dort lediglich ein Sicherheitsdienst und ein Ansprechpartner der Regierung von Schwaben vor Ort ist. „Eine Rundum-Versorgung wie im Ankerzentrum gibt es dort nicht.“

Wie Asylsuchende in Donauwörth aufgenommen werden

Bei einem Ortstermin der Landtagsabgeordneten Lettenbauer und Demirel, die zugleich Sprecherin für Asyl, Flucht und Migration der bayerischen Grünen ist, und einem Gespräch mit den Beschäftigten wurde klar, dass Dank guter Zusammenarbeit der Behörden und viel ehrenamtlichem Engagement sehr viel geleistet wird, um den Flüchtlingen ein Ankommen in Deutschland sozial verträglich zu ermöglichen.

Die Grünen-Landtagsabgeordneten Gülseren Demirel (links), MDL München, und Eva Lettenbauer, MdL Donau-Ries, an der Donau in Donauwörth. Sie machten sich ein Bild vom Ankerzentrum.
Bild: Barbara Wild

Im Ankerzentrum werden die an einem Asylantrag beteiligten Behörden gebündelt, es sind Vertreter direkt vor Ort. Die Malteser und die Diakonie bieten soziale Betreuung und steuern die Unterbringung der Flüchtlinge, die ausschließlich aus der Türkei, Nigeria und Gambia stammen. Im Ankerzentrum werden Kinder in Deutsch unterrichtet und können bei entsprechenden Kenntnissen in die reguläre Grundschule gehen. Sport-Angebote und Wertekurse werden über Vereine, die Vhs und die Berufsschule angeboten.

Zwei Polizisten der PI Donauwörth haben in der Einrichtung einen ständigen Arbeitsplatz. Sie sind bei kleinen Konflikten schnell vor Ort und können laut Inspektionsleiter Thomas Scheuerer oft eine Eskalation verhindern. Abschiebungen können laut Scheuerer lediglich zu 15 Prozent erfolgreich durchgeführt werden, weil die Flüchtlinge nur selten angetroffen werden. Bei größeren Einsätzen werden Kräfte aus Rain, Dillingen und Augsburg dazu gerufen. Dies sei nach wie vor regelmäßig der Fall. Unterdessen hätten sich die Ängste der Donauwörther Bürger wieder gelegt, nachdem man mehr Sicherheitsdienste einsetzt und Präsenz zeige.

Grünen-Abgeordnete Lettenbauer: "falsches politisches Konzept"

„Sie alle machen aus einem falschen politischen Konzept das Beste, was geht“, so das Resümee von Eva Lettenbauer. Problematisch sei in ihren Augen vor allem die Größe der Einrichtung und, dass die meisten Flüchtlinge in Acht-Bett-Zimmern leben müssen. Sie können nichts selber kochen und haben keine Privatsphäre. Rückzugsmöglichkeiten sind kaum geboten, es gibt wenig Sozialräume. Familien könnten ihren Alltag kaum leben. Asylsuchende bleiben weitaus länger als geplant in der Einrichtung – in der Regel zwischen einem halben und einem Jahr. „Da darf man Zweifel äußern, ob die Zentren den Auftrag steuern oder nur der Abschreckung dienen“, so Demirel. Donauwörths Bürgermeister Jörg Fischer, der die Lage aktuell als „stabil“ bezeichnete, stimmte zu.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Barbara Wild: Nicht wieder bei Null anfangen

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren