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Vortrag

17.12.2011

Islam und Demokratie

Donauwörths Bürgermeister Jörg Fischer erläutert als Referent bei der Europa-Union den Umbruch

Donauwörth In einem spannenden Vortrag bei der Europa-Union hat Jörg Fischer Stellung zu dem Thema „Umbruch im Nahen Osten“ bezogen. Ausgehend von den ersten Anzeichen eines Umbruchs bis hin zum aktuellen Stand der Veränderungen spannte der Referent den Bogen und fesselte seine Zuhörer.

„Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut.“ Mit diesem Zitat von Perikles (Athener Staatsmann, gestorben um 429 vor Christus) begann Fischer, Bürgermeister von Donauwörth und Vorstandsmitglied der Europa-Union Donau-Ries, sein Referat. Auslöser der Unruhen war wohl der 17. Dezember 2000, an dem sich ein junger Tunesier selbst verbrannte. Damit wies er auf die prekäre Lage der Jugend hin, die, hoch gebildet, keine Arbeit findet, unterdrückt werde und keine Zukunft habe. Am 4. Januar 2011 wurde der Diktator Ben Ali entmachtet.

Weitgehend isoliert

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Erfolgreiche Rebellionen gab es heuer in Ägypten und Libyen. Fischer streifte in seinen Ausführungen Algerien, Marokko, Bahrein, den Jemen, Jordanien und Libanon und schilderte die aktuelle Lage. Länger hielt er sich mit Syrien auf, wo der Aufstand als ausländische Verschwörung dargestellt und mit militärischen Mitteln bekämpft wird. Die Regierung trat zurück, und das Kabinett wurde umgebildet. Die Rebellion ging weiter, das Assad-Regime verhängte Sanktionen und ist nun weitgehend isoliert.

Erstaunlich nannte es Fischer, dass der bisher zahnlose Tiger Arabische Liga nun doch zu beißen beginne und die Mitgliedschaft Syriens aussetzte. Lediglich Russland und China würden alle Maßnahmen in der UNO blockieren und zögerten damit den Machtverbleib Assads hinaus.

Aufruf zum Protest im Internet

Erstaunlich sei jedoch, dass die „Waffen der Revolution“ sich gewandelt hätten. Facebook und Twitter beherrschen die Szene und rufen die Jugend und Frauen auf zum Protest. Der richtet sich gegen Armut, Korruption, Arbeitslosigkeit, Zensur, Rechtlosigkeit, Unterdrückung, Terrorismus und Folter. Glaubensdinge spielen dabei derzeit keine Rolle. Selbst die Muslimbrüder haben sich gewandelt, sodass bereits vor Monaten die US-Regierung ihre Vorbehalte gegen diese aufgegeben habe und den Dialog mit der Bruderschaft pflege.

Der Islam habe sich in vielen Ländern weiterentwickelt, nur die westliche Welt habe sich darauf noch nicht eingestellt, sagte Fischer. Die Vorbehalte gegenüber dem Rechtssystem Scharia seien – von Unkenntnis geprägt – groß. Auf der anderen Seite jedoch unterstütze man Länder wie Saudi Arabien, wo die Scharia noch wie im Mittelalter angewandt werde. Das sei scheinheilig, denn im Vordergrund stünden grundsätzlich wirtschaftliche und energiepolitische Interessen. Mit den Worten „Islam und Demokratie ist machbar“ schloss Jörg Fischer und stand noch für eine Vielzahl von Fragen zur Verfügung.

Karl Eigen, Kreisvorsitzender der Europa-Union, bedankte sich beim Referenten. (pm)

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